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Nur Freitag überzeugt: DSV-Adlern fehlt die Qualität

22.01.2018 15:27
Richard Freitag überzeugt als einziger DSV-Adler
© getty, Sebastian Widmann
Richard Freitag überzeugt als einziger DSV-Adler

Drei Wochen vor dem Olympiastart offenbarten die deutschen Skispringer bei der Flug-WM deutliche Schwächen. Auf Bundestrainer Werner Schuster wartet im Endspurt nach Pyeongchang eine Menge Arbeit.

Werner Schuster wirkte reichlich verschnupft. Und das lag keineswegs nur an der Grippe, die den Skisprung-Bundestrainer zu Beginn der Flug-WM in Oberstdorf ans Bett gefesselt hatte.

"Um es ganz nüchtern zu sagen: Uns hat die Qualität gefehlt", meinte ein zerknirschter Schuster nach dem missglückten Abschluss der Titelkämpfe. Platz vier im Team-Wettbewerb war ein Warnschuss: Keine drei Wochen vor Olympia ist nur der grandios zurückgekehrte Richard Freitag ein Medaillenanwärter.

"Ich glaube, ich bin wieder nah dran an der Spitze", sagte Freitag am Montag bei der Olympia-Einkleidung in München. Leistungsmäßig und mental hat der 26-Jährige die Sturzfolgen von Innsbruck bestens weggesteckt, dennoch hat der Weg zum Bronze-Comeback in Oberstdorf viel Kraft gekostet. "Ich gönne mir jetzt ein, zwei Tage Pause, dann steige ich wieder richtig ins Training ein", sagte die große Pyeongchang-Hoffnung.

"Keine Olympiastimmung" bei Freitag

Auch wenn es schon in den Vorbereitungs-Endspurt geht, sind die Winterspiele für Freitag noch weit entfernt: "Ich habe überhaupt noch keine Olympiastimmung, die muss ich in den nächsten zwei Wochen erstmal aufbauen." Fehlende Stimmung ist noch das kleinste Problem, fehlende Form ein größeres.

"Es sind nicht alle Leistungsträger in ihrer Topverfassung, das Gefälle ist zu groß" sagte Schuster. Seine Laune hatte sich nicht gerade verbessert, der Riesentrubel in München würfelte seinen Zeitplan mächtig durcheinander.

Den verlorenen Tag im engen vorolympischen Kalender quittierte ein sichtlich genervter Schuster mit anhaltendem Grummeln - seine anwesenden Athleten hätten die Stunden besser nutzen können und angesichts von 70 Metern Rückstand auf Sieger Norwegen im WM-Teamfliegen wohl auch müssen.

Schuster will Norwegen einholen

Die Mannschafts-Wettbewerbe sind weiter das Sorgenkind: 2015 und 2017 blieb Deutschland trotz herausragender Ergebnisse in den Einzelwettbewerben ohne WM-Medaille, ein erneuter Sensationscoup wie beim Olympiasieg 2014 in Sotschi scheint illusorisch, auch wenn Schuster sagt: "So weit ist Norwegen nicht voraus, bei den nächsten Großereignissen wird es enger. Zwischen Platz eins und sechs ist alles möglich."

Aus dem Sotschi-Goldteam, in dem Freitag einst aus Formschwäche keinen Platz fand, ist nur noch Wellinger dabei. Andreas Wank und Marinus Kraus sind völlig außer Form - und Leitwolf Severin Freund fällt seit mehr als einem Jahr verletzt aus.

Erstaunlicherweise sorgt aber das Fehlen einer deutschen Nummer eins regelmäßig für einen Leistungsschub in der zweiten Reihe. Als Freund dominierte, machten es sich Freitag und Wellinger dahinter in der Komfortzone bequem, nach Freunds Verletzung schossen in der Vorsaison Wellinger und Eisenbichler durch die Decke. Und Wellinger drehte zuletzt nach Freitags Sturz und Ausfall richtig auf, wurde Tourneezweiter.

Problem: Position vier

Jetzt glänzt Freitag wieder, doch er allein reicht nicht. "Was nutzt es im Teamwettbewerb, wenn Richard einem Stoch 20 Punkte abnimmt, Eisenbichler gegen Kubacki aber 30 Punkte verliert?", fragt Schuster.

Hinzu kommt das Problem mit Position vier. Bei der WM 2017 war es dort Stephan Leyhe, der die Team-Medaille verspielte. Auch in Oberstdorf komplettierte Leyhe das Quartett, solide, aber als klar schwächster Deutscher. Mit Karl Geiger, einzige Alternative in Pyeongchang, hätte es nicht anders ausgesehen. "Unser vierter Mann ist nicht in der Lage, Akzente zu setzen. Er wird mitgezogen", sagt Schuster.

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