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DSV-Adler verpassen Podest bei nächster Norwegen-Show

21.01.2018 17:52
Richard Freitag konnte mit seinem letzten Sprung die Polen nicht mehr überbieten
© getty, Adam Pretty
Richard Freitag konnte mit seinem letzten Sprung die Polen nicht mehr überbieten

Richard Freitag nahm den Dämpfer zum Abschluss seines traumhaften Comebacks gelassen. Deutschlands Skispringer Nummer eins zuckte mit den Achseln, dann tröstete er die geknickten Teamkollegen. Die als Vierter verpasste Team-Medaille zum Abschluss der Flug-WM in Oberstdorf konnte Freitag die Laune nicht verderben - mit Bronze im Einzel hatte er sich nur zwei Wochen nach seinem schlimmen Sturz von Innsbruck grandios zurückgemeldet.

"Dass wir die Medaille verpasst haben, ist natürlich nicht schön", sagte Freitag nach dem Springen am Sonntag: "Aber ich stand vor dem letzten Sprung oben, habe die ganzen Zuschauer gesehen, den Lärm gehört. Da habe ich gedacht: Was für ein geiles Wochenende!"

"Mit einer Einzelmedaille zurückzukehren, das ist ein Traum", sagte Freitag. Auch in einem packenden Mannschaftsspringen war er bester Deutscher, konnte aber nicht verhindern, dass es hinter den überragenden Norwegern sowie Slowenien und Polen nur zu Blech reichte. So groß die Freude über Freitags Abschneiden war: Drei Wochen vor den Olympischen Spielen macht die zweite deutsche Reihe durchaus Sorgen.

"Die Enttäuschung ist extrem groß. Wenn jeder einen halben Meter mehr gesprungen wäre, dann hätte es gepasst", sagte Andreas Wellinger, der nach Einzelplatz sieben auch im Teamwettbewerb nicht enttäuscht hatte. Der deutsche Rekordhalter Markus Eisenbichler, im Einzel als Elfter solide, in der Mannschaft aber schwach, meinte: "Wir waren als Team einfach schlecht, aber davon geht die Welt nicht unter. Wir haben ja noch ein Highlight bei Olympia."

Medaille war großes Ziel

Nach acht Sprüngen hatte das deutsche Quartett, zu dem noch der leicht glücklose Stephan Leyhe gehörte, 10,9 Punkte und damit neun Meter Rückstand auf Polen. Die Norweger um den überragenden Flieger Daniel Andre Tande, der bereits im Einzel vor Freitag und Polens Topstar Kamil Stoch triumphiert hatte, lagen fast 70 Meter vor Deutschland - eine andere Welt.

Das musste auch Bundestrainer Werner Schuster anerkennen, der mit Freitags Einzelmedaille immerhin das WM-Minimalziel erreicht hatte. Aber: "Es gab in meiner Zeit noch kein Großereignis, bei dem wir im Einzel und im Team eine Medaille geholt haben. Das ist hier unser großes Ziel gewesen." 16 Jahre hatte das letzte doppelte Edelmetall zurückgelegen, bei Olympia 2002 waren Sven Hannawald (Silber) im Einzel und die DSV-Mannschaft (Gold) aufs Treppchen gesprungen. 2016 am Kulm hatte das deutsche Team bei der Flug-WM Silber geholt, war aber im Einzel leer ausgegangen.

Freitag freut sich über Einzel-Medaille

Die Teammedaille wäre der Bonus für Freitag gewesen, der nach der Pause wegen seines heftigen Sturzes von Innsbruck nahtlos an die starken Leistungen der ersten Saisonphase anknüpfte und seine erste Einzelmedaille holte. "Wahnsinn, was hier in den vergangenen Tagen passiert ist. Ich wusste ja noch nicht einmal, ob ich fit werde, um anzutreten", sagte Freitag.

Die Folgen seiner Bruchlandung waren ihm weder mental noch springerisch anzumerken. Ein schwächerer letzter Flug im nervenaufreibenden, am Samstag nach drei von vier Durchgängen wegen starker Winde abgebrochenen Einzelwettbewerb vor 25.000 Zuschauern kostete ihn die Silbermedaille. Doch auch Bronze hinter dem überlegenen Tande und Stoch war mehr als ein Trostpflaster für sein bitteres Tournee-Aus.

"Die Medaille ist grandios und extrem wertvoll", sagte Freitag, der nach Flügen auf 228,0, 225,0 und 190,5 m umgerechnet 16 Meter Vorsprung auf den viertplatzierten Weltrekordler Stefan Kraft aus Österreich hatte. Team Austria enttäuschte wie bei der Tournee - Platz fünf gab es nur im Teamwettbewerb.

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Skiflug-WM 2018

1NorwegenNorwegen1662.20
2SlowenienSlowenien1615.80
3PolenPolen1592.10
4DeutschlandDeutschland1581.20
5ÖsterreichÖsterreich1488.80
6SchweizSchweiz1350.60
7RusslandRussland1283.20
8FinnlandFinnland1262.20
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