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Freitag exklusiv: "Blöder Sturz hemmt mich nicht!"

17.01.2018 11:13
Richard Freitag will schon am Wochenende in Oberstdorf nach Möglichkeit wieder ganz vorne angreifen
© getty, Alexander Hassenstein
Richard Freitag will schon am Wochenende in Oberstdorf nach Möglichkeit wieder ganz vorne angreifen

Der deutsche Skisprung-Star Richard Freitag hielt Millionen TV-Zuschauer in Atem, als er als Weltcup-Gesamtführender vor zwei Wochen in Innsbruck stürzte und seit dem verletzungsbedingt pausieren musste.

Im exklusiven sport.de-Interview sprach der 26-Jährige über seine Rückkehr bei der Skiflug-WM in Oberstdorf, das bevorstehende "Auswärtsspiel" in Zakopane und die jüngste Entwicklung bei den DSV-Adlern.

Herr Freitag, Ihr dramatischer Sturz bei der Vierschanzentournee in Innsbruck ist bei uns immer noch präsent. Erster Frage daher: Wie geht es Ihnen mittlerweile gesundheitlich?

Es geht auf jeden Fall aufwärts! So ein Knochenmarksödem geht einfach nicht von heute auf morgen weg. Aber alles in allem ist es noch ganz gut ausgegangen. Es hätte auch etwas gerissen sein können. Die ersten Trainings in der Krafthalle waren auch alle soweit in Ordnung, sodass ich das in den nächsten Tagen hinkriegen werde, wieder auf gutem Niveau wettkämpfen zu können. Auf der anderen Seite gebe ich mir aber auch die Zeit und Ruhe, bis der Körper wieder geradegerichtet ist. Ich gehe es ruhig an, auch wenn jetzt Skiflug-WM ist.

Die Skiflug-WM in Oberstdorf steht zum Wochenende vor der Tür. Wie groß waren Ihre Sorgen, dass Sie es nicht rechtzeitig schaffen könnten? Beim Skifliegen sind die Anforderungen an den Körper und die wirkenden Kräfte ja nochmal ganz andere.

Die Sorgen waren relativ gering. Ich bereite mich gut vor und versuche, den fittesten Zustand herzustellen, der möglich ist. So wie es jetzt aussieht, wird es ganz gut werden. Wenn alles zusammenpasst, will ich natürlich um die Medaillen mitspringen. Ein großes Training werde ich aber im Vorfeld nicht haben, das heißt ich werde mit dem offiziellen Training einsteigen. 

Ihr Zeitplan sieht also vor, dass Sie erst zum offiziellen Training am Donnerstag (ab 13:30 Uhr) wieder auf den Skiern stehen und dann über einen WM-Start entscheiden?

Genau! Die Aufstellung für die Qualifikation um 16 Uhr machen ja sowieso die Trainer. Das werden sie nach dem Training machen. In meinem Fall wird das eine Entscheidung abhängig vom Fitnesszustand, aber natürlich auch von der Leistung.

Wie hoch ist generell das Risiko, ohne Wettkampfpraxis oder vorbereitendes Springen am Skifliegen teilzunehmen? Haben Sie schon einmal Erfahrungen mit so einem Kaltstart gemacht?

Das mit dem Kaltstart ist für mich eigentlich eher nur eine Floskel. Ich war eben schon ein paar Mal Skifliegen, wenn auch nicht dieses Jahr. Genau durchplanen kann man so einen Wettkampf ohnehin nicht. Dass ich am Kulm beim Skiflug-Weltcup verletzungsbedingt pausieren musste, war für mich nicht mega toll, aber ich würde das auch nicht überbewerten.

Inwiefern ist der Sturz von Innsbruck in Ihrem Kopf denn noch ein Thema? Droht die Gefahr, dass Ihre Leichtigkeit und Ihr Selbstverständnis beim Springen abhanden gekommen ist?

Das wird glaube ich kein Problem sein. Es war ein Sturz, so blöd, wie er auch war, der auch im Training immer mal passieren kann. Er ist nicht mehr präsent, dass ich sagen würde, das hemmt mich irgendwo! Was nicht so toll ist, sind meine noch eingeschränkten Landungsmöglichkeiten gerade mit dem angeschlagenen Bein. Und mal eben das andere Bein nach vorne zu nehmen, ist schon relativ schwierig. 

Für uns waren Sie im Dezember der Sportler des Monats, nachdem Sie innerhalb von 15 Tagen drei verschiedene Weltcupspringen in Nizhny Tagil, Titisee-Neustadt und Engelberg gewonnen hatten. Was hat in dieser Hochphase den Unterschied zur versammelten Weltspitze ausgemacht?

