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Mit "American Spirit" aus dem Stimmungstief

16.12.2017 13:03
Fabian Schwingenschlögl sorgte für tolle Momente bei der Schwimm-EM
Fabian Schwingenschlögl sorgte für tolle Momente bei der Schwimm-EM

Fabian Schwingenschlögl ist sportlich die positive Überraschung der Kurzbahn-EM. Der in den USA lebende Student sorgt mit den anderen Wahl-Amerikanern auch für gute Stimmung im Team.

Solche Sätze hat es von einem deutschen Schwimmer lange nicht mehr gegeben. "Ich gehe da einfach raus, gebe mein Bestes und will den Leuten eine gute Show bieten", sagt Fabian Schwingenschlögl: "Gegen die Besten in Europa zu schwimmen, ein Kaliber wie Adam Peaty neben mir zu sehen - das spornt doch nur an!"

Selbstbewusst, unerschrocken und spektakulär - der Student der University of Missouri bringt mit seiner amerikanischen Art bei der Kurzbahn-EM frischen Wind ins deutsche Team. Und der Brustschwimmer ist dabei auch noch erfolgreich: Drei deutsche Rekorde und Platz vier über 50 m, persönliche Bestzeit und Rang sechs über 200 m, persönliche Bestzeit und Finaleinzug über 100 m.

"Was Fabian hier leistet, ist phänomenal", schwärmt Bundestrainer Henning Lambertz: "Seine guten Leistungen vom Weltcup in Berlin hat er noch mal um Lichtjahre verbessert." Und nicht nur das: Beim deutschen Rekord der Lagen-Mixedstaffel über 4x50 m glänzte der 26-Jährige auch als emotionaler Leader. Und als seine Freundin Nadine Laemmler, mit der er gemeinsam seit vier Jahren in den USA lebt und trainiert, über 100 m Rücken das Halbfinale verpasste, baute er sie liebevoll wieder auf.

Großes Lob vom deutschen Bundestrainer

"Alle, die aus Amerika kommen, bringen diesen 'American Spirit' mit. Sie haben ein ausgeprägtes Teamgefühl", sagt Lambertz über Schwingenschlögl, Laemmler und Marius Kusch (Queens University), der über 100 m Schmetterling überraschend Bronze gewann: "Sie machen da drüben eine hervorragende Arbeit."

Schwingenschlögl und Co. profitieren in den USA von den nahezu perfekten Trainingsbedingungen und dem ständigen Vergleich mit Topathleten. "Ich habe vier Jahre mit den Besten der Welt trainiert, und ich war immer vorne mit dabei", sagt Schwingenschlögl. Und dafür quäle er sich gerne: "In Deutschland wirst du für deinen Trainingsaufwand eher belächelt, in Amerika finden sie es toll und respektieren viel mehr deine Leistung."

Für Olympia 2016 in Rio und für die WM 2017 in Budapest konnte sich Schwingenschlögl aber nicht qualifizieren. Ihm fehle es noch ein wenig an Erfahrung auf der Langbahn, erklärte der 1,90 m große Schwimmer. Das soll sich jetzt ändern, denn den Universitäts-Abschluss hat er inzwischen geschafft. Eine Rückkehr in die Heimat nach Neckarsulm steht an.

Schwingenschlögl die positive Ausnahme

"Ich werde mit ihm reden, was Bundeswehrplätze, Sportförderung und solche Dinge betrifft", sagt Bundestrainer Lambertz, "damit er seinen Sport sorglos und genauso erfolgreich weiterführen kann."

Was bei Schwingenschlögl am Ende seiner vier Jahre in den USA funktioniert hat, ist jedoch eher die Ausnahme. Die Regel sind Schwimmer wie die frühere Kurzbahn-Europameisterin Theresa Michalak, die nach ihrem Wechsel nach Gainesville/Florida nicht mehr an ihre alte Leistungsstärke anknüpfen konnte.

Ein Training in den USA sei "kein Allheilmittel", warnte daher Lambertz, "einige machen ganz tolle Entwicklungen, aber es gibt auch einen großen Prozentsatz, der dort nicht besser wird." Man müsse sich in das noch stärker auf Leistung ausgerichtete US-System "voll und ganz integrieren, oder man fällt dem System zum Opfer."

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