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Sportler des Monats: Frenzel über Olympiagold und Rücktritt

06.03.2018 08:38
Eric Frenzel war der erfolgreichste deutsche Olympia-Teilnehmer in Pyeongchang
Eric Frenzel war der erfolgreichste deutsche Olympia-Teilnehmer in Pyeongchang

Eric Frenzel hat im Februar Sportgeschichte geschrieben. Mit seinen zwei Gold- und einer Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen ist der 29-Jährige nun der erfolgreichste Nordische Kombinierer der deutschen Olympia-Historie - mit insgesamt dreimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze.

Ganz klar: Für sport.de ist Eric Frenzel nach seinen großen Erfolgen bei den Winterspielen der Sportler des Monats Februar. Mit sport.de sprach der Nordische Kombinierer exklusiv über seine Siege von Pyeongchang, die Ehre des deutschen Fahnenträgers und Rücktrittsgedanken.

Herr Frenzel, der Trubel um Ihre Person war nach den Winterspielen enorm. Wie verliefen die ersten Tage zurück in Deutschland?

Eric Frenzel: Es war wirklich sehr viel los, zumal es in Lahti ja direkt mit der nächsten Weltcup-Station weiterging. Nach dem Rückflug stand zunächst der Empfang in Frankfurt an. Da war ich selbst erst spät am Abend zu Hause. Einen Tag später konnte ich dann ein bisschen in Ruhe trainieren, bevor ich abends in meiner Heimat Flössenburg empfangen wurde. Ab Mittwoch war dann auch schon wieder Tasche packen und Vorbereitung auf die nächste Weltcup-Station angesagt. 

Bitte beschreiben Sie noch mal Ihre Ausgangslage vor den Olympischen Spielen von PyeongChang. Sie hatten bis dahin nur einen Weltcupsieg zu Buche stehen, sowie Platz acht im Gesamtweltcup. Wie groß war der Druck, den Sie sich selbst gemacht haben?

Ich würde es eher als Erwartungshaltung bezeichnen. Ich hatte schon gemerkt, dass es im Weltcup noch nicht so lief, wie ich es mir gewünscht hatte. Der Ablauf war eigentlich ganz gut zum Saisonstart, was die Trainingsleistungen und den Fitnesszustand anging. Mit meinem Sieg in Ramsau hatte ich auch ein sehr positives Highlight im Dezember, das mir gezeigt hatte: Okay, der Weg stimmt.

Aber Sie haben Recht: Als im neuen Jahr die Weltcups wieder losgingen, lief es nicht so rund wie ich es mir gewünscht hätte wie in den Jahren zuvor, in denen ich schneller zu meiner Topform gefunden hatte. Da bin ich dann schon etwas nervös geworden, weil die Zeit einem langsam davonläuft. Da dann den richtigen Weg zu finden ist gar nicht so einfach. 

Die Erwartungshaltung an die Nordische Kombination insgesamt mit vier potenziellen Top-Ten-Athleten war riesig. Wie sind Sie in der NoKo-Mannschaft damit umgegangen?

Wir kannten das ja schon aus Sotschi vor vier Jahren. Da war es sogar noch extremer, weil da die Resultate im Weltcup besser waren und ich als Gesamtweltcup-Führender zu Olympia gefahren bin. Sicherlich habe ich es mir gewünscht, dass es wieder ganz nach vorne geht, aber dieser ganz große Druck von außen war eigentlich gar nicht da.

Am 14. Februar gelang Ihnen dann direkt im ersten Wettkampf der ganz große Wurf mit der Goldmedaille nach dem Springen von der Normalschanze und zehn Kilometer Langlauf. Welche Emotionen hatten Sie schon während des Rennens, als sie merkten: das klappt heute?

Einen Olympiasieg erlebt man nicht sehr oft, keiner von uns! Schon in Sotschi war die erste Goldmedaille ein Highlight, welches ich nie vergessen werde. Auch dieses Mal war es ein ganz besonderes Gefühl. Vor Ort konnte ich es erst gar nicht richtig glauben, dass ich diesen Erfolg wiederholen konnte. Es hat genau zum richtigen Zeitpunkt alles zusammengepasst, das war einfach schön!

Nur wenige Menschen überhaupt konnten vor Ihnen die Frage beantworten, welcher Moment Ihnen mehr bedeutet hat: Die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier zu tragen oder eine Olympische Goldmedaille zu gewinnen – was war für Sie das größere Erlebnis?

Es lässt sich beides ganz schwer vergleichen! Auf dem Podium zu stehen und Gold zu gewinnen, ist eine unglaubliche Anerkennung für die Leistung, die man selbst in diesem Moment erbracht hat. Das habe ich mir selber erarbeitet und bin da sehr stolz drauf. Die ganze Fahnenträger-Geschichte ist natürlich eine sehr große Ehre für mich gewesen. Die Ehre kommt einem von außen zugute, weil man über viele Jahre hinweg in sportlichen Dingen aber vielleicht auch als Mensch vieles richtig gemacht hat. Ich habe das sehr genossen und es war ein großartiges Gefühl, vorneweg zu laufen.

