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Red-Bull-Teamchef Horner über den Toro-Rosso-Crash

15.04.2018 15:49
Zwischen Christian Horner (l.) und Sebastian Vettel bestand Gesprächsbedarf
Zwischen Christian Horner (l.) und Sebastian Vettel bestand Gesprächsbedarf

Seit "Crashgate" weiß man in der Formel 1: Selbst die skrupelloseste Teamstrategie ist nicht auszuschließen, wenn es um den Sieg geht. Und so fühlten sich bei der Toro-Rosso-Stallkollision in Shanghai, die eine Safety-Car-Phase auslöste und so dem Schwesterteam Red Bull den Weg zum Sieg ebnete, nicht wenige an Singapur 2009 erinnert.

Als Red-Bull-Teamchef Christian Horner auf die außergewöhnlichen Umstände angesprochen wird, meint er trocken: "Toro Rosso hat perfekt auf unsere SMS reagiert." Gelächter unter den Journalisten.

Denn die Verschwörungstheorie ist natürlich Unsinn: Wie wollen Toro Rosso und Red Bull den Zwischenfall so genau timen, dass die Safety-Car-Phase Valtteri Bottas und Sebastian Vettel nicht hilft, dafür aber Verstappen und Ricciardo? Und woher will man wissen, dass die Rennleitung die Entscheidung nicht ein paar Sekunden früher oder später trifft, das Safety-Car auf die Strecke zu schicken?

Wie Red Bull so rasch reagieren konnte

"War doch nur ein Witz", relativiert Horner seine Aussage. In Wahrheit hatte Red Bull zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden, den späteren Sieger zu einem zweiten Stopp hereinzuholen, während das bei Verstappen noch unklar gewesen sei, obwohl beide Piloten nach 18 Runden auf der Ultrasoft-Mischung auch durchfahren hätten können. "Bei Max waren wir zu diesem Zeitpunkt offen für einen oder zwei Stopps, und bei Daniel hatten wir uns zu einer aggressiven Herangehensweise und zwei Stopps entschieden." Während Verstappen zu diesem Zeitpunkt Dritter war, lag Ricciardo nur auf dem fünften Platz: "Bei ihm hatten wir nichts zu verlieren."

Als man dann erkannte, dass nach dem Toro-Rosso-Crash Wrackteile auf der Strecke lagen, habe man sich bereit gemacht. "Als das Safety-Car rausgeschickt wurde, haben wir entschieden: Lasst uns noch einen Doppelstopp machen, denn die Jungs hatten das bereits beim ersten Mal phänomenal hingekriegt. Diesmal war es ein wirklich später Aufruf, vor allem für Max, denn er war bereits ausgangs der Haarnadel, es hat dann aber geklappt."

Verstappen verlor zwar einen Platz an Hamilton während Ricciardo eine Position gegen Räikkönen einbüßte, "aber dafür waren wir die letzten 22, 23 Runden des Grands Prix auf dem besseren Reifen unterwegs, während die der anderen bereits zwischen zwölf und 14 Runden alt waren."

Strategie schon vor dem Rennen abgesprochen

Doch wie läuft die Entscheidungsfindung in so kurzer Zeit ab? "Wir hatten schon vor dem Rennen abgesprochen, dass wir bei einem Safety-Car zur rechten Zeit die Reifen ein zweites Mal wechseln", offenbart Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber 'auto motor und sport'. Und Horner erklärt den Ablauf: "Der Stratege stellt im Grunde eine Anfrage, dann muss der Teammanager einschätzen, wie viel man dabei riskiert." Das letzte Wort habe Horner selbst.

Entsprechend groß war die Überraschung, als nur die Red-Bull-Piloten die Gelegenheit nutzten, aber Hamilton und Räikkönen auf der Strecke blieben. Da der Finne ohnehin erst an der Box gewesen war, "hat es mich mehr überrascht, dass Hamilton nicht hereingeholt wurde", erklärt Horner. "Ich weiß nicht, ob sie ihm gesagt hatten, das Gegenteil von Max zu machen, um einen Platz gutzumachen."

Warum Red Bull schon beim ersten Stopp beide Autos gleichzeitig hereingeholt hatte? "Beim ersten Mal hatten beide Piloten die Chance, nach vorne zu kommen, wir hätten also einen Fahrer benachteiligt, wenn wir es nicht gemacht hätten", erklärt Horner, dessen Team den Ablauf geübt hatte. "Wir entschieden also, dass es der richtige Zeitpunkt für beide sei und der Abstand zwischen den beiden groß genug war."

Horners Antwort auf Hamiltons Provokation

Die Tatsache, dass die Mechaniker diese Herausforderung beide Male bei beiden Autos in rund zweieinhalb Sekunden bewältigten und am Vortag in nur zwei Stunden bei Ricciardo der Motor gewechselt wurde, sorgte dafür, dass Horner Ricciardos Chefmechaniker Chris Gent auf das Podest schickte, um die Teamtrophäe abzuholen.

"Die Jungs waren mit dem Motor eine Stunde früher fertig, obwohl dieser nicht einmal fertig vorbereitet war - und das reichte um 45 Sekunden. Ich kann gar nicht beschrieben, was ihnen da gestern gelungen ist", schwärmt Horner. Seine Entscheidung war auch eine Reaktion auf eine Aussage von Hamiltons, wie er offenbart: "Lewis hat gemeint, dass wir nicht auf dem gleichen Niveau arbeiten wie Mercedes und Ferrari. Ich glaube aber, dass wir ganz klar gezeigt haben, dass wir das Zeug haben, auf diesem Niveau zu arbeiten."

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