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Vor 30 Jahren: Sennas magisches Meisterwerk

15.05.2018 14:29
Ayrton Senna fuhr die Konkurrenz 1988 in Monaco in Grund und Boden
Ayrton Senna fuhr die Konkurrenz 1988 in Monaco in Grund und Boden

Obwohl Michael Schumacher mit 91 Rennsiegen und sieben WM-Titeln der mit Abstand erfolgreichste Formel-1-Pilot aller Zeiten ist, gilt der 1994 tödlich verunglückte Ayrton Senna für viele bis heute als bester Fahrer der F1-Geschichte. Ein Rückblick auf den Großen Preis von Monaco 1988 zeigt, warum der Brasilianers bei vielen Fans schon frühzeitig einen Legenden-Status erlangte.

Früher wie heute zählt der Große Preis von Monaco zu den Highlights des Sportjahres. Das Rennen im Fürstentum zu gewinnen, gilt im F1-Zirkus als eine Art Ritterschlag. Wer sich bei Tempo 300 in den engen Häuserschluchten der elitären Kleinstadt durchsetzt, gehört zweifelsfrei zu den großen Rennfahrern seiner Zeit.

Auch Ayrton Senna zählte seit 1987 zum Kreis der Piloten, die die Siegertrophäe vom Fürsten entgegennehmen durften. Was Senna jedoch am Rennwochenende 1988 auf die Straßen Monacos zauberte, sprengte alle bekannten Dimensionen und gilt bis heute als eine der größten Glanzleistungen in der Geschichte der Königsklasse. 

Senna im Qualifying eine Klasse für sich

Schon im Vor-Qualifying am Freitag legte Senna bei nassen Bedingungen in seinem dominanten MP4/4 McLaren die klare Bestzeit hin. Während die anderen Piloten rechts und links durch die Leitplanken flipperten und Unfälle am Fließband produzierten, steuerte der Brasilianer seinen technisch überlegenen Boliden wie auf Schienen über den Kurs.

Im Qualifying setzte Senna seine Dominanz fort. Der McLaren-Pilot brachte seinen Wagen Runde für Runde ans Limit. Der finale Versuch kam dem perfekten Umlauf gleich. Eine saubere Linie durch Sainte Devot, Vollgas bis hinauf zum Casino, gefühlvoll durch die Haarnadelkurve, rein in den Tunnel, halb rutschend, halb fliegend durch die Schikane, vorbei am Schwimmbad, zurück auf Start-Ziel. Fehlerfrei, versteht sich. Nach seiner letzten Zieldurchfahrt stand die Pole-Zeit: 1:23,998 Minuten! Ein Fabel-Wert. 

Allein seinem Teamkollegen Alain Prost, bis dahin immerhin schon zweifacher Weltmeister, nahm Senna in der Quali unglaubliche 1,427 Sekunden ab. Gerhard Berger (Ferrari) hatte als Dritter bereits 2,687 Sekunden Rückstand. Zum Vergleich: 2017 lagen zwischen der Pole-Zeit und dem 9. Platz nur 1,435 Sekunden - Senna legte dieses Polster zwischen sich und P2. 

"Ich war in einer anderen Dimension"

Spätestens nach diesen beiden Tagen war klar, dass es im Rennen am 15. Mai 1988 nur einen Sieger geben kann: Ayrton Senna.

Von der ersten Runde an deklassierte der Brasilianer die Konkurrenz. Senna zog vom Start weg davon und zeigte den Fans eine wahrhaft meisterliche Vorstellung. Nach nur sechs Runden lag der Pole-Mann unglaubliche 7,6 Sekunden vor dem ersten Verfolger. Nach zehn Umläufen hatte er seinen Vorsprung auf 13 Sekunden ausgebaut. Zwischendrin stellte Senna neue Rundenrekorde auf.

Es war mehr als nur ein Klassenunterschied. Was Senna in diesen Minuten auf den Asphalt zauberte, schien nicht von dieser Welt. "An diesem Tag habe ich realisiert, dass ich während des Fahrens nicht mehr bei Bewusstsein war. Ich war in einer anderen Dimension. Die Strecke war wie ein Tunnel für mich, den ich einfach entlang gefahren bin", erinnerte sich Senna später an seine magische Vorstellung.

Ron Dennis und ein folgenschwerer Funkspruch

Bis zur 64. Runde baute Senna seinen Vorsprung auf den Rest des Feldes auf sagenhafte 55 Sekunden aus. Zwischendrin sah es sogar so aus, als ob er alle anderen Fahrer überrunden würde.

Doch dann erreichte den Brasilianer ein folgenschwerer Funkspruch. Ron Dennis, Teamchef von McLaren, gab ihm die Order, vom Gas zu gehen, um den sicheren Doppelsieg nicht zu gefährden. Senna folgte der Anweisung - und wurde nachlässig.

"Ich bin vom Gas gegangen, so wie es Dennis mir gesagt hat. Ich wurde relaxed und abgelenkt", erklärte Senna später das, was in der 67. Runde geschah. In der Portier-Kurve vor dem Tunnel verlor er plötzlich das Heck und rauschte in die Bande. Seine Aufhängung brach, das Rennen war verloren.
>>> das Klassement des GP von Monaco 1988

Senna verschwindet spurlos

Der frustrierte Senna verschwand binnen Sekunden aus dem Blickfeld der Kameras und wurde bis zum späten Abend von keinem Menschen mehr gesehen. "Ich habe dauernd in seinem Appartement angerufen, aber er hat nicht abgehoben", erinnerte sich McLaren Co-Koordinator Jo Ramirez. 

Erst um 22 Uhr habe er Senna endlich erreicht. "Ich weiß nicht, was passiert ist. Mir ist das Lenkrad aus den Händen gerutscht", soll der Brasilianer enttäuscht berichtet haben.

"Dieses Gefühl habe ich nie wieder erreicht"

Doch so niedergeschlagen Senna an jenem Sonntag wahr, so groß war die Kraft, die er aus dem Rennen zog: "Es war der Wendepunkt. Dieser Fehler hat mich wachgerüttelt. Er hat mir die mentale Stärke gegeben, in kritischen Situationen cool zu bleiben. Das war der größte Schritt in meiner Karriere, als Rennfahrer und als Mensch. [...] Es war nicht einfach nur ein Fahrfehler. Es war die Konsequenz aus Problemen, die ich mit mir herumgetragen habe und die mich angreifbar gemacht haben."

Aus sportlicher Sicht habe er an diesem Tag sein persönliches Maximum erreicht und gewusst: "Ich kann nicht noch besser fahren. Dieses Gefühl", sagte Senna später, "habe ich nie wieder erreicht".
>>> die Fahrerwertung der WM 1988

Christian Schenzel

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Monaco GP 1988

1GroßbritannienMcLaren1:57:17.077h
2ItalienFerrari+20.453s
3ItalienFerrari+41.229s
4GroßbritannienArrows+ 1 Runde
5GroßbritannienTyrrell+ 1 Runde
6GroßbritannienWilliams+ 1 Runde
7EnglandLola+ 1 Runde
8GroßbritannienBenetton+ 2 Runden
9ItalienOsella+ 3 Runden
10GroßbritannienMarch+ 6 Runden
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