Anzeige

Scholls Rundumschlag: "Rückwärtslaufen und furzen"

08.12.2017 16:19
Mehmet Scholl hat sich gegen den Verlust von Individualität im Fußball ausgesprochen
© getty, Alexander Hassenstein
Mehmet Scholl hat sich gegen den Verlust von Individualität im Fußball ausgesprochen

Mehmet Scholl hat in seiner Karriere als Fußballer einiges erlebt. Acht deutsche Meisterschaften feierte er mit dem FC Bayern und war später als Nachwuchstrainer beim deutschen Rekordmeister sowie als TV-Experte aktiv. Nun hat der 47-Jährige im "BR" in seiner Radio-Sendung "Mehmets Schollplatten" zum Rundumschlag gegen die jungen, deutschen Trainer ausgeholt.

"Die Tedescos, die Wolfs - sie sprießen aus dem Boden und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben", ätzte Scholl in Richtung der Coaches des FC Schalke 04 und des VfB Stuttgart. Sein Vorwurf: "Sie sind nicht wirklich an den Menschen und den Fußballern interessiert." Für die Nachwuchs-Trainer stünde allein das Kollektiv im Vordergrund. Jegliche Individualität gehe verloren. 

Doch der ehemalige TV-Experte sorgt sich nicht nur um die Bundesliga-Klubs, sein Blick geht auch nach unten. "Viel schlimmer: Diese ganzen Trainer gehen jetzt in den Nachwuchs, weil oben die Plätze begrenzt sind", erklärte Scholl und warnte: "Wir verlieren die Basis"

"Ribérys und Robbens werden aussortiert"

Die jungen Fußballer im Kindesalter müssten unentwegt abspielen, dürften sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren, so der 47-Jährige: "Sie kriegen nicht die richtigen Hinweise, warum ein Pass nicht gelingt, warum ein Dribbling nicht gelingt, warum der Zweikampf verloren wurde. Stattdessen können sie 18 Systeme, rückwärtslaufen und furzen."

An Typen, die für Entscheidungen auf dem Feld sorgen können, werde es bald fehlen, ist sich Scholl sicher. "Nebenbei werden die Ribérys und Robbens aussortiert, weil sie unbequem sind. Auch die Machtmenschen wie Effe [Stefan Effenberg, d. Red], die dann am Ende den Unterschied ausmachen können, die werden auch aussortiert."

Schlussendlich bliebe "eine weichgespülte Masse" übrig, "die erfolgreich sein wird, aber niemals das Große gewinnen wird", ist sich Scholl sicher, der die Trainerausbildung beim DFB in Köln, die er selbst 2009 mit dem Erwerb der A-Lizenz abgeschlossen hatte,  als "elf Monate Gehirnwäsche" bezeichnete.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Bundesliga Bundesliga
Anzeige
Anzeige