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Vor 31 Jahren gewann die Legende erstmals in Australien

Damals: Grafs historischer Triumph in Down Under

23.01.2019 16:16
Im Jahr 1988 gewann Steffi Graf als erste Deutsche die Australian Open
© getty, Getty Images
Im Jahr 1988 gewann Steffi Graf als erste Deutsche die Australian Open

Am 23. Januar 1988 schrieb die damals 18-jährige Steffi Graf Tennisgeschichte. Die Brühlerin gewann als erste Deutsche die Australian Open und legte den Grundstein zu einem historischen Siegeszug, der bis heute unerreicht ist.

Als die junge Deutsche Stefanie Maria Graf im Januar 1988 zum ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres nach Australien reiste, war trotz ihres rasanten Aufstiegs an die Spitze der Weltrangliste im Jahr zuvor nicht ganz klar, was man von der Brühlerin erwarten konnte.

Auf der einen Seite hatte der Teenager die Saison 1987 mit unglaublichen 75 Siegen in 77 Matches und insgesamt elf Turniersiegen beendet. Auf der anderen Seite zählte der australische Hartplatz zu den Belegen, auf denen Graf nur wenig Erfahrung hatte. Weder 1985 noch 1986 und 1987 nahm die Deutsche überhaupt an den Australian Open teil. Ihre ersten Anläufe 1983 und 1984 endeten in der 1. Runde bzw. im Achtelfinale.

Als Nummer eins der Welt stand "die Gräfin" vor der Ausgabe 1988 in der Bringschuld. Es galt zu beweisen, dass sie ihr dominantes und druckvolles Grundlinienspiel auch auf dem harten Untergrund durchsetzen kann. Und genau das tat sie.

"Was zur Hölle soll ich machen?!"

Das deutsche "Wunderkind" fegte nur so durch die ersten Runden. Der Reihe nach eliminierte Graf die Norwegerin Amy Jönsson (6:3, 6:1), die Australierin Janine Tremelling (6:0, 6:1), die US-Amerikanerin Cammy MacGregor (6:1, 6:2) und die Schwedin Catarina Lindqvist (6:0, 7:5). "Nach einem Spiel habe ich mich gefragt: 'Was zur Hölle soll ich machen?!'", erklärte die hilflose Tremelling nach ihrem Match gegen die übermächtige Graf.

Mehr dazu: Steffi Graf - eine Jahrhundert-Karriere in Bildern

Im Viertelfinale wartete mit Titelverteidigerin Hana Mandlíková (Tschechien) der erste vermeintliche Prüfstein. Doch auch diesen räumte Graf mit 6:2 und 6:2 in Windeseile aus dem Weg. Landsfrau Claudia Kohde-Kilsch war im Halbfinale ebenfalls nur eine Durchgangsstation. Mit 6:2 und 6:3 gewann Steffi Graf das deutsch-deutsche Duell in nur 45 Minuten.

Evert rätselt über "Gräfin Gnadenlos"

Im Endspiel wartete mit Chris Evert eine Spielerin auf Graf, die zwischen 1974 und 1986 insgesamt 18 Grand Slams gewann und das Damen-Tennis mehr als ein Jahrzehnt lang dominierte. Allerdings befand sich die Amerikanerin mit ihren 33 Jahren bereits im Herbst ihrer Karriere. Graf stand dagegen erst am Anfang.

Dass es Evert überhaupt in das zum Generationenduell ausgerufene Finale schaffte, galt schon als Überraschung. Nach ihrem Halbfinalsieg zeigte sich die US-Amerikanerin von sich selbst verblüfft und erklärte angesichts der nun wartenden Aufgabe: "Ich habe bisher gar nicht darüber nachgedacht, dass ich gegen Steffi spielen werde. So langsam sollte ich aber damit anfangen, weil ich bis jetzt keinen Weg gefunden habe, sie zu besiegen."

Um es vorweg zu nehmen: Sie sollte auch diesmal keinen Weg finden, "Gräfin Gnadenlos" zu bezwingen.

Graf dominiert, Evert bäumt sich auf

Das Finale begann schließlich mit einem Novum. Nach einem schweren Unwetter musste das Dach des neuen Centre Courts geschlossen und das Match für 90 Minuten unterbrochen werden. Anschließend wurde ein Grand-Slam-Finale zum ersten Mal in der Geschichte in einer geschlossenen Arena ausgetragen.

Steffi Graf ließ sich von dem ungewohnten Umfeld nicht aus der Ruhe bringen. Die Brühlerin dominierte ihre 15 Jahre ältere Kontrahentin und gewann den ersten Satz mit 6:1- dabei verbuchte Evert insgesamt nur fünf (!) Punkte. Im zweiten Durchgang führte die Deutsche ebenfalls früh mit 5:1, bevor sich Evert in ihrem letzten Grand-Slam-Finale noch einmal aufbäumte und fünf Spiele in Folge gewann.

Am Ende half der Amerikanerin aber auch der kurze Zwischenspurt nicht. Graf fand rechtzeitig zu ihrem Spiel, holte den zweiten Satz im Tie-Break (7:3) und gewann nach den French Open 1987 ihr zweites Grand-Slam-Turnier. "Das Damentennis wird 1988 zu einer One-Girl-Show. Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der Steffi 1988 besiegen wird", vermutete die australische Tennis-Legende Rod Laver anschließend. Er sollte Recht behalten.

So herausragend das Jahr der "Gräfin" in Down Under begann, so sensationell setzte es sich in den zwölf Monaten danach fort. Graf setzte zu einem historischen Siegeszug an, gewann neben den Australian Open auch die French Open, Wimbledon, die US Open sowie Olympisches Gold in Seoul und vervollständigte als erste und bisher einzige Spielerin den "Golden Slam". 

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