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Eklat vor 22 Jahren

Damals: Die Skandal-Hand des Schalkers Oliver Held

29.04.2020 18:12
Oliver Held leistete sich gegen den 1. FC Köln eine grobe Unsportlichkeit
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Oliver Held leistete sich gegen den 1. FC Köln eine grobe Unsportlichkeit

Was hätten sich die Fans des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln vor 22 Jahren den Videobeweis gewünscht. Damals, an diesem 29. April 1998 im Abstiegskampf, beim bitter-tragischen Auswärtsspiel beim FC Schalke 04.

Die Domstädter hatten an diesem Nachholspieltag im April '98 die große Möglichkeit, sich mit einem Punktgewinn etwas Luft im Kampf um den Klassenerhalt zu verschaffen. Punktgleich mit dem um zwei Tore besseren Karlsruher SC rangierte das Team von Coach Lorenz-Günther Köstner auf dem 16. Tabellenplatz.

Nach Pleiten gegen den KSC (0:1) sowie gegen Werder Bremen (0:3) hatte Köln einen Sieg bitter nötig, um den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte noch abzuwenden.

Die Partie im Schalker Parkstadion entwickelte sich vor über 55.000 Zuschauern zu einem echten Fußball-Thriller. Beide Teams kamen zu guten Torgelegenheiten, welche aber von den Schlussmännern Jens Lehmann und Andreas Menger zunichte gemacht wurden. Auch die Eurofighter aus dem Ruhrpott brachten unbedingt einen Dreier für die erneute UEFA-Cup-Qualifikation.

Schiedsrichter entscheidet nach Rücksprache auf Eckball

Dann die 80. Minute, die für den vielleicht größten Aufreger der gesamten Saison sorgte: Nach einem abgewehrten Kölner Freistoß kam René Tretschok plötzlich aus 14 Metern  völlig frei zum Abschluss. Seine Direktabnahme zischte in Richtung Schalker Tor. Keeper Jens Lehmann wäre schaute dem Ball nur machtlos staunend hinterher.

Doch bevor die Kirsche knapp unter der Latte zur Kölner Führung einzuschlagen konnte, lenkte S04-Mann Oliver Held das Leder über das Gehäuse - mit der Hand!

Skandal! Handspiel! Im eigenen Strafraum! In der Schlussphase! Die Kölner um Thomas Cichon und Starstürmer Toni Polster protestierten wild, belagerten Schiri Uwe Kemmling, der wohl als Einziger im weiten Gelsenkirchener Rund die Szene nicht richtig gesehen hatte.

Kemmling begab sich zum vermeintlichen Hand-Sünder, befragte Oliver Held nach der Situation. Anstatt die Reflexbewegung zuzugeben und sich folgerichtig die Rote Karte und den Strafstoß für Köln abzuholen, stritt Held alles ab und gab an, die Kugel mit dem Kopf geklärt zu haben. "Ich habe mich erst mal für meine Mannschaft entschieden, und nicht dafür, was tatsächlich gewesen ist", räumte Held Jahre später gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" ein.

Polster: "Soll sein ganzes Leben kein Glück mehr haben"

Folglich gab es nur Ecke für Köln, die im Nichts verpuffte. Zu allem Überfluss aus Sicht der Kölner stocherte Schalkes Radoslav Latal in der 90. Minute den Ball zum 1:0 über die Linie. Köln verlor dieses Spiel, wenige Tage später auch noch die Partie beim ersten Absteiger Arminia Bielefeld. Das Held-Handspiel bedeutete den letzten Sargnagel für die Kölner, der am Ende den schweren Gang in die zweite Liga zur Folge hatte.

Der Hand-Skandal schlug im Nachgang hohe Wellen. Während ein böse enttäuschter Toni Polster seinem schuldigen Gegenspieler "sein ganzes Leben lang kein Glück mehr" wünschte, wurde Held selbst für seine grobe Unsportlichkeit kurze Zeit später noch sanktioniert. Zum ersten Mal in der Bundesliga-Geschichte wurde ein Profi im Nachgang für ein betrügerisches Handspiel plus nachfolgender Falschaussage vom DFB-Sportgericht für zwei Spiele gesperrt. 

Immerhin: Der Mittelfeldmann zeigte sich einsichtig und sprach in mehreren Interviews später "von einem der größten Fehler meines Lebens." Weiter gab der Kurzzeit-Torhüter zu verstehen: "Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es tun, aber das geht ja leider nicht."

Den Kölnern half die Reue wenig. Am Saisonende fehlten genau diese drei Punkte, die es ohne die Held-Hand mit großer Wahrscheinlichkeit auf Schalke gegeben hätte, in der Endabrechnung zum Klassenerhalt. "Wenn ich damals die Wahrheit gesagt hätte, hätte der Abstiegskampf auch ganz anders ausgehen können", wusste auch Oliver Held, dessen Name unter hartgesottenen FC-Fans auch 22 Jahre später noch für erregte Gemüter sorgt.

Mats-Yannick Roth

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