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Biathlon-Star Herrmann exklusiv: "Damit nicht gerechnet!"

22.12.2017 17:41
Denise Herrmann feierte in Östersund zum Saisonauftakt gleich zwei Weltcup-Siege
Denise Herrmann feierte in Östersund zum Saisonauftakt gleich zwei Weltcup-Siege

Denise Herrmann ist die Positiv-Überraschung des bisherigen Biathlon-Winters. Die 29-Jährige absolviert als Quereinsteigerin erst den zweiten Weltcup ihrer Karriere, weist in dieser Saison aber bereits vier Top-Ten-Platzierungen auf. 

Mit sport.de hat Denise Herrmann exklusiv über ihre ersten Weltcup-Siege, die Chancen im weiteren Winter und das große Ziel Olympia gesprochen. 

Frau Herrmann, nach dem super Saisonstart bei den drei Weltcup-Stationen in Östersund, Hochfilzen und Annecy: Wie geht es jetzt in der wettkampffreien Zeit zwischen den Feiertagen weiter?

Ich werde die Weihnachtstage in Davos in der Schweiz verbringen, wo neben Erholung nach dem ersten Weltcup-Block natürlich auch Training auf dem Programm steht. Die Trainingsmöglichkeiten sind vor Ort sehr gut. Die Loipen sind in einem super Zustand, das Wetter soll auch richtig gut werden.

Mit Ihren zwei Weltcupsiegen in Östersund und den zwei fünften Plätzen in Annecy haben Sie für einen fantastischen Saisonstart gesorgt. Wie bewerten Sie persönlich den Dezember?

Wenn ich mir die einzelnen Resultate im bisherigen Winter oder den Punktestand im Gesamtweltcup anschaue, muss ich schon zugeben: So einen Start hätte ich mir nicht träumen lassen! Ich habe in Östersund natürlich schon auf ein gutes Resultat gehofft, um mich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Dass es dann aber so losgeht, damit hab ich nicht gerechnet.

Im Sprint von Östersund haben Sie sich sogar einen Fehler erlaubt, haben trotzdem mit über 15 Sekunden Vorsprung vor Justine Braisaz gewonnen. Wie fühlte sich diese Gewissheit an, die Konkurrenz läuferisch so zu dominieren?

Ich habe schon zuvor in Sjusjöen im IBU-Cup gemerkt, dass ich läuferisch ganz gut in Form bin. Daher wusste ich ungefähr, in welche Richtung es gehen kann, wenn es dann auch noch beim Schießen passt. Die Top Ten waren im Vorfeld mein Ziel, zumal ja Laura [Dahlmeier]als amtierende mehrfache Weltmeisterin in Östersund noch nicht dabei war. Wenn man das dann so erfolgreich gemeistert hat, muss erst einmal etwas passieren, was einen wieder ins Wanken bringt.

Zwei Tage später haben Sie in der Verfolgung direkt den nächsten Weltcupsieg draufgesetzt. Welcher der beiden Triumphe von Östersund hat Ihnen mehr bedeutet?

Der erste Einzelsieg im Weltcup wird mir auf jeden Fall immer in Erinnerung bleiben, das ist auch glaube ich ganz normal. In der Verfolgung ist es dann aber etwas ganz anderes, als Erste über die Ziellinie zu laufen. Dieses Gefühl ist noch einmal etwas spezieller.

In Hochfilzen kamen mit den Plätzen 28 und 25 in Sprint und Verfolgung die ersten kleineren Rückschläge in diesem Winter. Haben Sie sich damit überhaupt lange beschäftigt?

Im Sport kann man immer wieder Rückschläge erleiden, gerade im Biathlon kann das innerhalb weniger Minuten von einem Schießen zum anderen ganz schnell gehen. Das war mir aber schon beim Wechsel zum Biathlon und auch nach den zwei Siegen von Östersund klar. Über die Fehler habe ich mich natürlich geärgert, wir haben sie im Anschluss auch ausreichend analysiert. Das Schöne an der Sportart ist aber, das wir schnell die Möglichkeit bekommen, es beim nächsten Mal besser zu machen und ins Positive umzukehren. Das ist mir in Annecy zum Glück ganz gut gelungen.

Die zwei fünften Plätze von Annecy sind sehr hoch zu bewerten, weil mit Laura Dahlmeier dort auch die mehrfache Weltmeisterin wieder ganz vorne angegriffen hat. Wie haben Sie sich selbst vor Ort gefühlt?

Ich habe schon gemerkt, dass die Kräfte nach dem harten Auftaktprogramm nicht mehr so da waren wie vielleicht noch am Wochenende in Östersund. Gerade das Laufen ging mir dann nicht mehr so leicht von der Hand. Die Strecke war in Annecy zudem eine ganz andere, nicht so selektiv und nicht ganz so anspruchsvoll. Da kann ich als laufstarke Biathletin nicht so viel gut machen wie beispielsweise in Östersund.

Neben einer herausragenden Laufform passt es bei Denise Herrmann auch beim Schießen immer besser
Neben einer herausragenden Laufform passt es bei Denise Herrmann auch beim Schießen immer besser

Bis zu den deutschen Stationen in Oberhof und Ruhpolding in den ersten beiden Januar-Wochen legt der Weltcup eine Pause ein. Was ist bei Ihnen zwischen den Jahren geplant?

