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NBA-Zwischenzeugnis: Junge Garde toppt Nowitzki

30.12.2017 15:30
Dennis Schröder, Dirk Nowitzki, Paul Zipser und Daniel Theis (v.li.) laufen in dieser Saison in der NBA auf
Dennis Schröder, Dirk Nowitzki, Paul Zipser und Daniel Theis (v.li.) laufen in dieser Saison in der NBA auf

Fünf Deutsche laufen in diesem Jahr in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA auf - so viele wie noch nie. Nach rund der Hälfte der Saison fällt das Zwischenfazit von Nowitzki, Schröder und Co. durchwachsen aus. Wie haben sich die deutschen Cracks geschlagen, wer verdient sich Bestnoten, wer droht durchzufallen? 

Maximilian Kleber:

Im Sommer entschied sich Maxi Kleber für den Schritt in die stärkste Basketballliga der Welt. Vom FC Bayern München ging es in Richtung Dallas, Texas. Ausgerechnet zu den Mavericks um Superstar und Landsmann Dirk Nowitzki. Vor der Saison galt Kleber unter den deutschen Rookies als große Unbekannte. Nicht wenige sagten ein Scheitern des Power Forwards voraus. 

Vom "Dirkster" gab es für seinen neuen Teamkollegen allerdings schon vor der Spielzeit Lob. "Maxi ist für sein Alter super aufgestellt. Er ist sehr intelligent, und es macht wirklich Spaß, sich mit ihm zu unterhalten", schwärmte Nowitzki vom Frischling aus München. Diesen Eindruck bestätigt "Klebah" derzeit. Unlängst avancierte er im Spiel gegen die San Antonio Spurs gar zum besten Scorer seines Teams. 21 Punkte standen schlussendlich zu Buche.

Durchschnittlich absolviert der Forward 19 Minuten pro Begegnung. Dabei reicht es zu 6 Punkten und einer guten Trefferquote von 52,4 Prozent. Die Belohnung: ein Platz in der ersten Fünf. Dass es bei den Mavs sportlich nicht rund läuft, liegt nicht an Kleber, der sein Potenzial bislang ausschöpft und sich von Woche zu Woche steigert. Eine Entwicklung, die so kaum ein Experte vorhergesagt hat.

Note: 2

Paul Zipser:

Anders als Neuling Kleber hat Zipser bereits eine komplette NBA-Saison auf dem Buckel. Zusammen mit Dwyane Wade und Jimmy Butler lief der 23-Jährige schon 2016/17 bei den Chicago Bulls auf. Beide Superstars haben allerdings ihre Koffer gepackt und die Windy City verlassen. Was Zipser ursprünglich entgegen kam, schließlich schien zur neuen Spielzeit sogar ein Platz als Starter im Bereich des Möglichen. Die Hoffnung erfüllte sich nicht.

>> Zum Durchklicken: Schrempfs Erben - Deutsche in der NBA

Minuten (15,6), Punkte (3,9) und Wurfquote (33,3 Prozent) sind allesamt in den Keller gegangen. Zwar begann die Saison mit einem Stammplatz, diesen ist Zipser nun aber wieder los. Das Team ist ohne Anführer wie Wade oder Butler schlecht organisiert und wenig erfolgreich. Folgerichtig belegen die Bulls den vorletzten Platz in der Eastern Conference.

Mut macht einzig Zipsers Einfluss am anderen Ende des Courts. In der Defense weiß der Heidelberger konstant zu überzeugen. Und dabei scheut er nicht vor großen Namen zurück. Sogar Superstar LeBrno James wurde schon Opfer der Zipser-Verteidigung. Doch der Youngster muss sich offensiv entwickeln, als eindimensionales "One-Trick-Pony" haben die wenigsten ihren Platz in der NBA behaupten können.

Note: 4

Dennis Schröder

Im Tabellenkeller im Osten kennt sich noch ein Deutscher gut aus: Dennis Schröder. Nach einer ersten Spielzeit mit Höhen und Tiefen sah zwischenzeitlich alles gut aus für "Schruuuder". Er gewann das Duell um die Rolle als Starting Point Guard und unterzeichnete einen Mega-Vertrag. Die Atlanta Hawks hatten ihm die Schlüssel zur Franchise überreicht.

