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Froome-Tests für Martin ein "Skandal"

14.12.2017 12:06
Martin kritisiert Froome und die UCI harsch
Martin kritisiert Froome und die UCI harsch

Der viermalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin hat nach der positiven Dopingprobe von Radsport-Star Christopher Froome scharfe Kritik am Vorgehen des Weltverbandes UCI geübt und Vertuschungsvorwürfe geäußert.

"Ich bin total wütend. Im Fall Christopher Froome wird definitiv mit zweierlei Maß gemessen", schrieb Martin in einem Statement auf seiner Homepage: "Das was hier läuft, ist inkonsequent, intransparent, unprofessionell und unfair."

Katusha-Profi Martin erklärte weiter: "Bei mir und in der Öffentlichkeit kommt doch sofort der Eindruck auf, dass da hinter den Kulissen gemauschelt wird, Absprachen getroffen werden und nach Wegen gesucht wird, wie er doch aus diesem Fall rauskommt. Genießen er und sein Team einen Sonderstatus?"

Martin fordert mehr Transparenz

Andere Sportler würden nach einer positiven Probe "sofort gesperrt. Ihm und seinem Team wurde von der UCI Zeit gegeben, sich zu erklären. Mir ist kein derartiger Fall in der jüngeren Vergangenheit bekannt", teilte der 32-Jährige mit: "Das ist ein Skandal, zumal er nicht einmal mehr bei der WM hätte antreten dürfen." Dort hatte Froome knapp zwei Wochen nach seiner positiven Probe bei der Vuelta Zeitfahr-Bronze geholt, Martin war Neunter geworden.

Das Vorgehen im Fall Froome führe laut Martin "den schweren Anti-Doping-Kampf, den ich und Fahrer wie Marcel Kittel führen, mit einem Schlag ad absurdum. Unsere Glaubwürdigkeit und die unseres großartigen Sports steht auf dem Spiel. Wir brauchen ein konsequentes und transparentes Vorgehen seitens der UCI."

Froome-Eklat schlägt hohe Wellen

Auch international fiel das Echo verheerend aus. "Die Radsportgeschichte wiederholt sich", schrieb die New York Times in Anspielung auf gefallene Helden wie Armstrong, Landis oder auch Jan Ullrich: "Es fällt schwer, überrascht zu sein von der Nachricht, dass der dominanteste aller Radrennfahrer positiv getestet wurde."

Die im Radsport einflussreiche "L'Equipe", die eng mit dem Tour-Veranstalter ASO verbandelt ist, schrieb weiter, Froome sei am 20. September, dem Morgen des Zeitfahrens bei der WM, über den anormalen Test informiert worden. "Dennoch hat er sich seit diesem Tag in einen Mantel der Tugendhaftigkeit gehüllt und seine Karriere weitergeführt, als wenn nichts passiert wäre."

Auch in England herrschte Fassungslosigkeit. Der "Guardian" spekulierte, dass die Affäre Froome "der letzte Nagel im Sarg" von Froomes Team Sky sein könnte. Der britische Toprennstall hatte bereits in der Affäre um Ex-Profi Bradley Wiggins kein gutes Bild abgegeben. Ihm stehen unruhige Zeiten bevor.

Verteidigung: "Fahre seit zehn Jahren mit Asthma"

Froome war bei seinem Vuelta-Triumph im September bei einer Dopingprobe positiv getestet worden. Die UCI sah gemäß ihren Regeln noch von einer Suspendierung ab, sie wollte zunächst weitere Informationen von Team und Fahrer einholen.

Froome beteuerte unterdessen erneut seine Unschuld. "Ich verstehe, dass das für alle ein großer Schock ist. Ich habe sicherlich keine Regeln gebrochen", sagte er im BBC-Interview. Dies sei "kein positiver Test" und daher sei auch kein Imageschaden entstanden.

Der gebürtige Kenianer, dem eine Sperre und die Aberkennung seines Vuelta-Siegs droht, verwies auf seine Asthmaerkrankung. "Ich bin seit zehn Jahren Radprofi, ich behandle meine Symptome und fahre seit zehn Jahren mit Asthma", sagte Froome. Er kenne die Regeln und wisse, wo die Grenzen lägen.

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