Anzeige

Prokop: "Habe die Mannschaft zu selten miteinbezogen"

20.02.2018 14:35
Christian Prokop bereut es, Rückraumspieler Finn Lemke nicht von Anfang an nominiert zu haben
Christian Prokop bereut es, Rückraumspieler Finn Lemke nicht von Anfang an nominiert zu haben

Nach dem Treuebekenntnis des Verbandes spricht Handball-Bundestrainer Christian Prokop im "SID"-Interview über die heftige Kritik der vergangenen Wochen, die atmosphärischen Störungen im Team und persönliche Fehler.

Wie haben Sie die Präsidiumsentscheidung für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Ihnen aufgenommen? Überwiegt die Freude oder die Erleichterung?

Christian Prokop: Nach zuletzt sehr intensiven Wochen freue ich mich über den Vertrauensbeweis des Deutschen Handballbundes.

Es gab nach dem EM-Aus harte, teilweise überzogene Kritik an Ihnen und Ihrer Arbeit. Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt?

Die letzten Wochen dienten vor allem intern der EM-Analyse. Hierzu fanden mehrere Treffen und Gesprächsrunden statt. Nun blicke ich nach vorn und freue mich auf die anstehenden Aufgaben.

Es war immer wieder von 'atmosphärischen Störungen' zwischen Team und Trainer die Rede. Einige Nationalspieler sollen sogar mit Rücktritt gedroht haben. Sind sämtliche Probleme nun ausgeräumt?

Mit Sicherheit war die Kommunikation mit- und untereinander nicht optimal. Ich habe die Mannschaft während der EM zu wenig abgeholt und in wichtige Entscheidungen zu selten miteinbezogen. Jetzt gilt es, die Ergebnisse der Aufarbeitung, vor allem im Dialog, in die anstehenden Aufgaben einfließen zu lassen.

Haben Sie Bedenken, dass nach dieser aufregenden Zeit bei Ihnen oder auch den Spielern irgendetwas hängenbleiben könnte?

Wir haben alle gemeinsam eine schwache Europameisterschaft gespielt. Jetzt gilt es zusammenzustehen, die richtigen Schlüsse einzuarbeiten und uns als Einheit für das sportliche Großereignis, WM im eigenen Land, optimal vorzubereiten. Unser gegenseitiger Austausch muss offen, ehrlich und zielorientiert sein, um alle Stärken zu bündeln.

Welche Lehren ziehen Sie aus diesem turbulenten ersten Jahr als Bundestrainer? Was nehmen Sie mit?

Ich habe wichtige Erkenntnisse aus dem ersten Jahr als Bundestrainer gesammelt, mich und meine Arbeit kritisch reflektiert und werde diese Erfahrungen einfließen lassen.

Bereuen Sie etwas? Gibt es Dinge, die Sie in Zukunft anders machen wollen und werden?

Ich habe bereits mehrfach betont, dass ich die Nichtnominierung von Finn Lemke, der neben der sportlichen Leistung ein wichtiger Teamplayer ist, als Fehler sehe.

Nach wochenlangen Diskussionen gilt der volle Fokus nun der Heim-WM im kommenden Jahr. Wird sich das Gesicht der Mannschaft verändern? Gibt es womöglich einen neuen Kapitän?

Ich weiß, dass die Mannschaft, die in Kroatien gespielt hat, viel mehr Stärke und Potential besitzt, als was wir gemeinsam gezeigt haben. Jetzt gilt es, hier anzusetzen und sich weiter zu verbessern.

Wie viel Lust verspüren Sie auf das Turnier im eigenen Land und die bevorstehende Arbeit mit der Nationalmannschaft?

Mit den Spielern in den Dialog zu treten, unser Spielkonzept zu verbessern und uns zielstrebig auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten, sind die nächsten anstehenden Aufgaben. Darauf freue ich mich.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige