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"Ernüchternd": Deutsche Slalom-Frauen schlecht wie nie

16.02.2018 11:26
Christina Geiger musste ihren Lauf abbrechen
© getty, Tom Pennington
Christina Geiger musste ihren Lauf abbrechen

Vier Jahre nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch sind die deutschen Slalomfahrerinnen am Tiefpunkt angekommen. Der Cheftrainer will entschlossen durchgreifen.

Lena Dürr war kaum aus dem Starthaus draußen, da stand sie schon neben der Piste. Acht, neun Sekunden Fahrzeit bei Olympia - und Schluss. Christina Geiger verspürte im zweiten Lauf plötzlich Schmerzen im Sprunggelenk, sie fuhr aus dem Kurs, ebenfalls "DNF", did not finish, also nicht im Ziel. Immerhin: Marina Wallner beendete den olympischen Slalom in Yongpyong auf Rang 19.

Nie waren deutsche Slalom-Fahrerinnen schlechter bei Olympischen Spielen. Bisheriger Tiefpunkt: Rang 15 in Albertville 1992 durch Martina Ertl, spätere Ertl-Renz. Dabei hatte Deutschland sogar mal Olympiasiegerinnen in dieser Disziplin: Rosi Mittermaier (1976), Hilde Gerg (1998) und Maria Riesch (2010), spätere Höfl-Riesch. Letztere war 2009 auch Weltmeisterin. Und womöglich wäre sie heute noch besser als ihre Nachfolgerinnen.

"Wir marschieren immer noch am Stand"

Cheftrainer Jürgen Graller, Österreicher, im vergangenen Frühjahr mit viel Verve angetreten, die deutschen Frauen wieder auf Vordermann zu bringen, war bedient. "Es ist einfach ernüchternd", sagte er, "da gehören klare Worte gesagt." Ein knappes Jahr ist er nun im Amt, "die Saison hat sehr gut angefangen", betonte er, aber jetzt? "Wir marschieren immer noch am Stand."

Graller ist keiner, der sich Illusionen hingibt, er wusste ja, dass die deutschen Frauen mit Ausnahme von Viktoria Rebensburg nicht zur Weltspitze gehören - wenn denn überhaupt welche da sind. Aber: "Im Slalom habe ich gedacht, dass diese drei Mädels aus der Zone rauskommen und einen Sprung nach vorne machen. Das ist nicht passiert. Da muss man sich ernsthaft was überlegen." Nur was? "Wir müssen den Fokus auf den Nachwuchskader legen."

Letztere Aussage von Graller ist eine Ohrfeige vor allem für Dürr und Geiger, die seit Jahren stagnieren, Geiger auch aufgrund von Verletzungen. Es gibt Lichtblicke, den sechsten Rang von Dürr zu Saisonbeginn in Levi etwa, oder den Slalom in Lienz Ende Dezember, wo vier Deutsche unter den ersten 20 waren. "Aber danach ist nichts mehr gegangen", sagte Graller, "da sind wir einen Schritt nach hinten gegangen."

Was sich ändern muss, nein, "das kann man nicht sagen", meinte Graller. "Es hat sehr viele positive Sachen gegeben. Man hat viel geändert, es ist im Speedbereich was vorwärts gegangen", aber eben nicht im Riesenslalom und im Slalom. Immer wieder und immer noch hängt beinahe alles von Rebensburg ab. In der Abfahrt, im Super-G und im Riesenslalom sowieso. Wenn sie nicht liefert, ist es zappenduster. Und Slalom fährt sie nicht.

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