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Highlights 2017: Irrer Gold-Lauf, irres Mienenspiel

24.12.2017 17:51
Karsten Warholm kann seinen WM-Erfolg kaum fassen
Karsten Warholm kann seinen WM-Erfolg kaum fassen

Den Jahreswechsel vor der Tür, haben wir die sportlichen Höhepunkte 2017 Revue passieren lassen und unsere sport.de-Sport-Highlights des Jahres gekürt. Auf Platz 9: Ein potenzieller Erbe Usain Bolts.

Nicht wenig erinnerte am Abend des 09. Augusts 2017 an Edvard Munchs Kunstwerk "Der Schrei", als Munchs Landsmann Karsten Warholm Augen und Mund weit aufgerissen, die Hände vors Gesicht gepresst, ungläubig zur Anzeigetafel des Londoner Olympiastadions starrte, ehe er auf die regennasse Laufbahn sank und seinen Emotionen - teils lachend, teils weinend - freien Lauf ließ. Der 21-Jährige hatte soeben Historisches vollbracht und WM-Gold im 400-Meter-Hürdenlauf geholt.

Nach guten Zeiten in den Vorläufen musste man den U23-Europameister von 2017 zwar durchaus auf der Rechnung haben, der Titel war jedoch eigentlich für den US-amerikanischen Olympiasieger Kerron Clement reserviert - zumindest nachdem Jahrhunderttalent Kyron McMasters von den Britischen Jungferninseln im Vorlauf disqualifiziert wurde.

Warholm war die ihm zugestandene Statistenrolle allerdings offenbar nicht genug. Der ehemalige Zehnkämpfer puschte sich mit zwei beherzten Schlägen auf die Wangen, kauerte sich in den Startblock und suchte sein Heil in der bedingungslosen Flucht nach vorne. Mit Erfolg.

An der dritten Hürde befand sich Warholm bereits neben dem vor ihm laufenden Katarer Aderrahman Samba und hatte Clement mit seinem fulminanten Start einige Meter abgenommen. Erst nachdem vier weitere Hindernisse überquert waren, ließ der Speed des Youngsters etwas nach, der Sieg war ihm aber nicht mehr zu nehmen, das Märchen war perfekt. 

"Verkauft unseren Sport!"

Apropos Märchen: Der Ausgang des Rennens dürfte auch Verbandspräsident Sebastian Coe, der die Generation nach der Ära Usain Bolt in die Pflicht nahm ("Wenn ihr ein Mikrofon seht, schnappt es und verkauft unseren Sport!"), gefallen haben. Denn Warholm fütterte die Zuschauer, Fotografen und TV-Kameras nicht nur mit seinem extremen Mienenspiel. 

Mit einem Wikingerhelm auf dem Haupt wälzte sich der neue Weltmeister kurz nach seinem Erfolg im Sand der Sprunggrube und bat einen Fotografen ungläubig, ihn zu kneifen. Auch auf den folgenden Presse-Konferenzen schmückte ihn die heroische Kopfbedeckung. "Ich habe ihn irgendwo bei den Zuschauern gefunden", schilderte Warholm die Jubelszene, "und ich finde, das passte doch zu diesem Anlass."

Neben dem U23-EM-, dem WM-Titel und einem Platz in den Geschichtsbüchern, heimste Warholm 2017 eine weitere Auszeichnung ein. Die IAAF wählte den Nordeuropäer zum besten Newcomer des Jahres.

Am Ende seines Leistungsvermögens ist der Norweger laut eigener Aussage aber noch nicht angekommen. "Ich arbeite daran, die Hürde auch mit meinem rechten Bein überqueren zu können. Ich weiß, dass dies mir helfen würde, die Strecke in Zukunft noch effizienter zu laufen", zitiert die IAAF Warholm. Bis zum Weltrekord des US-Amerikaners Kevin Young (46,78) ist es allerdings noch ein Stück.

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