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Tops & Flops: Ricciardo rockt, Vettel leidet

16.04.2018 20:52
Daniel Ricciardo war in Shanghai der Mann des Rennens
Daniel Ricciardo war in Shanghai der Mann des Rennens

Ein "Bulle" als Held, der andere als Sündenbock: Der Große Preis von China stand ganz im Zeichen von Red Bull. Ausgerechnet die beiden dominierenden Teams erlebten einen Tag zum Vergessen. Die Gewinner und Verlierer des Wochenendes in Shanghai:


Die Gewinner des Wochenendes:

Daniel Ricciardo. Start-Ziel-Sieg? Kann jeder. Daniel Ricciardo feiert seine Erfolge scheinbar nur in Rennen, in denen es drunter und drüber geht. Sechs Formel-1-Rennen hat der Australier in seiner Karriere bislang gewonnen. Dabei startete der Sunnyboy von den Plätzen 6, 4, 5, 4, 10 und 6. Wie er sich in Shanghai dank einer taktischen und fahrerischen Meisterleistung wieder einmal nach vorne arbeitete, verdient höchsten Respekt. 

Beeindruckend war nicht nur sein kompromissloses Überholmanöver gegen Lewis Hamilton in Runde 40, das ihm den Sieg ermöglichen sollte. Auch wie er sich in Runde 45 an Bottas vorbei schob, war ganz großer Sport. Ohne Frage: Wenn es im Duell Eins-gegen-Eins hart auf hart kommt, gibt es kaum einen besseren Fahrer als Daniel Ricciardo. Das hat er in China einmal mehr unter Beweis gestellt.

Nico Hülkenberg. Die Formel 1 ist auch in diesem Jahr eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Vorne streiten sich Ferrari, Mercedes und Red Bull um den Sieg, dahinter kämpfen die anderen sieben Teams um den Titel "Best of the Rest". Würde es dafür eine Auszeichnung geben, hätte sie sich Nico Hülkenberg auch in Shanghai verdient. 

Beeindruckend ist vor allem die Konstanz des Deutschen, der sich seit Saisonbeginn keine Fehler leistet. Es ist bezeichnend, dass er im direkten Quali-Duell gegen Carlos Sainz die Nase mit 3:0 vorne hat und zudem auch in allen drei Rennen vor dem Spanier ins Ziel kam. Sein Manöver gegen Sebastian Vettel in Runde 44, als er sich nach Start-Ziel außen am Heppenheimer vorbeischob, verdiente sich ebenfalls die Bestnote.

Die F1-Fans. Während das erste Rennen in Australien noch ein großer Langweiler war, boten Bahrain und Shanghai den Fans beste Unterhaltung. Für die Königsklasse ist Spannung im WM-Kampf von essentieller Bedeutung. Die aktuelle Fahrerwertung und Teamwertung macht Lust auf mehr, das nächste Rennen kann gar nicht schnell genug kommen.

Dass Ferrari den Rückstand auf Mercedes im Laufe des Winters egalisiert hat, ist das Beste, das der Formel 1 passieren konnte. Wenn Red Bull jetzt noch ein paar Zehntel findet und eine Pace wie in Shanghai regelmäßig auf den Asphalt bringt, dürfen sich die Fans auf die spannendste Saison seit Jahren freuen. 


Die Verlierer des Wochenendes:

Ferrari. Das schwache Abschneiden von Sebastian Vettel war nicht selbst verschuldet, der verpasste Boxenstopp zu Beginn der Safety-Car-Phase maximal unglücklichem Timing geschuldet. Was man dem Heppenheimer aber durchaus ankreiden kann, ist seine Kampflinie direkt nach dem Start, die Teamkollege Kimi Räikkönen wichtige Plätze kostete. Ob dieses aggressive Verteidigen in der Form nötig war, ist fraglich.

Anschließend holte Vettel noch das Maximum raus, Räikkönen musste dagegen wieder einmal die Helferrolle übernehmen. Ferrari ließ den Finnen bis zur 27. Runde draußen und "opferte" ihn für Vettel.

Ohne den Crash zwischen Vettel und Verstappen hätte der "Iceman" das Rennen im besten Fall auf Platz sechs beendet. So hatte er als Dritter immerhin noch Glück im Unglück. Wenn man bedenkt, wie dominant die Roten im Qualifying waren, ist die Ausbeute von 19 Punkten (von 47 möglichen) mehr als enttäuschend.

Max Verstappen. Selten ist die Schuldfrage in der Formel 1 so leicht zu beantworten, wie im Fall Max Verstappen. Dem Niederländer brannten in Shanghai (einmal mehr) die Sicherungen durch. Obwohl er die besseren Reifen und damit das schnellere Gesamtpaket hatte, zerstörte er mit seinem dummen Überholversuch in der 43. Runde nicht nur das Rennen von Sebastian Vettel, sondern auch sein eigenes.

Das Problem: Es war bereits Verstappens fünfter großer Bock in dieser Saison. In Australien leistete er sich im Rennen einen unnötigen Dreher und überholte unerlaubterweise während der Virtual-Safety-Car-Phase. In Bahrain crashte er nach einem Fahrfehler im Qualifying und ritt im Rennen eine völlig übermotivierte Attacke gegen Lewis Hamilton, die nur mit Glück nicht in einem Doppel-Ausfall, sondern nur seinem eigenen Ausscheiden endete.

Aktuell ist der Niederländer, der zweifelsfrei zu den talentiertesten und besten Piloten im Feld gehört, eine Gefahr für sich und die Allgemeinheit. Wenn ihm Christian Horner nicht bald mal kräftig den Kopf wäscht, könnte irgendwann mehr als nur zerstörtes Blech und geplatzte Reifen die Folge sein.

Mercedes. Schon nach drei Rennen herrscht bei den Silberpfeilen bittere Gewissheit: Ferrari ist an den einst "Unschlagbaren" vorbeigezogen. Der Serien-Weltmeister beendete in Shanghai das dritte Rennen in Folge ohne Sieg - das hat es seit Beginn der Hybrid-Ära nicht gegeben. Dazu ist die Lücke zu Ferrari im Qualifying gigantisch gewesen (+0,530 Sekunden). Im Rennen waren plötzlich auch noch die Red Bull schneller.

Hinzu kommt die gravierende Formkrise von Lewis Hamilton. Der Brite stand in China neben sich und zog im Duell mit Valtteri Bottas den Kürzeren - etwas, das im letzten Jahr noch undenkbar gewesen wäre. Toto Wolff und Co. werden sich was einfallen lassen müssen, um den Trend so schnell wie möglich umzukehren.

 

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