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"La Decima" für den "Göttlichen"

12.11.2017 12:36
Zum zehnten Mal WeltmeisteR: Teddy Riner aus Frankreich
© getty, Pascal Le Segretain
Zum zehnten Mal WeltmeisteR: Teddy Riner aus Frankreich

Im Moment des Triumphes sah der gewaltige Teddy Riner für einen kurzen Moment aus, als wolle er sich ergeben. Der 2,04 Meter große Koloss streckte im Palais des Congres von Marrakesch seine riesenhaften Pranken in die Luft, Handflächen voraus, und sank auf die Knie. Doch dann lächelte er stolz und deutete mit seinen zehn Fingern lässig an, welch famose Leistung er gerade vollbracht hatte.

Bei der WM in der offenen Gewichtsklasse krönte sich der französische Judo-Superstar zum zehnten Mal zum Weltmeister. "La Decima!", jubelte die heimische Presse und adelte die Leistung des zweimaligen Schwergewichts-Olympiasiegers als "göttlich", "monströs", schlicht "monumental".

Jubelarien ist der wohl stärkste Judoka der Geschichte, der immense Kraft mit unglaublicher Beweglichkeit vereint, längst gewohnt. Seit sage und schreibe 144 Kämpfen ist der 142 kg schwere Hüne unbesiegt. Seine letzte Niederlage datiert vom "Open"-Finale von Tokio im September 2010, als er umstritten gegen den Japaner Daiki Kamikawa verlor.

"Enorme symbolische Bedeutung"

Über sieben Jahre später genoss Riner seinen süßen Triumph. "Der zehnte Titel hat enorme symbolische Bedeutung", sagte der 28-Jährige lächelnd, als nach dem souveränen Finalsieg gegen den neben dem "Teddy Bear" fast schon zierlich wirkenden Belgier Toma Nikiforov noch immer unaufhörlich Schweiß von seiner Stirn rann: "Das zehnte Gold bedeutet auch den Aufstieg in die Riege der allergrößten Sportler."

Acht seiner Titel hat der Rekordweltmeister im Schwergewicht geholt, bei den unregelmäßig ausgetragenen offenen Weltmeisterschaften siegte Riner zum zweiten Mal nach 2008. "Der Chef dieser Kategorie bin ich. Darauf bin ich stolz", sagte er und freute sich auf eine Feier mit seiner in Scharen angereisten Familie.

Judo-Millionär einer der populärsten Sportler des Landes

Längst ist der auf Guadeloupe geborene Riner durch den Sport Millionär geworden. In Frankreich ist er einer der populärsten Sportler. Noch vor den meisten Fußballern, noch vor Stabhochsprung-Weltrekordler Renaud Lavillenie. Weil Riner ohne Skandale, ohne Allüren und ein Mann des Volkes geblieben ist. Einer, der mit diesem Sieg auch seinen drei Jahre alten Sohn Eden beeindrucken wollte: "Ich hoffe, dass er sich später noch an diese Momente erinnern kann."

Doch sein Erfolgshunger ist unersättlich. "Der Olympia-Titel ist nun das Wichtigste", betonte Riner mit Blick auf die Spiele 2020 in Tokio: "Ich bin gierig. Wenn ich dreimal Olympiasieger werden könnte, wäre das cool."

Im Judo-Mutterland will Riner erneut Historisches schaffen. Ein Gold-Hattrick gelang bislang nur dem Japaner Tadahiro Nomura (1996, 2000 und 2004 im Superleichtgewicht). Nichts deutet derzeit darauf hin, dass ihm irgendein Kontrahent dieses Vorhaben streitig machen könnte.

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