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Olympia-Historie: Der Sündenfall des Johann Mühlegg

23.02.2018 11:55
Johann Mühlegg sorgte 2002 in Salt Lake City für einen großen Doping-Skandal
© getty, Donald Miralle
Johann Mühlegg sorgte 2002 in Salt Lake City für einen großen Doping-Skandal

Anlässlich der Winterspiele in Pyeongchang erinnert sport.de an prägende Momente der Olympia-Geschichte. Heute: Der für Spanien startende Ski-Langläufer Johann Mühlegg gewinnt 2002 in Salt Lake City drei Goldmedaillen – und verliert sie alle wegen Dopings.

An einem Sonntagabend kurz vor der Schlussfeier ließ das IOC die Bombe platzen. Johann Mühlegg, einer der Stars in Salt Lake City, verlor seine beim Langlauf-Marathon überlegen gewonnene Goldmedaille.

"Wir sind den Betrügern auf den Fersen", sagte IOC-Generalsekretär Francois Carrard. "Es ist eine positive Demonstration, dass Doping-Fälle schnell und streng geahndet werden."

In Mühleggs Blut war ein EPO-Derivat nachgewiesen worden. Die Substanz stammte aus den Eierstockzellen von chinesisch-mongolischen Hamstern. Sie verhalf dem für Spanien startenden Allgäuer zu Höchstleistungen.

Mühlegg gab sich angesichts des positiven Befunds uneinsichtig. Auf die Frage, ob er wirklich gedopt habe, sagte er: "Ich warte die B-Probe ab. Endgültig vorbei ist es noch nicht." Angeblich habe eine spezielle Diät für die auffälligen Werte gesorgt. "Außerdem hatte ich letzte Nacht Durchfall und die Höhenlage spielt auch eine Rolle", erklärte der damals 31-Jährige.

DSV wirft Mühlegg nach "Spiritismus-Affäre" raus

Diese an den Haaren herbeigezogene Argumentation passte zum Menschen Johann Mühlegg. Vier Jahre vor seinem Sündenfall in Salt Lake City hatte sich der Deutsche Skiverband nach der "Spiritismus-Affäre" von seinem in Ungnade gefallenen Jahrhunderttalent getrennt.

Mühlegg, seit jeher empfänglich für alle Arten von Aberglauben und Esoterik, war nur noch mit einer arbeitslosen Münchner Putzfrau an seiner Seite aufgetreten. Durch das selbsternannte Medium spreche der "ewige Vater" zu ihm, glaubte Mühlegg. Die Frau sei sein "Retter und Führer in allen Lebenslagen". Der damalige Bundestrainer Georg Zipfel dagegen habe ihn verflucht und trachte ihm nach dem Leben. 

"Die ganze Geschichte war sein Untergang", erinnerte sich später Mühleggs langjähriger Weggefährte Jochen Behle gegenüber dem "SID".

Mühlegg verschwindet von der Bildfläche

Seine beiden weiteren Goldmedaillen aus dem 30-km-Freistil-Rennen sowie der 10-km-Verfolgung in Salt Lake City durfte Mühlegg zwar vorerst behalten, da der positive Doping-Test erst danach durchgeführt wurde. Später erkannte ihm der Internationale Sportgerichtshof CAS diese jedoch ebenfalls ab. Mühlegg wurde zudem für zwei Jahre gesperrt.

Kurz vor Ablauf seiner Sperre im Frühjahr 2004 gab der einstige Ski-Star seinen Abschied vom Leistungssport bekannt. Mühlegg verschwand komplett von der Bildfläche, arbeitete angeblich als Holzschnitzer im bayerischen Oberammergau, als Touren-Führer in Südtirol und Surf-Lehrer in Südamerika.

2014 spürten schwedische Journalisten Mühlegg in Natal im Nordosten Brasiliens auf. Dort ist der größte Betrüger in der Geschichte Olympischer Winterspiele als Immobilienmakler tätig. Über den Doping-Skandal von 2002 will Mühlegg nicht mehr sprechen.

Tobias Knoop

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