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"Es tut weh": Draisaitl bedauert Olympia-Aus

14.02.2018 10:45
Leon Draisaitl muss dem DEB aus Las Vegas zuschauen
© getty, Martin Rose
Leon Draisaitl muss dem DEB aus Las Vegas zuschauen

Leon Draisaitl und Tom Kühnhackl würden in Pyeongchang gerne ihren Vätern nacheifern. Doch sie dürfen nicht. Wegen der NHL-Absage können sie ihren Nationalmannschaftskollegen nur die Daumen drücken.

Leon Draisaitl hat die Qual der Wahl. Im Hotelzimmer am Laptop Olympia-Eishockey schauen oder einen Ausflug ins Nachtleben von Las Vegas unternehmen? "Ich muss mal rausfinden, wo ich es gucken kann", sagt der Eishockey-Star im Gespräch mit dem "SID". Wenn seine Nationalmannschaftskollegen am Donnerstag in Pyeongchang ins olympische Turnier starten, macht der beste deutsche Spieler mit den Edmonton Oilers im US-Glücksspielparadies Station.

Trotz Glitzer und Glamour - Draisaitl wäre viel lieber am anderen Ende der Welt. "Es tut natürlich weh, ich wäre sehr, sehr gerne dabei", sagt der 22-Jährige, der wegen der NHL-Absage nicht an den Spielen in Südkorea teilnehmen darf. Stattdessen steht 24 Stunden nach dem deutschen Auftaktspiel in Pyeongchang gegen Finnland das NHL-Punktspiel beim Liganeuling Vegas Golden Knights auf dem Programm.

Erinnerungen an die Väter

Die Chance, seinem Vater unter den fünf Ringen nachzueifern, bleibt ihm ebenso verwehrt wie Tom Kühnhackl. Der 26-Jährige, zweimal Stanley-Cup-Sieger mit den Pittsburgh Penguins, würde gerne zwei Wochen NHL mit dem besonderen Flair der Olympischen Spiele tauschen. Wenn er für einen Tag jemand anderes sein könnte, wäre er am liebsten sein Vater Erich "bei den Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck, das muss schon toll gewesen sein".

Vor 42 Jahren schrieb Kühnhackl senior Sportgeschichte, als er mit der deutschen Mannschaft sensationell Bronze gewann - "mit dem Rechenschieber", wie er sich erinnert. Der Torquotient entschied mit 0,041 zugunsten der DEB-Auswahl. Es war die bislang letzte deutsche Eishockey-Medaille bei Olympia. Nah dran war 16 Jahre später Peter Draisaitl, als er im Viertelfinale gegen Kanada für einen unvergesslichen Eishockey-Moment sorgte: Beim Penaltyschießen überlistete er den kanadischen Torhüter mit einem Schuss durch die Beine, doch der Puck blieb auf der Linie liegen.

"Mein Vater hat nicht so Bock, darüber zu reden", sagt sein Sohn Leon grinsend: "Ich habe es mir aber ein paar Mal angeschaut, es war ganz witzig - nur für ihn natürlich nicht." Geschwärmt hat Draisaitl senior dennoch von Olympia. "Er war dreimal dabei und hat gesagt, dass es das Geilste ist, das es gibt - die ganze Atmosphäre, das Drumherum. Man spürt es sogar über den Fernseher."

Olympia-Hoffnung für immer begraben?

Mit dieser Perspektive muss sich der NHL-Stürmer auch diesmal begnügen - wie vor acht Jahren, als er nachts aufstand, um die deutsche Mannschaft in Vancouver spielen zu sehen. Die NHL zerstörte mit ihrer Olympia-Absage den Traum von Draisaitl und Kühnhackl, den die beiden selbst erst ermöglicht hatten. Bei der erfolgreichen Qualifikation im September 2016 in Riga hatte Draisaitl überragend Regie geführt und Kühnhackl das entscheidende Tor erzielt.

"Es ist schon sehr bitter", sagt Draisaitl. Und Kühnhackl merkt an: "Sowas erlebt man nicht oft." Die Winterspiele 2014 in Sotschi hatte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes verpasst. Das Ticket für 2022 in Peking ist kein Selbstläufer. "Als Deutscher", meint Draisaitl, "weißt du nicht, ob du es nochmal schaffst."

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