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Christian Ehrhoff: Vom Eis ins Lichtermeer

25.02.2018 13:29
Christian Ehrhoff trägt bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne
© getty, Bruce Bennett
Christian Ehrhoff trägt bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne

Erst gewann er sensationell Silber mit der Eishockey-Nationalmannschaft, dann führte er die deutschen Athleten als Fahnenträger zur Schlussfeier ins Olympiastadion: Christian Ehrhoff erlebte in Pyeongchang den Höhepunkt einer langen Karriere.

Im Lichterzauber der olympischen Schlussfeier schwenkte Christian Ehrhoff die deutsche Fahne - mit müden Armen, aber der Silbermedaille um den Hals und einem Lachen im Gesicht. Vergessen war die dramatische Endspielniederlage mit der Eishockey-Nationalmannschaft vier Stunden zuvor, der 35-Jährige genoss den schönsten Moment seiner langen Karriere.

Am Nachmittag hatte der langjährige NHL-Profi seine Hand sogar an Gold gehabt. Im Final-Thriller gegen Russland fehlten 55,5 Sekunden zum größten Wunder der Eishockey-Geschichte, nach dem 3:4 nach Verlängerung gegen den Rekordweltmeister hielt die Enttäuschung aber nicht lange an. "Am Ende überwiegt der Stolz", sagte Ehrhoff.

"Es war wahrscheinlich eine einmalige Chance"

Im Endspiel hatte der einst teuerste Eishockey-Verteidiger der Welt schon vor sieben Jahren mit den Vancouver Canucks gestanden. Den Stanley Cup gewann er damals nicht, der Frust war riesig. In Pyeongchang schrieb er sich mit dem sensationellen Siegeszug der Nationalmannschaft Sportgeschichte - und haderte nur kurz mit dem unglücklichen Ende.

"Es war wahrscheinlich eine einmalige Chance, das tut schon weh", sagte er: "Aber wir stehen hier mit einer Medaille um den Hals, das hätte niemand für möglich gehalten. Aber können unglaublich stolz auf das sein, was wir hier erreicht haben."

Dass er zum Abschluss die deutsche Fahne tragen durfte, ließ die letzten Rest von Enttäuschung verfliegen. "Es ist eine riesige Ehre für mich", sagte Ehrhoff, der damit auch seine Sportart in den Fokus rückte - vier Jahre, nachdem er mit der DEB-Auswahl in Sotschi nur Zuschauer gewesen war.

"Wir sind stolz, dass wir ein Land so mitziehen konnten"

Mit den sensationellen Siege gegen Weltmeister Schweden im Viertelfinale und gegen Rekord-Olympiasieger Kanada hatten Ehrhoff und Co. die Bronze-Legenden von Innsbruck übertrumpft und sich zu den neuen deutschen Eishockey-Helden gemacht. "Jeder redet immer noch von 1976", sagte Ehrhoff: "Für die nächsten 50 Jahre wird jeder von diesem Team reden."

Mit ihren mitreißenden Auftritten in Pyeongchang lösten die Nationalspieler in der Heimat eine regelrechte Eishockey-Begeisterung aus. "Jeder zu Hause war aufgeregt", meinte Ehrhoff: "Es haben ganz viele geschaut. Wir sind stolz, dass wir ein Land so mitziehen konnten."

"Meine Familie jubelt mir von Deutschland aus zu"

Der Verteidiger der Kölner Haie, der 2016 seine NHL-Karriere nach 13 Jahren und 862 Spielen beendet hatte, war ein enorm wichtiger Faktor für diesen völlig überraschenden Erfolg. Mit seiner Routine und seiner Übersicht gab er der DEB-Auswahl Halt. Seine genauen Aufbaupässe waren genauso wichtig wie seine harten Schlagschüsse im Powerplay. Der Verteidiger stand pro Spiel fast 25 Minuten auf dem Eis - deutlich mehr als alle anderen Teamkollegen.

Selbst ein brutaler Check gegen den Kopf nach neun Sekunden im Playoff gegen die Schweiz (2:1 nach Verlängerung) konnte Ehrhoff nicht stoppen. Nach einer kurzen Pause spielte der Routinier weiter - noch besser als zuvor.

Familienvater Ehrhoff freute sich schon auf die Rückkehr am Montag. "Meine Familie jubelt mir von Deutschland aus zu", berichtete er: "Meine drei kleinen Töchter sind sehr aufgeregt und feuern mit an. Ich bekomme immer Videos von meiner Frau. Ich freue mich, sie in den Arm zu nehmen und als Sahnehäubchen auch noch eine Medaille mitzubringen."

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