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Geisenberger gibt zu: "Musste mich zusammenreißen"

13.02.2018 17:42
Natalie Geisenberger gewann in Pyeongchang ihr drittes Rodel-Gold
Natalie Geisenberger gewann in Pyeongchang ihr drittes Rodel-Gold

Natalie Geisenberger holt bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang die dritte Rodel-Goldmedaille ihrer Karriere. Im Anschluss an den großen Triumph spricht die 30-Jährige über ihre Emotionen während des Rennens, den schlimmen Sturz von Konkurrentin Emily Sweeney und die eigene Zukunftsplanung.

Natalie Geisenberger, der zweite Einzeltriumph, die insgesamt dritte olympische Goldmedaille: Wie nehmen Sie diesen Erfolg war?

Natalie Geisenberger: Es ist einfach der Wahnsinn, genau das, was ich mir seit vier Jahren erträumt habe. Ich habe alles gewonnen, was man im Rodeln gewinnen kann und das mehrfach. Olympia, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Weltcup. Es ist unglaublich.

Wie sicher waren Sie sich vor dem vierten Lauf, dass es zu Gold reicht? Auch mit Blick auf Felix Lochs Fahrfehler am vergangenen Sonntag in einer ganz ähnlichen Situation.

Gar nicht sicher. Dieser kleine Fahrfehler vom Felix in Kurve neun mit seinen riesigen Auswirkungen hat mir unheimlich leid getan, und gleichzeitig hat er mich daran erinnert: Das Rennen ist vorbei, wenn man nach dem vierten Lauf im Ziel ist, dann darf man auf die Anzeigetafel schauen. Keinen Meter eher.

Und kurz vor Ihrem letzten Lauf ist Emily Sweeney ebenfalls in Kurve neun sehr schwer gestürzt. Wie haben Sie das erlebt?

Ich habe die Szene glücklicherweise nicht gesehen. Ich habe nur gehört, wie ihre amerikanischen Teamkolleginnen geschrien haben, eine musste sogar weinen. Ich schaute zu Dajana (Eitberger, die Red.) und fragte: 'Was? Wo?' Sie sagte nur: 'Ausfahrt neun, aber schau' nicht hin, du willst es nicht sehen.' In den Momenten bin ich ins Grübeln gekommen und musste mich zusammenreißen.

War es eigentlich mal schwer für Sie, nach dem Erreichen vieler Ziele und dem Olympiasieg 2014 die Motivation für 2018 hoch zu halten?

Eigentlich nicht. Natürlich hatte ich immer bestimmte Ziele. Aber es ist ja nicht so, dass man keinen Bock mehr hat, sobald man sie erreicht. Es gibt ein gewisses Suchtpotenzial, wenn man oben steht und die Nationalhymne hört. Für diese Momente mache ich den Sport. Und es ist ja auch ein Riesenprivileg, sein Hobby als Beruf auszuüben.

Wie lange werden Sie das noch machen? Kämpfen Sie 2022 in Peking um das dritte Einzelgold?

Wir werden sehen. Ich möchte von Saison zu Saison denken. Die Heim-Weltmeisterschaften 2019 in Winterberg sind mein nächstes Ziel, und irgendwann will ich selbst entscheiden, wann Schluss ist. Wann das ist, kann ich nicht sagen. Im Moment habe ich Spaß und bin fit.

Aufgezeichnet in Pyeongchang von Thomas Weitekamp (SID)

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