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Tops & Flops: Ferrari zwischen Podest und Krankenhaus

09.04.2018 11:23
Traumstart in die Saison: Sebastian Vettel gewann beide Rennen der bisherigen Formel-1-Saison
Traumstart in die Saison: Sebastian Vettel gewann beide Rennen der bisherigen Formel-1-Saison

Eine Meisterleistung zum 200. Grand Prix! Sebastian Vettel zeigte beim Großen Preis von Bahrain eine nahezu fehlerfreie Performance und siegte auch im zweiten Rennen der Saison. Sein Teamkollege Kimi Räikkönen hingegen leistete sich einen ebenso peinlichen wie schmerzhaften Unfall in der Boxengasse. Neben Vettel glänzten vor allem auch zwei Hinterbänkler am Rennsonntag. sport.de kürt die Gewinner und Verlierer des Wochenendes. 

Die Gewinner des Wochenendes:

Sebastian Vettel. Der 30-Jährige bewies am Rennsonntag, dass er immer noch ein echter Champion ist. Sein Erfolg war nicht weniger als eine taktische und am Ende vor allem auch fahrerische Meisterleistung der Scuderia Ferrari und ihres Superstars. Nachdem die direkte Konkurrenz in Person von Valtteri Bottas bereits frühzeitig zum Stopp an die Box gekommen war und auf Medium-Reifen gewechselt hatte, stand die Ferrari-Crew vor der entscheidenden Frage des Sonntags: Eine Ein-Stopp-Strategie riskieren und 39 Runden auf Soft-Reifen riskieren, oder doch lieber reinkommen und so den Sieg praktisch kampflos an Bottas abgeben?

Vettel entschied sich für Ersteres - zum Glück. Mit immer schlechter werdenden Reifen setzte der viermalige Weltmeister alles auf eine Karte. Die Rundenzeiten wurden immer langsamer, das Handling des Ferraris immer schwieriger. Gegen den heranstürmenden Bottas behielt Vettel in der Schlussphase aber die Nerven und zeigte unter großem Druck stehend eine fehlerfreie Vorstellung. Den einzigen Angriff des Finnen in der letzten Runde wehrte der 30-Jährige ab, um anschließend völlig euphorisiert seinen zweiten Saisonsieg zu bejubeln.

Pierre Gasly. In seinem erst siebten Formel-1-Rennen feierte der junge Franzose den bislang größten Triumph seiner Karriere. Pierre Gasly nutzte die Schwächen und Fehler der Konkurrenz perfekt aus, indem er selbst eine blitzsaubere Leistung zeigte und die sehr guten Eindrücke aus den Trainings mit ins Rennen nehmen konnte.

Nach den Ausfällen von Ricciardo und Verstappen im Red Bull sowie Räikkönen im Ferrari war klar, dass der "Best of the Rest" um zwölf WM-Zähler würde mitfahren können. Und diesen Titel sicherte sich Gaslya im Toro Rosso, da er in den Duellen mit Kevin Magnussen stabil blieb und bei freier Fahrt eine starke Runde nach der nächsten in den Asphalt brannte. Nach dieser Spitzenleistung und dem besten Ergebnis der noch jungen Formel-1-Karriere dürfte der Red-Bull-Nachwuchsfahrer vor allem Werbung in eigener Sache betrieben haben. 

Stoffel Vandoorne. Der achte Platz für McLaren-Mann Stoffel Vandoorne klingt erst einmal nicht nach einem überaus tollen Rennverlauf für den jungen Belgier. Vor allem nicht, da er von gleich drei Ausfällen vor ihm liegender Fahrzeuge profitierte und ansonsten wohl gar nicht in die Punkteränge gekommen wäre. Nach einem schwachen Start lag Vandoorne zuächst sogar ganz am Ende des Feldes. 

Doch dann folgten im Laufe des Abends elf Überholmanöver gegen direkte Konkurrenten, die den Alonso-Teamkollegen immer weiter nach vorne spülten. Die erfolgreichen Rad-an-Rad-Duelle sorgten bei Vandoorne selbst für Genugtuung nach den schlechten Qualifying-Auftritten der McLaren: "Ich hatte mich schon auf ein anstrengendes Rennen eingerichtet, aber dann wurde es richtig schön. Ich habe es sehr genossen." Kriegen die Orangenen jetzt auch noch Geschwindigkeit für eine schnelle Runde auf die Strafe, geht vielleicht bald noch mehr als Platzierungen im vorderen Mittelfeld. 

Die Verlierer des Wochenendes:

Kimi Räikkönen. Dieser Unfall tat einfach nur weh. Schon beim Zuschauen. Beim ersten und wohl einzigen geplanten Boxenstopp des Iceman ging so ziemlich alles schief! Das Problem war, dass Räikkönen viel zu früh per Ampel angezeigt wurde, dass der Reifenwechsel offensichtlich bereits vollzogen wurden. "Ich bin losgefahren, als das Licht grün war. Ich habe nicht gesehen, was hinten los war. Mein Job ist, loszufahren, wenn das Licht wechselt", berichtete Kimi Räikkönen.

Die Ampel-Panne hatte für Mechaniker Francesco Cigarini fatale Folgen. Ohne, dass der hintere linke Reifen überhaupt gewechselt wurde, fuhr Räikkönen dem Italiener über das Bein und brach ihm selbiges. Noch am Abend wurde Cigarini ins Krankenhaus eingeliefert und operiert. Für Räikkönen doppelt bitter: Er musste seinen Boliden auf Platz drei liegend abstellen und war aus dem Rennen.

Red Bull. Nach drei Runden war alles schon vorbei! Hochmotiviert waren die Red Bull ins Rennen gestartet, vor allem Daniel Ricciardo hegte auf Platz vier liegend Treppchen-Ambitionen. Auch Max Verstappen wollte nach seinem Qualifying-Patzer vom Samstag unbedingt Wiedergutmachung betreiben und lag schon nach einer Runde vielversprechend auf Platz elf. 

Während sich Verstappen nach seiner Berührung mit Lewis Hamilton einen Plattfuß einhandelte und kurze Zeit später wohl mit einem Folgeschaden aus dem Rennen schied, kam der Ricciardo-Ausfall komplett unvermittelt. Als hätte ihm jemand den Stecker gezogen, war wenige Momente nach dem Start die komplette Software ausgefallen und der Red Bull nicht mehr fahrtüchtig. Mit großem Frust endete ein Wochenende zum Vergessen für beide Red-Bull-Stars vorzeitig in der Garage.

Romain Grosjean. Was im Haas in diesem Jahr möglich ist, bewies Teamkollege Kevin Magnussen. Der Däne fuhr sein bestes Ergebnis seit dreieinhalb Jahren ein und jubelte über einen tollen fünften Platz. Romain Grosjean hingegen konnte dem Tempo der Top Ten nicht folgen, auch weil er sich Teile an seinem Rennwagen beschädigt hatte und unplanmäßig gleich dreimal an die Box musste. Nachdem er zeitweise bis auf den siebten Platz nach vorne gespült wurde, reihte sich der Franzose nach den Stopps zeitweise auf der vorletzten Position wieder ein. 

Der ehrgeizige Franzose kommt letztlich hinter der vermeintlich schwächeren Konkurrenz von Toro Rosso, Force India und vor allem Sauber ins Ziel, was für viele lange Gesichter bei der Haas-Mannschaft sorgte.

Mats-Yannick Roth

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