Anzeige
Anzeige

Frenzel-Kolumne: Norwegen stiehlt DSV-Assen die Show

04.12.2017 15:11
Die Norwegischen Kombinierer feierten einen Traumstart in die Saison
Die Norwegischen Kombinierer feierten einen Traumstart in die Saison

Regelmäßig schreibt Deutschlands Kombinierer-König Eric Frenzel exklusiv für sport.de über die laufende Olympia-Saison. Heute berichtet der fünffache Gewinner des Gesamtweltcups über die wiedergefundene Stärke der norwegischen Konkurrenten.

Die norwegischen Zeitungen überschlagen sich nach dem Staffelsieg, den sich Espen Andersen, Jan Schmid, Jörgen Graabak und Jarl Riber im Zielsprint sicherten. Große Lettern überall: "Wir sind die Besten der Welt!" In der Stadt feiern die ohnehin wintersportbegeisterten Norweger, wie die Italiener den Fußballweltmeistertitel feiern würden.

Trotz tiefster Temperaturen in der norwegischen Nacht feiern die Nordländer mit nacktem Oberkörper und rot-blauen Fahnen auf der Straße.

Nach über zwei Jahren ohne Staffelniederlage müssen sich die deutschen Kombinierer einer anderen Mannschaft wieder geschlagen geben, auch wenn es am Schluss Wimpernschläge sind. Es sind die Norweger, die uns an der Fortsetzung unserer Siegeserie hindern. An den Reaktionen im ganzen Land kann man ermessen, wie tief der Stachel in der letzten Saison bei den Norwegern saß, als sie der deutschen Dominanz nichts entgegenzusetzen hatten und mit ansehen mussten, wie so mancher Weltcup Ergebnislisten wie Deutsche Meisterschaften auswies.

Klare Erkenntnis: Norway is back!

Nach dem auf die Staffel folgenden Einzelwettkampf, bei dem es gar einen norwegischen Dreifach-Sieg gab, und dem Umstand, dass nach diesem zweiten Weltcupwochenende in der Gesamtweltcupwertung unter den Top Sechs drei Norweger rangieren, möchte ich sagen: "Norway is back!"

Es hilft auch kein Jammern und Klagen über die schlechten Wind-und Wetter-Bedingungen in Kuusamo und Lillehammer mit den stets wechselnden Winden. Die deutsche Mannschaft müsste so viel Substanz haben, sich auch auf die schlechtesten Bedingungen einzustellen und gute Ergebnisse abzurufen. Im Ergebnis muss man sich eingestehen, dass es vor allem auf der Schanze noch nicht ganz rund läuft. Daran müssen wir arbeiten.

Norweger haben hart an sich gearbeitet

Andererseits darf man nun auch nicht gleich in Panik und Hysterie verfallen. Bei einer Staffel auf der Zielgeraden zu verlieren, ist in jedem Fall kein Klassenunterschied und Podiumsplätze in den Einzelentscheidungen, die wir als deutsche Mannschaft und auch ich selbst schon verbuchen können, zeigen, dass wir unsere Hausaufgaben in der Saisonvorbereitung grundsätzlich schon gemacht haben, aber es ist anders als in der letzten Saison, als das deutsche Siegen so einfach schien und das Publikum entsprechend verwöhnt war.

Das, was ich bei meinem Einzeltraining in Oslo unmittelbar vor dem Saisonstart, als ich mit den Norwegern zusammen auf der Holmenkollen-Anlage trainieren konnte, gesehen hatte, hat sich jetzt bestätigt. Die Norweger haben hart an sich gearbeitet und sich vor allem auf der Schanze einen Stand erarbeitet, der offensichtlich gegenwärtig der Maßstab der Dinge ist. Damit müssen wir Deutschen umgehen lernen und uns nun Stück für Stück das Terrain zurückerobern.

Herzlichst

Eric Frenzel

Die Kolumne wird präsentiert von "eins energie in sachsen"

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Lillehammer 2017/2018

1NorwegenNorwegen50:46.00m
2DeutschlandDeutschland+1.70s
3FrankreichFrankreich+21.40s
4FinnlandFinnland+22.00s
5JapanJapan+29.10s
6ÖsterreichÖsterreich+1:47.10m
7ItalienItalien+3:20.30m
8TschechienTschechien+3:23.90m
9USAUSA+3:25.00m
10PolenPolen+4:23.00m
Anzeige
Anzeige