Anzeige

Dank an die NHL: Zweitliga-Profi hofft auf Olympia-Gold

13.02.2018 10:42
Plötzlich bei Olympia: James Wisniewski
© getty, Bruce Bennett
Plötzlich bei Olympia: James Wisniewski

Über die zweite deutsche Eishockey-Liga ins Olympia-Team der USA - da muss selbst James Wisniewski lachen.

"Es hört sich verrückt an, oder?", sagt der Amerikaner, und sein Blick fällt auf die fünf Ringe auf der Stellwand im Bauch des Eishockey-Stadions von Pyeongchang. Nach der kuriosen Schlussetappe einer langen Reise ist der 33-Jährige am Ziel seiner Träume. "Was für eine bessere Belohnung könnte es geben als den Gipfel des Sports?", fragt er im Gespräch mit dem "Sport-Informations-Dienst" rhetorisch.

576 Spiele in der NHL hat der Verteidiger bestritten, Millionen US-Dollar verdient. Doch seinen Kindheitstraum geht in Erfüllung, weil er bei den Kassel Huskies in der DEL 2 dem Puck nachjagt. "Man glaubt nicht, dass sowas möglich ist", sagt Wisniewski. Für ihn aber war es die einzige Chance: Nach vier Kreuzbandrissen schien seine Eishockey-Karriere zu Ende zu sein, kein NHL-Klub wollte ihm mehr einen Vertrag geben: "Ich habe ans Aufhören gedacht."

Weil die NHL ihre Teilnahme an den Winterspielen in Südkorea abgesagt hatte, riet ihm sein Ziehvater Jim Johannson, inzwischen verstorbener Manager des US-Nationalteams, in Kassel bei dessen Kumpel Joe Gibbs anzuheuern. "Anderswo waren die Plätze für Ausländer meist schon vergeben", berichtet Wisniewski.

"Du schaffst es nicht, du kannst es nicht"

Der Plan: Der Verteidiger, mit den USA U18- und U20-Weltmeister, sollte sich für den Deutschland Cup im November in Augsburg in Form bringen. Wer dort zum Team USA gehörte, würde auch nach Pyeongchang fliegen. Aber im Kader fehlte Wisniewskis Name. "Ein Schock", sagt er. Er flog nach Hause, grübelte, kehrte nach Kassel zurück und unternahm einen letzten Versuch - mit Erfolg. Als Neujahr beim NHL Winter Classic im Baseballstadion der New York Mets das Olympia-Aufgebot bekannt geben wurde, zählte er doch dazu.

"Die Leute haben mein ganzes Leben lang gesagt: Du schaffst es nicht, du kannst es nicht. Es ist ein Klischee, aber Beharrlichkeit und Hingabe haben sich ausgezahlt", sagt Wisniewski, "ich habe hart gearbeitet, die Nase in den Dreck gesteckt. Es hat sich gelohnt." Am Mittwoch (21.10 Uhr OZ/13.10 MEZ) geht es gegen Slowenien los.

Sein besonderer Dank gilt der NHL - der Liga, für die er nicht mehr gut genug war, die mit ihrer Olympia-Absage aber den Weg frei gemacht hat. "Wisst ihr was, Jungs? Herzlichen Dank, ich weiß es zu schätzen", lautet seine Botschaft. Während die Stars der Branche um Sidney Crosby und Alexandr Ovetchkin zuschauen müssen, darf der Verschmähte aus der zweiten Liga um Olympia-Gold spielen: "Das kann mir niemand nehmen. Meine Kinder können später erzählen, dass ihr Vater Olympionike war."

Als Beweis will Wisniewski eine Medaille mitbringen. "Das ist das ultimative Ziel", sagt er: "Es ist ein Sprint: sechs Siege, und du hast Gold." Dass die russische Mannschaft, die unter dem Namen "Olympische Athleten aus Russland" antritt, mit den Altstars Pawel Dazjuk und Ilja Kowaltschuk Favorit ist, stört ihn nicht: "Es ist nur ein Puck da draußen, es kann alles passieren."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige