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Freitag fehlt am Kulm: Wellinger soll's richten

11.01.2018 12:36
Andreas Wellinger brennt auf das Skifliegen am Kulm
Andreas Wellinger brennt auf das Skifliegen am Kulm

Kein Richard Freitag, dafür ein Andreas Wellinger mit riesigem Tatendrang: Kurz nach der Vierschanzentournee geht es für die DSV-Adler ins spektakuläre Skifliegen an den Kulm.

Die Vierschanzentournee steckt Andreas Wellinger noch in den Knochen, das Sturzpech von Kumpel Richard Freitag sitzt im Hinterkopf. Die Aussicht auf den ultimativen Adrenalinkick lässt das aber vergessen. "Ich freue mich riesig aufs Skifliegen", sagte der deutsche Rekordhalter. Am Wochenende beim Flug-Weltcup am berüchtigten Kulm und vor allem eine Woche später bei der Heim-WM in Oberstdorf kann Wellinger zeigen, dass er der Mann für die Riesenschanzen ist.

Fliegen, das hat der 22-Jährige spätestens in der Vorsaison erkannt, ist das größte für einen Skispringer. "So etwas habe ich vorher noch nie gefühlt. Ich habe lange nicht mehr so viel Adrenalin im Körper gehabt", sagte Wellinger, der im Frühjahr 2017 seine große Liebe zu den großen Bakken entdeckt hatte: Zwei zweite Plätze samt Schanzenrekord in Oberstdorf, dann mit 245,0 m in Vikersund den deutschen Rekord von Severin Freund eingestellt.

Der derzeit verletzte Freund war 2014 in Harrachov bislang letzter deutscher Weltmeister in der DSV-Domäne Skifliegen. Wellinger, der sich bei der Tournee nur dem überragenden Polen Kamil Stoch geschlagen geben musste, hat allemal das Zeug, Freund nachzufolgen.

Jagd auf "König Kamil" eröffnet

Ab den beiden Wettkämpfen in Bad Mitterndorf/Österreich am Samstag und Sonntag wird aber nun zur Jagd auf Stoch geblasen, die Regentschaft von "König Kamil" soll sich nicht uneingeschränkt durch die kommenden Saisonhöhepunkte in Oberstdorf und bei Olympia in Pyeongchang fortsetzen. Zumal Bundestrainer Werner Schuster vor dem Gang bei Stoch eine gewisse Müdigkeit erkannt haben will.

"Am Tournee-Ende fuhr er auf der letzten Rille", sagte Schuster. Für den Österreicher ist der Kulm, an dem seine Landsleute Thomas Morgenstern (2014) und Lukas Müller (2016) nach brutalen Stürzen auf der Intensivstation bzw. zeitweise im Rollstuhl landeten, "die schwierigste Schanze im Jahr". Auch deshalb kehrt der nach seiner Bruchlandung in Innsbruck angeschlagene Freitag noch nicht ins Team zurück.

Freitags Chancen für Heim-WM stehen gut

Der bis zur Tournee überragende Freitag nahm es gelassen, widmete sich ausgiebiger Physiotherapie und dem nachweihnachtlichen Hausputz. "Irgendwie muss ich die Zeit ja totschlagen", sagte der 26-Jährige. Bei der WM in seiner Wahlheimat Oberstdorf soll Freitag wieder voranfliegen. "die Chancen gut stehen, dass er in Oberstdorf starten kann. Alles andere sind für mich ungelegte Eier", sagte Schuster.

Gerade im Hinblick auf das Teamfliegen der Weltmeisterschaften ist die Rückkehr Freitags immens wichtig. Schon am Kulm kann Schuster nicht alle Startplätze besetzen - neben Wellinger sind nur Markus Eisenbichler und Karl Geiger uneingeschränkt sowie mit Abstrichen Stephan Leyhe flugtauglich. "Ansonsten haben wir für diese Monsterschanze keine Optionen", sagt Schuster.

Zur Jagd auf den Weltrekord, den Stefan Kraft mit 253,5 m (Vikersund/2017) hält, wird am Kulm noch nicht geblasen. Weiten in diesem Bereich sind auch auf der renovierten Schanze - wie auch auf jener in Oberstdorf übrigens - kaum ohne Verlust der körperlichen Unversehrtheit möglich. "Bei optimalen Bedingungen wird es an die 250 Meter gehen", sagt Organisator Hubert Neuper, zweimaliger Vierschanzentournee-Sieger.

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