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"Unglaublich": Freitag holt Bronze bei Skiflug-WM

20.01.2018 17:57
Richard Freitag sprang vor der atemberaubenden Kulisse von Oberstdorf in die Lüfte
© getty, Adam Pretty
Richard Freitag sprang vor der atemberaubenden Kulisse von Oberstdorf in die Lüfte

Richard Freitag hüpfte mit der Bronzemedaille durch den Schnee und machte mit 25.000 Fans die Welle: Mit Platz drei bei der Flug-WM in seiner Wahlheimat Oberstdorf hat Deutschlands bester Skispringer nur zwei Wochen nach dem schweren Sturz von Innsbruck ein traumhaftes Comeback gefeiert. Nach einer wahren Nervenprobe musste sich der 26-Jährige nur dem neuen Weltmeister Daniel Andre Tande aus Norwegen und Polens Tournee-Triumphator Kamil Stoch geschlagen geben.

"Unglaublich, ich kann gar nicht mehr richtig denken. Wahnsinn, was in den paar Flügen hier alles passiert ist!", sagte Freitag in der "ARD", nachdem ein turbulenter und mehrmals unterbrochener Wettkampf nach drei Durchgängen wegen starker Winde abgebrochen worden war. Freitags bislang größter Einzel-Erfolg ist mehr als ein Trostpflaster für das bittere Tournee-Aus. "Ich muss das alles erstmal verarbeiten", sagte Freitag.

Als die Jury um 17:40 Uhr angesichts immer schlechter werdender Verhältnisse den Wettkampf vorzeitig abpfiff, scherzte Freitag gerade ausgelassen im Schanzenturm mit Kontrahent Tande. Der gebürtige Sachse begriff minutenlang nicht, dass sein Bronze-Coup bereits perfekt war. Dabei war Freitags Start aufgrund der Folgen des Crashs am Bergisel lange nicht gesichert gewesen.

"Ich freue mich riesig für ihn", sagte Bundestrainer Werner Schuster, der die ersten beiden WM-Tage noch grippekrank verpasst hatte, es sich am Samstag aber nicht nehmen ließ, seine Nummer eins persönlich abzuwinken: "Der Richard ist so lange dabei, er hat so viele Hochs und Tiefs erlebt. Seine erste Einzelmedaille hat er sich wirklich verdient, er soll es genießen."

Letzte Einzelmedaille für Deutschland 2014

Freitag hatte nach zwei Durchgängen am Vortag auf dem zweiten Platz gelegen. Bei starkem Rückenwind zeigte er dann aber seinen schwächsten Flug und fiel mit seinen 190,5 m hinter Stoch, der bei schwierigen Bedingungen 211,5 flog, zurück.

Tande, der im dritten Durchgang bei 200,0 m landete, siegte mit 651,9 souverän vor Stoch (638,6). Für den Norweger ist es der erste große Einzeltitel, 2016 hatte er bereits mit Norwegens Team WM-Gold im Skifliegen geholt. Freitag (627,6) hatte 19,2 Punkte und damit umgerechnet 16 Meter Vorsprung auf den drittplatzierten Weltrekordler Stefan Kraft aus Österreich.

Zuletzt hatte es bei acht Skiflug-Weltmeisterschaften nur eine Einzelmedaille für Deutschland gegeben: Der zurzeit verletzte Severin Freund hatte 2014 in Harrachov nach einem Abbruch zur Halbzeit Gold geholt. Am Sonntag (16:00 Uhr) könnte noch eine Medaille im Team-Wettbewerb hinzukommen - die Norweger, im Einzel mit vier Springern unter den besten Neun, sind allerdings turmhoher Favorit.

Stoch verpasst historische Bestmarke

Andreas Wellinger rückte am Samstag als zweitbester Deutscher nach starken 213,0 m auf Platz sieben (599,7), der deutsche Rekordhalter Markus Eisenbichler mit 203,0 m auf Platz elf (560,1) vor. Stephan Leyhe (183,5) fiel mit 184,5 m auf den 20. Rang (502,9) zurück.

Tande holte seinen ersten großen Einzel-Titel und das erste Einzel-Gold bei der WM für die Skiflug-Nation Nummer eins seit Roar Ljökelsöy (2004/2006). Ljökelsöy gehört seit anderthalb Jahren zum deutschen Trainerstab und ist Freitags wichtigster Ansprechpartner im Team.

Knapp an einem historischen Coup flog Stoch vorbei: Der 30-Jährige wäre der erst zweite Springer nach dem Finnen Matti Nykänen geworden, der die fünf großen Titel (Olympia, WM, Flug-WM, Gesamtweltcup, Vierschanzentournee) in seiner Karriere gewonnen hat.

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