Im Wettbewerb von der Großschanze zeigten Sie mit Ihren DSV-Kollegen Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Vinzenz Geiger eine überragende Mannschaftsleistung. Kam irgendwann einmal bei Ihnen so etwas wie Enttäuschung auf, dass es im Zielsprint am Ende nur zu Platz 3 und Bronze gereicht hat?

Als Sportler möchte man natürlich immer das Maximale rausholen. Es war ja auch sehr knapp. Schlussendlich bin ich aber sehr stolz auf meine Leistung in diesem Rennen und die Bronzemedaille. Die zwei (Rydzek und Rießle, Anm. d. Red.) haben sich ihre Medaillen aber auch mehr als verdient, oben auf dem Podest stehen zu dürfen. Sie haben einen tollen Wettkampf abgeliefert und ihre Stärken gezeigt, bei mir hat es an dem Tag einfach nicht zu mehr gereicht.

Was passiert in der Olympischen Mannschaft an so einem Abend, wenn die Nordischen Kombinierer mit den Plätzen eins, zwei, drei und sieben nach Hause kommen?

Dass es bei den Olympischen Spielen noch einmal so toll zusammenpasst, wie im letzten Jahr bei der WM, daran hat keiner von uns wirklich gedacht. Es war ein unglaublich toller Moment, die kompletten Medaillen abzuräumen. Dieser Erfolg hat nicht nur uns, sondern der kompletten deutschen Mannschaft sehr gut getan. Die Sportler, Trainer, Betreuer und Techniker konnten sich alle mitfreuen.

Zwei Tage später galt das Staffel-Gold fast als gebucht. Die Goldmedaille konnte eigentlich nur über Deutschland gehen. Wie schwierig war es, die Anspannung vor diesem Wettkampf hochzuhalten?

Die Anspannung ist von alleine hoch! Wir wussten, dass wir in einer guten Verfassung sind und Olympiasieger werden können. Die Gefahr lag darin, dass die Ausgangslage zu einer zu großen Belastung hätte werden können. Zum Glück haben wir alle eine sehr gute Leistung abgeliefert und konnten reproduzieren, was wir vorher schon gezeigt hatten. Das war ein grandioser Wettbewerb, den wir alle genießen konnten.

Sie haben in PyeongChang Ihre Medaillen vier, fünf und sechs gewonnen. Mit drei Olympiasiegen und insgesamt sechs Medaillen stehen Sie jetzt in einer Reihe mit Legenden wie Georg Hackl, Maria Höfl-Riesch oder Jens Weißflog. Haben Sie Ihre Erfolge überhaupt schon realisiert?

Ich habe mir dazu eigentlich noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich bin extrem stolz auf meine sechs olympischen Medaillen, das ist schon eine große Sache. Dass ich zu solchen Sportgrößen aufschließen konnte, freut mich auf jeden Fall. Aber grundsätzlich schaut man auf sowas glaube ich erst, wenn man irgendwann die Skier an den Nagel gehängt hat. Ich versuche einfach, den Moment zu genießen, ohne zu viel zurückzuschauen. Dafür geht es im Sport auch einfach zu schnell.

Ihre Kollegin Laura Dahlmeier war neben Ihnen die erfolgreichste deutsche Medaillensammlerin in PyeongChang, wird zuletzt immer wieder mit Rücktrittsgedanken in Verbindung gebracht. Bleiben Sie uns denn auf jeden Fall im kommenden Winter erhalten?

Natürlich komme ich allmählich in ein Alter, in dem ich schon mal darüber nachdenken kann. Aber so lange ich noch den Spaß an der Nordischen Kombination habe und auch die Leistung bringen kann, will ich den Sport gerne weitermachen! Ich habe schon viele Jahre mit dem Sport gelebt, es macht mir einfach Spaß so. So lange mir vor allem meine Familie so den Rücken stärkt, werden wir so weitermachen. Die Heim-WM 2021 in Oberstdorf und vielleicht sogar die Olympischen Spiele 2022 sind noch große Ziele. Da muss ich aber von Schritt zu Schritt denken und halte mir das noch offen.

Wir haben mit anderen Sportlern gesprochen, die bei Olympia ganz neue Kontakte und Freundschaften geknüpft haben. Wen haben Sie aus dem deutschen Team oder Allgemein in den letzten Wochen neu kennengelernt?

Wir hatten in den letzten Tagen nochmal engeren Kontakt mit den Eishockeyspielern. In meinem Fall besonders mit Christian Ehrhoff, der ja wie ich auch als Fahnenträger nominiert war. Das war sehr schön, ihn kennenzulernen und seine Geschichte zu hören. Seine sportliche Karriere war und ist grandios. Der Kontakt zu den anderen Athleten ist natürlich immer etwas ganz Besonderes.

Lesen Sie hier:

Sportler des Monats Januar: Tennis-Star Angelique Kerber
Sportler des Monats Dezember: Skisprung-Weltcupsieger Richard Freitag
Sportler des Monats November: Tischtennis-Titelsammler Dimitrij Ovtcharov
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Das Gespräch führte Mats-Yannick Roth

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