Ich werde mich von den Strapazen der letzten Wochen noch ein bisschen erholen und dann zeitig wieder ins Grundlagentraining einsteigen. Wie gesagt, in Davos finde ich super Bedingungen vor. Das ist jetzt noch einmal eine ganz wichtige Phase auch im Hinblick auf Olympia. Im Januar wird die Zeit einfach zu knapp, da steht dann der nächste Dreierblock im Weltcup an.

Lässt sich läuferisch überhaupt noch etwas draufpacken, was Ihr Leistungspotenzial angeht? Oder geht es jetzt nur noch darum, Ihre Form zu konservieren und das Level zu halten?

Das Wichtigste ist es, in den nächsten Wochen gesund durchzukommen und dem Körper in den Phasen wie im Moment die richtigen Pausen zu geben. Ich habe ja gesehen, was ich im Stande bin zu laufen, wenn ich richtig frisch bin. Technisch gibt es immer wieder etwas, was ich noch verbessern kann. Daran werde ich auch in der kommenden Woche mit meinem Stützpunkttrainer weiter arbeiten.

Was sind denn noch die Punkte, die Sie in Ihren Analysen als verbesserungswürdig ausgemacht haben? 

Ich bin in Sachen Lauftechnik eher eine Kraftläuferin. Wenn die Bedingungen etwas stumpfer sind, muss ich noch variabler in meinem Laufstil werden. Es war schon immer so, dass ich bei tiefen Schneebedingungen meine Stärken nicht optimal ausspielen konnte. Da sehen wir auf jeden Fall Potenzial, in kleineren Frequenzen noch besser laufen zu können. Im Schießen geht es einfach darum, auch unter wechselnden Bedingungen konstanter zu werden und diese einfach anzunehmen.

Im Januar werden Sie dann zum ersten Mal als Biathletin die deutschen Heim-Weltcups absolvieren. Mit welchen Gefühlen reisen Sie nach Oberhof und nach Ruhpolding?

Nachdem ich im letzten Jahr dort noch nicht am Start war, freue ich mich jetzt umso mehr drauf. Gerade Ruhpolding als mein Heimrennen zu laufen ist ganz speziell für mich. Ich war früher in Ruhpolding selbst mehrere Male als Zuschauerin dabei und lasse mich jetzt einfach mal überraschen. Und Oberhof kenne ich ja noch von der Tour de Ski im Langlauf. Auch da hat es mir schon besonders viel Spaß gemacht. Es werden viele bekannte Gesichter an der Strecke sein und mich pushen. Die Vorfreude ist auf jeden Fall extrem groß.

Neben Ihnen gelten Anastasiya Kuzmina und Justine Braisaz als die Positiv-Überraschungen der bisherigen Saison. Sind die beiden auch die großen Olympia-Favoritinnen oder mit wem rechnen Sie sonst noch?

Das ist im Biathlon ja immer eine sehr schwierige Frage. Es wird bestimmt wieder die eine oder andere Überraschung geben. Kuzmina wird als zweifache Olympiasiegerin im Sprint mit Sicherheit wieder eine große Rolle mitspielen. Aber insgesamt kommen sehr viele infrage, die bei Olympia Medaillen holen können.

Vor der Saison haben als persönliches Saisonziel formuliert, sich schnellstmöglich für Olympia zu qualifizieren. Das haben Sie längst erreicht. Wie lauten nun Ihre nächsten Zielvorgaben?

Die deutsche Mannschaft ist so stark, da kann ich mir eigentlich nie richtig sicher sein. Es gibt für unser Team eben nur vier Startplätze bei Olympia. Klar wissen die Trainer und ich, wo ich landen kann, wenn ich die Scheiben treffe. Umso wichtiger ist es, dass ich bis zu Olympia sehr gute Leistungen zeige, damit ich da dann auch an der Startlinie stehe.

Was streben Sie bis zu Olympia für Platzierungen an und auch darüber hinaus im Gesamtweltcup?

Mein großes Ziel bleibt es, zu Olympia zu kommen und dort ein perfektes Rennen abzuliefern. Der Gesamtweltcup ist nicht mein primäres Ziel. Wenn man einmal ganz oben stand in einem Einzelrennen, will man natürlich versuchen, möglichst oft daran anzuknüpfen. Ich hoffe, dass mir das noch möglichst oft in diesem Winter gelingen wird. Ich weiß, dass es ganz nach vorne gehen kann, also möchte ich auch immer wieder dahin kommen.

Der Winter 2017/2018 ist erst Ihre zweite Saison, in der Sie im Biathlon angreifen. Wie hat sich seit dem und vor allem zuletzt Ihr Standing im deutschen Team und bei der internationalen Konkurrenz verändert?

Im Team war die letzte Entwicklung keine so große Überraschung. Wir sehen uns ja auch ständig im Training und wissen, was die anderen in der Mannschaft jeweils drauf haben. Wenn alles optimal läuft, sind auch in Zukunft hoffentlich Ergebnisse ganz vorne drin.

Das Interview führte Mats-Yannick Roth

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