Gewichtheben: Neun Nationen von WM ausgeschlossen

29.11.2017 14:45
Armenische Gewichtheber werden bei der WM fehlen
Armenische Gewichtheber werden bei der WM fehlen

Der internationale Gewichtheberverband hat neun Nationen wegen Dopings gesperrt. Dadurch verändern sich die Vorzeichen für die WM in Anaheim. Deutsche Teilnehmer gehören dennoch nicht zu den Favoriten.

Im September hatte IOC-Präsident Thomas Bach dem Gewichtheben ein "massives Doping-Problem" bescheinigt. Wenige Tage später sperrte der Weltverband neun Nationen zunächst für ein Jahr und damit auch für die Weltmeisterschaften in Anaheim (28. November bis 5. Dezember). Die Medaillenchancen der starken deutschen Männer sind trotzdem kaum gestiegen.

"Für uns ist es ein Leistungsvergleich, der zeigt, wo wir wirklich stehen. Wir sind gespannt, auf welchem Niveau die WM ohne die gesperrten Nationen stattfindet", sagte Christian Baumgartner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG). Selbst in einem vermeintlich fairen Wettkampf ist die verbliebene Elite den Deutschen überlegen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

"Skeptisch muss man immer sein"

In anderen Ländern wird der Sport mehr gefördert. Vor allem in Osteuropa und Asien genießt Gewichtheben einen deutlich höheren Stellenwert. Die Topathleten sind Millionäre. Deutschland wartet dagegen seit dem Rücktritt des einstigen Olympiasiegers Matthias Steiner auf den nächsten Star des Sports. Auch das Thema Doping ist mit den Kollektivstrafen längst nicht beendet.

"Es gibt noch andere Länder, bei denen man ein schlechtes Gefühl hat. Skeptisch muss man immer sein", sagte der ehemalige Europameister Jürgen Spieß (Klasse bis 94 kg) im Interview mit der "Stuttgarter Zeitung". Dem 33 Jahre alten Heidelberger werden die größten Chancen zugerechnet, ausgerechnet zur WM ist er körperlich jedoch nicht in bester Verfassung. Im März hat er eine Ausbildung bei der Polizei in Baden-Württemberg angefangen und konnte sein gewünschtes Trainingspensum daher nicht erfüllen.

Neben Spieß gehören Simon Brandhuber, Robert Joachim (beide bis 69 kg), Max Lang, Nico Müller (beide bis 77 kg), Michael Müller, Tom Schwarzbach (beide bis 85 kg) und Alexej Prochorow (über 105 kg) zum deutschen Aufgebot. Sie alle hoffen diesmal auf einen fairen Wettkampf. Auch, weil sonst verheerende Konsequenzen drohen.

Ausschluss von Olympia droht

Bis Dezember muss der Weltverband IWF einen zufriedenstellenden Plan vorlegen, wie er gegen das massive Dopingproblem vorgehen will. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, droht ein Ausschluss der Sportart von den Olympischen Spielen.

"Es war überfällig, gegen die Dopingmentalität vorzugehen. Die Sperren richten sich gegen Verbände, die es nicht geschafft haben, ihre Dopingproblematik zu regeln", sagte Baumgartner und benannte konkret das eigentliche Problem: "Da geht es nicht um einzelne Sportler, sondern um planmäßiges Doping. Die Athleten wurden so gedopt, dass sie zu den Spielen dann auch sauber sind."

Diverse Länder betrieben solch systematisches Doping offenbar seit Jahren. Unter den Gesperrten sind auch etliche Olympiasieger, denen ihre Medaillen nachträglich aberkannt wurden. Athleten aus Armenien, Aserbaidschan, China, Kasachstan, Moldawien, Russland, der Türkei und Ukraine sowie Weißrussland sind von der WM ausgeschlossen. Gewichtheber aus diesen Ländern wurden mit positiven Doping-Nachtests der Olympischen Spiele 2008 und 2012 überführt.