Doch nun steht Atlanta im Tabellenkeller. Nein Siege aus 35 Partien - kein Team hat weniger Partien gewonnen. Zufriedenstellend ist die Situation für den 24-Jährigen sicher nicht. Schröders Anteil an der sportlichen Krise ist jedoch gering, vielmehr verpasste es die Klubführung, ihrem Spielmacher eine konkurrenzfähige Mannschaft an die Seite zu stellen.

Dennis Schröder spielt bei den Hawks bislang eine überzeugende Saison
Dennis Schröder spielt bei den Hawks bislang eine überzeugende Saison

Schröder persönlich spielt so gut wie nie zuvor: 19,7 Punkte und 6,8 Assists legt er pro Spiel auf. Scoringtechnisch ist er ligaweit Nummer sieben unter den Point Guards. Dabei schultert er die offensive Last des Angriffs quasi alleine. Kein anderer Spieler im Kader kommt auch nur ansatzweise auf 14 Zähler im Durchschnitt. Die Schröder-Show läuft. Stellt sich nur die Frage, wie lange der Deutsche das noch durchziehen kann.

Note: 1-

Daniel Theis

Vor der Saison erhielt der 25-Jährige einen klaren Auftrag von Boston-Trainer Brad Stevens: "Ich weiß, dass der Coach von mir vor allem Defense und Rebounds sehen will." Diese Aufgabe erfüllt Theis sehr ordentlich, nimmt für einen Rebound auch schon mal eine gebrochene Nase in Kauf.

Den ganz großen Durchbruch hat er bei den Boston Celtics zwar noch nicht geschafft, dank seiner energiegeladenen Spielweise erkämpfte er sich aber dauerhaft Minuten (13,1 pro Spiel). Sein Einsatz unter dem eigenen Korb reißt die Fans im TD Garden regelmäßig von ihren Sitzen. Sogar mehrere Spitznamen hat er sich schon erarbeitet ("Cold as Theis", "Vanilla Theis", "Miami Theis", etc.).

Ähnlich wie auch Zipser wird es langfristig aber wohl nicht reichen, nur an einem Ende des Courts überzeugen zu können. Um einen festen Platz bei den Kelten zu haben, muss Theis (4,5 Punkte pro Partie) an seiner Offensive arbeiten.

Note: 2-

Dirk Nowitzki

Seit 19 Jahren (!) spielt der lange Blonde nun bei den Dallas Mavericks. Nicht wenige Experten sagen derzeit (mal wieder) das Karriereende des Würzburgers voraus. "Dirkules" selbst will sich da noch nicht festlegen, doch so wirklich Spaß hat Nowitzki derzeit kaum - zumindest, wenn es um das Sportliche geht.

Mit dem Titelgewinn 2011 und seiner jahrelangen Loyalität machte er sich unsterblich in Dallas. Doch von seinem einstigen Niveau ist "Döööörk" weit entfernt: 12,1 Punkte (weniger erzielte er nur in seiner Rookie-Saison), 1,8 Assists und 5,7 Rebounds - seine Stats verbreiten nur noch wenig Angst und Schrecken. Und dann wäre da noch die Defense, die schon zu den Glanzzeiten des mittlerweile 39-Jährigen bestenfalls Mittelmaß war.

Dirk Nowitzki und die Mavericks kommen nicht richtig in Schwung
Dirk Nowitzki und die Mavericks kommen nicht richtig in Schwung

Dennoch weigern sie sich in Texas, ihren Helden auf die Bank zu setzen - dabei ist Nowitzki womöglich das einzige, was einem Neuaufbau im Wege steht. Man werde stets versuchen dem Deutschen ein konkurrenzfähiges Team an die Seite stellen, erklärte Besitzer Mark Cuban nach dem Gewinn der Championship. Es gelang kein weiteres Mal. Alleine schultern, so viel ist längst klar, kann der beste europäische Basketballer aller Zeiten seine Mannschaft nicht mehr.

Note: 3-

Simon Lürwer

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