Anzeige

Dreßen hadert: "Frechere Linie wäre drin gewesen"

15.02.2018 11:25
Thomas Dreßen fuhr auf einen guten fünften Platz
© getty, Alexander Hassenstein
Thomas Dreßen fuhr auf einen guten fünften Platz

Thomas Dreßen wird bei der Olympia-Abfahrt sehr guter Fünfter. Beim Sieg von Aksel Lund Svindal fährt er ein bisschen zu brav, um eine Medaille zu gewinnen.

Thomas Dreßen war enttäuscht, keine Frage. Doch gut eine Stunde, nachdem er die erhoffte Medaille verfehlt hatte, versuchte er schon tapfer, sich nichts mehr anmerken zu lassen. "Ja", sagte er mit fester Stimme und einem Lächeln im Gesicht, "im ersten Moment war ich schon enttäuscht, dass es für keine Medaille gereicht hat. Aber am Ende des Tages ist Fünfter nicht so schlecht."

Tatsächlich ist Fünfter in der Abfahrt bei Olympischen Spielen richtig gut, sogar "super", wie Dreßen noch nachschob, aber er wusste halt auch, "dass ich mir davon nichts kaufen kann." Diesmal jedenfalls nicht.

Spätestens seit seinem Sieg vor knapp vier Wochen in Kitzbühel gehörte Dreßen zu den Anwärtern auf eine Medaille, die erste in der Abfahrt für einen deutschen Ski-Rennläufer seit 1964. Und: In der Kombination zwei Tage zuvor hatte er mit Platz eins in der Abfahrt den Eindruck, dass er die großen Favoriten würde ärgern können, nicht gerade widerlegt. Doch als es darauf ankam, wurde klar: Er fuhr zu brav. Ganz im Gegenteil zu Aksel Lund Svindal aus Norwegen, der zu Gold raste.

Erstmals seit 26 Jahren zwei Deutsche in Top Ten

Dreßen redete auch gar nicht lange um den heißen Brei herum. Ja, sagte er, "da wäre eine frechere Linie drin gewesen". Er aber hatte sich täuschen lassen vom Schnee, der nicht mehr so aggressiv war wie in den Tagen zuvor, "ich habe schon im Ziel gemerkt: Ich bin nie wirklich in Bedrängnis gekommen, es ist sich alles locker ausgegangen, das ist meistens nie gut, weil man zu wenig am Risiko ist." Dies war der Grund, warum Dreßen 0,60 Sekunden zu Bronze fehlten und zum Schweizer Weltmeister Beat Feuz.

Vor Feuz lag neben Svindal auch dessen Landsmann Kjetil Jansrud (0,12 Sekunden zurück), hinter Feuz (0,18) folgten Dominik Paris (Italien/0,54) und eben Dreßen (0,78). Andreas Sander belegte Rang zehn (1,37), Josef Ferstl Rang 25 (2,73).

Zwei Deutsche in den Top Ten, erstmals seit Olympia 1992 in Albertville (4. Markus Wasmeier, 7. Hansjörg Tauscher) - "da finde ich schon, dass das alle Anerkennung wert ist", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier. Dreßens Platzierung ist zudem die beste in der Abfahrt bei Olympia seit 26 Jahren.

Alpindirektor Maier: "Muss sehen, woher wir kommen"

Trotzdem klangen sie im deutschen Lager, als trauerten sie einer vergebenen Chance hinterher. Dreßen spürte zu spät, wie er mit den minimal veränderten Bedingungen umgehen musste: Svindal, Jansrud und Feuz wechselten auf Kampflinie - Dreßen ist noch nicht so weit, dass er einen Plan während der Fahrt ändern kann. Kein Wunder: "Vor mir ist keiner jünger als ich, das sind alles erfahrene Läufer", sagte er. Dreßen ist 24, Svindal 35 und damit ältester alpiner Olympiasieger, Jansrud 32, Feuz 31. Alle drei stehen im Weltcup vor Dreßen.

Der überglückliche Svindal, beklatscht von Norwegens Kronprinz Haakon auf der Tribüne, seit Donnerstag Erster mit Olympiagold im Super-G (2010) und in der Abfahrt, sagte: "Für mich war das heute der Anfang vom Ende." Dreßen dagegen hat erst angefangen - auch wenn er schon Sieger von Kitzbühel ist. "Natürlich sind bei Olympia die Medaillen das Maß", sagte Alpindirektor Maier, "aber auch wenn wir knapp an einer Medaille vorbeigefahren sind, muss man trotzdem sehen, woher wir kommen. Auch welche gute Vorstellung der Thomas gezeigt hat."

Alles richtig. Und trotzdem ein bisschen schade.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige