Anzeige

"Speer in die Eingeweide" - Team Canada leidet

25.02.2018 10:01
Die Kanadier mussten sich bei Olympia mit Bronze zufrieden geben
© getty, Harry How
Die Kanadier mussten sich bei Olympia mit Bronze zufrieden geben

Kanadas Eishockey-Verlierer jubelten über Bronze, doch in der Heimat erwartet sie ein rauer Empfang. Die 16. Medaille nach dem 6:4 im kleinen Finale gegen Tschechien war für den Rekord-Olympiasieger nur ein schwacher Trost.

"Es ist etwas, was ich für immer in Ehren halten werde", sagte der zweifache Torschütze Andrew Ebbett, fügte aber mit Blick auf die sensationelle Halbfinalpleite gegen Deutschland an: "Daran werde ich noch sehr, sehr lange denken."

Der Schock über das historische 3:4 saß im Eishockey-Mutterland tief. "Ein dunkler Tag für das kanadische Eishockey", schrieb die Tageszeitung "National Post": "Der schlimmstmögliche Ausgang für ein Team ohne NHL-Stars - wie ein Speer in die Eingeweide."

"...da war es schon schwierig, nicht die meisten von ihnen zu hassen"

Die Suche nach den Schuldigen begann bei den Spielern auf dem Eis, ging weiter beim Trainer und endete beim NHL-Boss. "Es waren die Aussortierten des kanadischen Eishockey-Systems, sie verloren gegen die nicht wirklich guten Deutschen", schrieb der "Toronto Star" über die vorwiegend in europäischen Ligen tätigen Spieler von Team Canada: "Das zweite Drittel war nicht mal vorüber, da war es schon schwierig, nicht die meisten von ihnen zu hassen."

Harsche Kritik erntete Chefcoach Willie Desjardins. Der 61-Jährige, bis 2017 Trainer der Vancouver Canucks in der NHL, habe eine "ansteckende Nervosität" gezeigt, schrieb der "Toronto Star" und warf ihm vor, "Uralt-Eishockey" spielen zu lassen. "Alle sind enttäuscht", sagte Desjardins, "wir wussten, was wir wollten, und wir haben hart dafür gearbeitet, aber wir haben es knapp verpasst."

"Blut ist an den Händen von NHL-Commissioner Gary Bettman"

Den Hauptschuldigen fanden die kanadischen Zeitungen aber in der NHL-Chefetage. "Das Blut ist an den Händen von NHL-Commissioner Gary Bettman", urteilte die "Vancouver Sun", "er hat eine gute Sache ruiniert."

Die beste Eishockey-Liga der Welt hatte ihre Teilnahme an den Winterspielen in Pyeongchang abgesagt. Als Gründe hatte Bettman unter anderem die hohen Kosten, aber auch die geringe Attraktivität des südkoreanischen Marktes angegeben. Seit die NHL 1998 ihre Stars zu Olympia geschickt hatte, gewann Kanada dreimal Gold.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige