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Wellinger fliegt im Windchaos von Zakopane aufs Podest

28.01.2018 18:08
Andreas Wellinger freute sich nach einem starken 2. Durchgang über Platz 2
Andreas Wellinger freute sich nach einem starken 2. Durchgang über Platz 2

Andreas Wellinger staunte über den unverhofften Flug aufs Podest, Richard Freitag kehrte trotz eines verkorksten Wettkampfs ins Gelbe Trikot zurück - und 25.000 Fans im Hexenkessel von Zakopane sangen aufmunternd für ihren untröstlichen "König Kamil": Das Windchaos beim Olympia-Härtetest in Polens Skisprung-Mekka hat die Topstars reihenweise ins Wanken gebracht - und den DSV-Adlern letztlich ein Happy End beschert.

"Mit dem Wind habe ich heute nicht das große Los gezogen, dafür waren die Sprünge gut. Platz zwei freut mich immens", sagte Wellinger, der im wohl turbulentesten Saisonspringen noch von Platz neun auf zwei stürmte und sich nur dem slowenischen Überraschungssieger Anze Semenic geschlagen geben musste.

Wellinger hatte nach 119,5 m zur Halbzeit noch klar zurückgelegen, mit 136,5 m ging es dann aber noch überraschend weit nach vorne. Mit 242,0 Punkten lag der Oberbayer hinter Semenic (245,6), der seinen ersten Weltcupsieg feierte. Dritter wurde Semenics Landsmann Peter Prevc.

Beim Härtetest zwei Wochen vor Olympia landete Freitag nur auf Platz zehn, nachdem er vor allem im ersten Durchgang mit dem tückischen Wind zu kämpfen gehabt hatte. "Der zweite Sprung war eigentlich gut. Ich habe ihn aber nicht ganz durchziehen können, das wurde bestraft", sagte Freitag: "Aber andere wurden noch mehr bestraft. Ich nehme den Tag, wie er ist."

Freitag wieder in Gelb

Rang zehn reichte für Freitag, um mit 737 Punkten die Führung im Gesamtweltcup von Stoch (711) zurückzuholen, die er als Folge seines Sturzes bei der Vierschanzentournee in Innsbruck an den Polen verloren hatte. Tournee-Triumphator Stoch erwischte es nämlich ausgerechnet beim Heimspiel ganz übel.

Als letzter Springer des ersten Durchgangs musste der 30-Jährige bei eigentlich unzumutbaren Bedingungen von der Schanze - und verpasste mit 108,5 m als 38. das Finale. "Wie willst du so jemanden jetzt aufbauen?", sagte Freitag voller Mitgefühl.

Wie Stoch schied auch Markus Eisenbichler im ersten Durchgang aus. Der Siegsdorfer, am Freitag hinter Stoch noch Zweiter in der Qualifikation, landete nach einem verkorksten Sprung auf 113,5 m nur auf Platz 33.

Im Endspurt in Richtung Pyeongchang hatten die DSV-Adler zuvor am Samstag Selbstvertrauen getankt. Bei Platz zwei im Teamspringen, das Polen gewann, war Freitag mit Flügen auf 135,0 und 137,0 zweitbester aller Springer - überflügelt nur von Stoch, der mit 141,5 m beim letzten Sprung des Tages den Schanzenrekord von Simon Ammann (Schweiz) um einen Meter verbesserte.

DSV-Coach zufrieden: "Das gibt Selbstvertrauen"

Zwar reichte es nicht zum ersten Teamsieg seit dem Erfolg von Zakopane zwölf Monate zuvor. Mit 1067,3 Punkten lagen Freitag, der ebenfalls glänzend aufgelegte Wellinger sowie Eisenbichler und Stephan Leyhe deutlich hinter den Polen (1092,0). Die deutschen Adler hielten aber Norwegen (1055,2) und vor allem die viertplatzierten Österreicher (986,6) recht klar auf die Plätze und revanchierten sich für die mit Platz vier verpasste Medaille bei der Flug-WM in Oberstdorf.

"Das war ein ganz anderer Wettkampf als bei der WM", sagte Bundestrainer Werner Schuster: "Richard und Andi haben einen ganz starken Wettkampf gezeigt, die anderen beiden in Ansätzen. Aber das gibt Selbstvertrauen."

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