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Sicherheitsdebatte überschattet WM-Vorbereitung

06.03.2018 13:25
Kein Großereignis ohne Drohkulisse: WM-Sicherheit rückt in den Fokus
© getty, Epsilon
Kein Großereignis ohne Drohkulisse: WM-Sicherheit rückt in den Fokus

Erst Kim Jong Uns roter Knopf, jetzt islamistischer Terror und Hooligans - es scheint kein sportliches Großereignis ohne eine Drohkulisse im Vorfeld mehr zu geben.

Wie schon vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang rückt das Thema Sicherheit 100 Tage vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli in den Blickpunkt.

Laut "Bild" erwartet das Bundeskriminalamt bei der Endrunde eine hohe Gefährdung vor allem durch radikale Islamisten. Die Zeitung verweist dabei auf ein vertrauliches Papier der Behörde. Dem "SID" sagte das BKA, dass "wir Aussagen zu internen Berichten grundsätzlich nicht kommentieren".

In dem BKA-"Gefährdungslagebild" steht nach Angaben der "Bild", dass die islamistischen Strukturen in Teilen Russlands und die hohe Zahl an russischstämmigen IS-Kämpfern für eine besondere Gefährdungslage sorgen würden.

Wegen der Beteiligung an den Kriegen im Irak und in Syrien stehe Russland besonders im Fokus der Terrormiliz Islamischer Staat, die seit Oktober vergangenen Jahres zudem auch die anstehende WM thematisiere.

Das BKA beziehe sich dabei unter anderem auf die verbreiteten Collagen, die eine Hinrichtung von Superstars wie Neymar, Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo abgebildet haben.

Gewalt bei russischen Fans nichts Neues

Das BKA weise in dem Papier zudem darauf hin, dass Teile der russischen Fanszene für ihre Gewaltbereitschaft und Rassismus bekannt seien. Hooligans hätten bereits im Frühjahr 2017 ein "Festival der Gewalt" angekündigt. Angriffe russischer Gewalttäter bei der EM-Endrunde 2016 in Frankreich hatten Entsetzen ausgelöst.

Bei Straßenschlachten in Marseille waren 35 Menschen verletzt worden. Erst vor zwei Wochen ist ein Polizist bei Krawallen russischer Hooligans vor der Europa-League-Partie zwischen Athletic Bilbao und Spartak Moskau ums Leben gekommen.

All diese BKA-Erkenntnisse sind allerdings nicht neu, sie erscheinen viel eher als die Sammlung allgemein zugänglicher Informationen der vergangenen Monate. Der Weltverband FIFA hatte vor dem Hintergrund möglicher Gefahren zuletzt betont, dass er alles für die Sicherheit während der Endrunde tun werde.

FIFA-Sicherheitschef nimmt Probleme ernst

Der deutsche FIFA-Sicherheitschef Helmut Spahn stellte deshalb Ende Januar ein "sicheres Fußballfest" in Aussicht. "Die Sicherheitsmaßnahmen im Stadion sind wie am Flughafen, vielleicht sogar noch höher", sagte Spahn beim Sportwirtschaftskongress SPOBIS in Düsseldorf: "Wir bieten einen höchstmöglichen Standard an Sicherheit mit so wenigen Einschränkungen wie möglich."

Laut Spahn werde vor allem die Hooligan-Problematik von den Russen sehr ernst genommen. "Natürlich wurde dieses Problem erkannt, es steht oben auf der Agenda", sagte Spahn schon Ende des vergangenen Jahres dem Münchner Merkur: "Man tut alles, um in dem Bereich präventiv zu wirken."

Mit Blick auf den Terrorismus rät Spahn zu mehr Gelassenheit. "Die terroristische Bedrohung ist ernst zu nehmen und kann nicht wegdiskutiert werden. Aber wenn wir jetzt anfangen, unser aller Leben umzustellen, machen wir genau das, was die Terroristen erreichen wollen. Dann haben wir verloren", äußerte der FIFA-Direktor: "Die Sicherheitsbehörden, mit denen ich spreche, nehmen diese neue Form des Terrorismus sehr ernst, raten aber auch in der Sache zu keiner Überreaktion."