Natürlich der Bart (lacht)! Nein, im Ernst: Es ist immer schwierig, Leistungsunterschiede im Skispringen genau zu definieren. Ich habe in der Herbstphase sehr gut an mir arbeiten können. Das hat dann auch sehr gut gewirkt, was im Skispringen alles andere als selbstverständlich ist. Als wichtigsten Unterschied würde ich aber unser Team benennen! Wir waren richtig gut aufgestellt und wussten alle, wie gut wir drauf sind. So haben wir uns gegenseitig zu großen Weiten gepusht. 

Dass Sie nach Ihren Einzel-Erfolgen bei den Springen dennoch das Team so in den Vordergrund stellen, ist eine überraschende und bemerkenswerte Antwort...

Es ist für mich aber einfach entscheidend! Wir verbringen so viel Zeit miteinander. Wenn das irgendwo nicht passt, schlägt sich das schon irgendwann nieder. Das ist einfach so.

Nach der Skiflug-WM in Oberstdorf folgen noch zwei weitere Weltcupspringen in Zakopane und in Willingen, die als Generalprobe für Olympia gelten können. Die beiden Stationen haben außerdem ohnehin einen besonders stimmungsvollen Charakter aufgrund der extrem zahlreich vertretenen und lautstarken Skisprung-Fans an den Schanzen. Wie blicken Sie dem "Auswärtsspiel" in Polen und dem Springen auf der Mühlenkopfschanze entgegen?

Mit großer Vorfreude! Ich freue mich auf Zakopane. Da ist es immer laut und voll, in diesem Jahr nach dem gigantischen Erfolg von Kamil Stoch bei der Vierschanzentournee wird es wohl noch einmal extremer werden. Da werden so viele Leute sein, dass wir Probleme bekommen werden, überhaupt selbst an die Schanze zu kommen. Das wird schon riesig! Willingen wird auch wieder superschön! Die Leute sind total fanatisch in der Region und die Schanze ist auch immer top. Als Ausgangssituation oder Generalprobe für Olympia sehe ich beide Stationen aber nicht an. Sowas macht keinen Sinn. Die Events sind dafür einfach zu unterschiedlich!

Neben dem deutschen Team um Sie und Andreas Wellinger an der Spitze fällt in diesem Winter bisher die große Leistungsbreite der Norweger und der Polen auf. Wird das in dieser Saison so bleiben, kommt es noch einmal zum großen Comeback der Österreicher? Wie lautet Ihre Einschätzung?

Ich glaube schon, dass es grundsätzlich so bleiben wird. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass der ein oder andere Österreicher wieder ganz vorne angreift. Der Krafti (Stefan Kraft, Anm. d. Red.) ist ja ohnehin immer gut mit dabei. Beim Skifliegen ist auch der Schweizer Simon Ammann auf einmal wieder auf dem Podest gelandet, was auch nicht zu erwarten war. Überraschungen sind bei uns immer möglich!

Sie haben zuvor schon den tollen Charakter und die Geschlossenheit der deutschen Mannschaft hervorgehoben. Was macht das DSV-Team in diesem Winter darüber hinaus so stark?

Es hat sich in den letzten Jahren nicht riesig etwas verändert. Es ist einfach so, dass viel zusammengewachsen ist. Viele Ideen und viele Umsetzungen seit der Zeit, in der Werner Schuster als Bundestrainer nun schon dabei ist. Er hat es mit den wechselnden Co-Trainern immer wieder geschafft, die guten Ideen alle beieinander zu halten. Das trägt mittlerweile Früchte und macht viel aus.

Sie haben sich in den letzten Tagen über die sozialen Medien zu Wort gemeldet und sich mit einem Lied an Ihre Fans gewandt. Welche Rolle haben Ihre Anhänger in den letzten Wochen gespielt? Insgesamt ist Ihre Fanbase durch die Weltcup-Siege nochmal deutlich gewachsen.

Ich habe in den Tagen nach dem Aus bei Tournee einfach gemerkt, dass der Rückhalt einfach da war. So lange das funktioniert, ist der Wille natürlich umso größer, auch schnell wieder zurückzukommen. Es ist echt sehr hilfreich, wenn ich merke, es stehen viele Leute hinter mir und geben mir Kraft. Das ist schon eine coole Sache!

Das Interview führte Mats-Yannick Roth

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Skiflug-WM 2018

1NorwegenNorwegen1662.20
2SlowenienSlowenien1615.80
3PolenPolen1592.10
4DeutschlandDeutschland1581.20
5ÖsterreichÖsterreich1488.80
6SchweizSchweiz1350.60
7RusslandRussland1283.20
8FinnlandFinnland1262.20
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