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Rückblick auf das Benetton-Aus im Jahr 2000

Damals: Als Schumis Weltmeister-Team einfach verschwand

16.03.2019 13:24
Mit Michael Schumacher feierte Benetton große Erfolge in der Formel 1
Mit Michael Schumacher feierte Benetton große Erfolge in der Formel 1

Am 16. März 2000 wurde das Ende einer Ära in der Formel 1 beschlossen. Über ein Jahrzehnt lang war das Benetton Formula Racing Team bis dahin fester Bestandteil der Königsklasse, ehe der Rennstall an Renault verkauft wurde. Ein Blick zurück auf der erste Weltmeister-Team von Michael Schumacher.

Was sind das für unvergessene Bilder? Michael Schumacher auf dem Siegerpodest, pitschnass nach ausgiebiger Champagnerdusche, Arm in Arm mit Teamchef Flavio Briatore.

Zwei Weltmeistertitel schenkte der deutsche Ausnahme-Racer dem italienischen Rennstall, den der Bekleidungsfabrikant Benetton 1986 gründete und im Formel-1-Zirkus etablierte.

Zu Beginn gelangen dem Team zwar immer wieder Achtungserfolge, wie der erste Grand-Prix-Sieg 1986 von Gerhard Berger in Mexiko. Doch über die Jahre betrachtet, kam der Konstrukteur, der im Premierenjahr von BMW und anschließend acht Jahre lang von Ford mit Motoren beliefert wurde, nicht über den Status eines Mittelklasseteams hinaus.

Benetton-Erfolgsduo: Teamchef Flavio Briatore (l.) und Michael Schumacher (M.)
Benetton-Erfolgsduo: Teamchef Flavio Briatore (l.) und Michael Schumacher (M.)

Jeweils deutlich abgeschlagen hinter den Branchenriesen McLaren, Williams oder Ferrari schaffte es Benetton-Ford zunächst nicht, regelmäßig die Podestplätze anzupeilen.

Der dreimalige Weltmeister Nelson Piquet schürte mit einem starken Saisonfinale 1990 zwar große Hoffnungen bei den Italienern. Dieser erfüllten sich in der Folgesaison jedoch nicht.

Michael Schumacher sorgt für die große Wende

Die endgültige Trendwende führte erst ein junger Deutscher herbei, den Benetton nach seinem vielbeachteten Formel-1-Debüt für das Jordan-Team nach nur einem Rennen mitten in der Saison verpflichtete: Michael Schumacher. 

Der kurzfristige Wechsel löste beim späteren Rekordweltmeister selbst ein "komisches Gefühl" aus, wie er später zugab. Doch was folgte, ist unvergessliche Motorsporthistorie.

Schon in seinem ersten Rennen für Benetton kam Schumi knapp vor Altmeister Piquet als Fünfter ins Ziel, fuhr anschließend dreimal nacheinander in die Punkteränge.

Seine erste komplette Benetton-Saison 1992 beendete der junge Kerpener bereits vor seinem großen Idol Ayrton Senna im McLaren als WM-Dritter. Neben dem Premierensieg in Spa holte er sieben weitere Podestplatzierungen.

Mit Damon Hill (h.) lieferte sich Michael Schumacher legendäre Duelle
Mit Damon Hill (h.) lieferte sich Michael Schumacher legendäre Duelle

Nachdem Benetton immer wieder mit Ausfällen zu kämpfen hatte und Schumacher 1993 sieben Mal nicht ins Ziel kam, profitierte der Rennstall ein Jahr später von weitreichenden Regeländerungen.

Die Wiedereinführung der Tankstopps und das Verbot elektronischer Start- und Fahrhilfen kam den Italienern extrem zu Gute. Schumacher gewann sechs der ersten sieben Rennen und dominierte nahezu nach Belieben.

Erster WM-Titel begleitet von Betrugsvorwürfen

Allerdings wurden dem Team und Schumi selbst immer wieder Regelverstöße und Betrügereien vorgeworfen und teilweise auch nachgewiesen. Eine illegale Startautomatik, der berühmte Holzplatten-Skandal und der umstrittene Crash mit WM-Rivale Damon Hill beim Showdown in Adelaide: Insgesamt sechs Mal wurde der Kerpener disqualifiziert oder schied aus. Dennoch: Am 13. November jubelte Benetton über die erste Fahrerweltmeisterschaft.

Dass Schumacher seinen WM-Triumph ein Jahr später in überragender Manier wiederholte, setzte seiner erfolgreichen Ära bei Benetton endgültig die Krone auf.

Diesmal gewann der deutsche Champion mit deutlich weniger Störgeräuschen. Benetton feierte die erste und einzige Konstrukteurs-WM.

Als entscheidender Schritt galt im Vorfeld die neu gewonnene Zusammenarbeit mit Renault als Motorenlieferant. Teamchef Flavio Briatore hatte diesen Deal ermöglicht.

Nur noch ein Grand-Prix-Sieg in den Post-Schumi-Jahren

Mit dem Abgang Schumachers zu Ferrari endete die goldene Zeit des Benetton-Teams abrupt im Jahr 1996. Das neue Fahrer-Duo Jean Alesi und Gerhard Berger konnte nicht an die vorangegangenen Erfolge anknüpfen. Die führenden Köpfe um Briatore, Ross Brawn und Rory Byrne wanderten ab.

Dem Team fehlte es fortan an richtiger Führung, technischen Innovationen und renntaktischer Cleverness. Nur noch ein einziges Rennen sollten die Italiener gewinnen.

Ein letzter Versuch, mit den jungen Wilden Giancarlo Fisichella und Alexander Wurz neuen Schwung zu holen, verpuffte jämmerlich. Weit abgeschlagen beendete das Team die Saisons 1998 und 1999. Damit war klar: So wird es nicht weitergehen.

Für zwei Jahre noch als Namensgeber dabei

Anfang 2000 begannen die konkreten Verhandlungen zwischen Benetton und Renault. Diese endeten am 16. März mit dem Verkauf des Rennstalls für über 110 Millionen Euro.

"Die Geschichte von Benetton in der Formel 1 hat unsere wildesten Hoffnungen übertroffen. Aber um dem Team die Zukunft zu garantieren, die es verdient, verdient es einen neuen globalen Kontext und eine neue Führung", erklärte Firmen-Chef Luciano Benetton den Verkauf. Er handelte allerdings immerhin aus, dass seine Marke noch für zwei Jahre als namensgebender Sponsor Teil des Renault-Teams blieb.

Der Autobauer aus Frankreich führte die mit vielen Highlights gespickte Geschichte der Bekleidungsfirma aus Treviso später fort und machte Fernando Alonso 2005 und 2006 zum Doppelweltmeister.

Mats-Yannick Roth

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