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Bundestrainer van Veen weist Beckert in die Schranken

15.02.2018 18:16
Patrick Beckert wurde über 10.000 Meter Siebter
© getty, Dean Mouhtaropoulos
Patrick Beckert wurde über 10.000 Meter Siebter

Patrick Beckert sah sich nach "guten Olympischen Spielen" in seinem Weg bestätigt, da äußerte sich Chef-Bundestrainer Jan van Veen über den besten deutschen Langstrecken-Eisschnellläufer.

"Er hat Potenzial", sagte der Niederländer nach dem olympischen 10.000-m-Rennen der Eisschnellläufer, "aber Patrick muss einen sehr guten Tag haben, um mal einen guten Lauf zu erwischen." Beckert brauche auch eine bessere Grundlage. "An einem sehr guten Tag musst du das Rennen in 12:45 Minuten laufen. Das ist das Niveau."

Beckert hatte nicht seinen besten Tag erwischt. Er zeigte kein schlechtes Rennen, in 13:01,94 Minuten war er als Siebter aber deutlich von den erhofften Medaillenrängen entfernt geblieben. Weltrekordler Ted-Jan Bloemen siegte in der olympischen Rekordzeit von 12:39,77, auch zu Bronze und dem Italiener Nicola Tumolero (12:54,32) fehlte Beckert einiges.

Dennoch war der Erfurter nicht unglücklich. "Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich hiermit zufrieden bin. Aber ich bin auch weit davon entfernt zu sagen, dass es schlecht war", sagte Beckert: "Man muss einfach auch die Zeiten sehen. Man sieht, dass ich mich weiterentwickelt habe."

Die nächsten Schritte sind entscheidend

Van Veen war weitaus weniger überzeugt. Überhaupt wirkte der Niederländer genervt von den bislang teils enttäuschenden Leistungen der von ihm trainierten Athleten wie Moritz Geisreiter, der in seinem letztem Olympiarennen in 13:06,35 Neunter geworden war.

"Dass das nicht zufriedenstellend ist, das ist klar", sagte er und kündigte an, nach Olympia intern einiges auf den Prüfstand stellen zu wollen. "Man muss sich überlegen, was die nächsten Schritte sind", sagte er und fügte vieldeutig hinzu: "Es geht nur im Kollektiv."

Van Veen hat keine einfache Aufgabe. Er ist hauptverantwortlich für die sportlichen Ergebnisse, betreut aber nur die Athleten aus der zweiten Reihe, die in Pyeongchang bislang noch nicht ihr Potenzial abgerufen haben. Die Medaillenkandidaten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), zu denen auch Beckert zählte, gehen jedoch eigene Wege. Claudia Pechstein wird von Peter Mueller betreut, Sprinter Nico Ihle arbeitet mit Klaus Ebert zusammen, Beckert vertraut auf Gabriel Girard.

"Ich habe mich gesteigert"

Beckert hatte nach Platz sechs in Sotschi alles auf den Prüfstand gestellt. Er schloss sich zwischenzeitlich einem niederländischen Privatteam an und nahm dafür vorübergehend Sanktionen durch den deutschen Verband sowie finanzielle Einbußen in Kauf. Dann wechselte er zu Girard und erzielte auch Erfolge. Er hält die deutschen Rekorde auf seinen Strecken (6:07,02 Minuten über 5000 m/12:52,76 über 10.000 m), zweimal wurde er WM-Dritter über 10.000 m.

Auch Pyeongchang wertete Beckert positiv. "Ich habe mich gesteigert", sagte er und wagte einen Ausblick auf Peking 2022. "Man sagt: Je älter man wird, desto besser wird man als Langstreckenläufer. Aber ich muss weiter hart arbeiten."