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Raus aus der Schmuddelecke: Wettanbieter im Vergleich

19.04.2018 20:36
Sportwetten erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit
© imago sportfotodienst
Sportwetten erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit

Sportwetten sind aus der Schmuddelecke heraus. Zum Jahresbeginn stellte sogar die Deutsche Fußball Liga stolz einen privaten Anbieter als neuen Werbepartner vor.

Schlagzeilen über Wettskandale sind zehn Jahre nach dem Ende des Rechtsstreits zwischen DFB und Robert Hoyzer hingegen seltener geworden. Doch wie groß ist auch heute noch die Gefahr von Spielmanipulation und Betrug im weltweiten Fußball?

Das Online-Portal "betrugstest.com" hat in einem groß angelegten Vergleich wichtige und populäre Sportwettenanbieter unter die Lupe genommen. Die wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen wurden in Testberichten zusammengefast. 

Die Kriterien Seriosität, Wettangebot, Neukundenbonus, Bedienbarkeit und Kundensupport, Auszahlungen und Einzahlungen sowie Zusatzangebote sind im großen Vergleich bei "betrugstest.com" analysiert wurden - mit teilweise überraschenden Erkenntnissen.

3500 stark manipulationsverdächtige Spiele seit 2009

Die Themen Seriösität und Betrugsanfälligkeit wurden auch vom Unternehmen "Sportradar" detailliert in Augenschein genommen worden. "Sportradar" arbeitet mit mehr als 70 Verbänden und Ligen zusammen, darunter auch der DFL oder die FIFA, und überwacht mehr als 350.000 Spiele pro Jahr. "Die Gefahr des Wettbetrugs hat definitiv zugenommen", sagt Geschäftsführer Andreas Krannich. Es lasse sich "feststellen, dass insbesondere durch die mannigfaltigen Wettmöglichkeiten - vor und während des jeweiligen Sportereignisses, die Anzahl und Varianten der Manipulation zugenommen haben."

Seit 2009 wurden von Sportradar weltweit 3500 "stark manipulationsverdächtige Spiele" identifiziert. Dies sei "eher die Untergrenze" berichtet Krannich, da der Rechercheansatz sei, nach Gründen zu suchen, warum ein verdächtiges Spiel eben nicht manipuliert sein könnte.

Manipulation eher in den unterklassigen Ligen

Der Wettskandal mit dem damaligen DFB-Schiedsrichter Hoyzer rückte das Thema vor 13 Jahren in den öffentlichen Fokus. Später sorgten vor allem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum gegen eine international agierende Bande für Aufsehen - Partien von der 2. Bundesliga über Champions und Europa League standen unter Verdacht, auch Profispieler in Deutschland wurden gesperrt, Betrüger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Ob es weiterhin eine Gefahr des Wettbetrugs in der Bundesliga gebe, sei schwer zu beantworten, sagte Sportradar-Experte Krannich, in der Volkstimme. Wettmanipulation finde einerseits in Sportarten mit großer Wettnachfrage statt, anderseits müsse immer die Motivation der Beteiligten hinterfragt werden. "In einigen Ländern haben wir über die letzten zwei, drei Jahre festgestellt, dass die Manipulation eher in die unterklassige Ligen geht", sagt Krannich.