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Sturm: "Wusste, dass das kein gutes Zeichen ist"

25.02.2018 10:29
Marco Sturm (Mitte) erreichte mit seinem Team Historisches
© getty, Harry How
Marco Sturm (Mitte) erreichte mit seinem Team Historisches

Nach der bitteren 3:4-Finalpleite gegen Russland überwog bei Deutschlands Eishockey-Nationaltrainer Marco Sturm nur kurz die Enttäuschung. Am Ende zeigte er "super happy".

Marco Sturm, dieses Olympia-Finale war ein unglaubliches Spiel. Wie haben Sie es erlebt?

Marco Sturm (Eishockey-Bundestrainer): "Solch ein Spiel gibt es nur einmal im Leben. Diese Jungs haben es so weit geschafft. Leider haben sie sich nicht das Gold geschnappt. Ich hoffe, mit diesen Jungs werden wir zu Olympia zurückkehren."

Gold schien kurz vor dem Ende auf dem Silbertablett zu liegen. Überwiegt nun erst einmal die Enttäuschung?

Wir waren eben tatsächlich mehr frustriert als glücklich. Aber es war ein weiteres großartiges Spiel. Meine Spieler haben wieder Charakter gezeigt, sie sollten sehr stolz auf sich sein. Sie bringen Silber mit. Spätestens, wenn sie zu Hause mit Silber aufwachen, werden sie verdammt stolz sein.

Wie hat Ihre Mannschaft es geschafft, sich derart ins Turnier zu beißen?

Wir haben nicht damit gerechnet, hier das Finale zu erreichen. ich habe ja gesagt: Normalerweise sitzen wir zu Hause und gucken das vor dem Fernseher. Aber wir sind hier! Ein Riesenlob an die Jungs. Wir sind super happy.

Gut zwei Minuten vor dem Ende musste ein Russe bei deutscher Führung auf die Strafbank. Haben Sie gedacht: Verdammt, wir schaffen das sogar?

Nein. Unglücklicherweise war ich bereits als Spieler in solchen Situationen. Du fängst automatisch an, anders zu denken, und die anderen Jungs geben noch mal alles. Ich wusste, dass das kein gutes Zeichen ist.

Auch für Sie war das Olympia-Turnier etwas Besonderes.

Das war mein Premierenturnier als Trainer bei Olympia, und es war herausragend. Meine Spieler und ich werden diese Tage unser Leben lang nicht vergessen.

Der Ausgleich kam keine Minute vor der Schlusssirene. Gibt es an dieser Szene etwas zu analysieren?

Nein. Im Nachhinein kann man immer sagen, dies oder das hätte besser sein können. Aber damit macht man sich nur alles kaputt. Ich genieße es lieber. Wir bringen Silber heim. Das ist klasse.

Was kann dieses Turnier im deutschen Eishockey auslösen? Hoffen Sie auf einen Boom?

Ich hoffe, es kann vieles auslösen. Ein großer Dank an unsere deutschen Fans. Die ganzen Posts, Nachrichten und Zeitungsartikel waren unglaublich. Wir sind nicht nur als Mannschaft zusammengewachsen, sondern ich glaube, ganz Deutschland ist zusammengewachsen. Das werden wir nie vergessen. Wir selbst werden künftig vielleicht mit besserem Selbstvertrauen in die Turniere gehen. Aber man muss auf dem Teppich bleiben.

Werden Sie kurzfristig mit allen Spielern weiterarbeiten können?

Wir waren schon länger in Gesprächen mit einigen Jungs. Am Ende entscheiden die Spieler, und es ist noch nichts entschieden. Vielleicht wird die Truppe, wie sie hier war, bei den nächsten Turnieren nicht mehr in dieser Konstellation auf dem Eis stehen.

Am Mittwoch geht es in der DEL weiter...

Leider ist es so. Ich lehne mich jetzt zurück und gucke mir die Jungs auf der Couch an. Aber ich denke, wenn man Silber trägt, ist es in Ordnung.

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