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Damals: Ein "Bremsklotz" macht Vettel zum Weltmeister

14.11.2017 14:20
Sebastian Vettel kürte sich 2010 erstmals zum Weltmeister
Sebastian Vettel kürte sich 2010 erstmals zum Weltmeister

Am 14. November 2010 kürte sich Sebastian Vettel zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten. Dabei standen die Vorzeichen vor dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi denkbar schlecht. Am Ende durfte sich der junge Red-Bull-Pilot bei einem "Bremsklotz" aus Russland bedanken, dass es zum Titel reichte. 

Die Ausgangssituation vor dem letzten Rennen der Formel-1-Saison 2010 war aus Sicht von Sebastian Vettel denkbar einfach: Nach menschlichem Ermessen hatte der damals 23-Jährige schlicht keine Chance mehr auf den Titel. Mit 231 Punkten lag der Deutsche sieben Zähler hinter Teamkollege Mark Webber (238) und satte 15 Punkte hinter dem WM-Führenden Fernando Alonso (246). 

Vettels einzige, halbwegs realistische Chance auf die Weltmeisterschaft war ein Sieg. Gleichzeitig musste er hoffen, dass Alonso maximal Sechster wird. Sollte Vettel nicht gewinnen, würde auch Webber in den Rechnungen plötzlich wieder eine Rolle spielen.

Ferraris großer Fehler

Im Qualifying am Samstag erfüllte der Youngster seine Pflicht. Der Heppenheimer raste auf die Pole und ließ Alonso (3.) in dessen Ferrari sowie auch Webber (5.) hinter sich. 24 Stunden später folgte der wichtigste Start der Saison.

Während Pole-Setter Vettel gut wegkam, wurde Alonso von McLaren-Pilot Jenson Button kassiert und fiel auf Platz vier zurück. In der Garage von Ferrari blieb man trotzdem ruhig, da der Fokus in erster Linie dem WM-Zweiten Mark Webber galt. Nach ihm richtete die Scuderia auch ihre Taktik aus - ein schwerer Fehler.

Auftritt von "Bremsklotz" Petrov

Wenige Sekunden nach dem Start kam es zu einem Unfall. Michael Schumacher wurde von der Ideallinie gedrückt und drehte sich. Vitantonio Liuzzi krachte in den Rekord-Weltmeister und verfehlte dessen Helm nur um Zentimeter.


Vitantonio Liuzzi nahm Michael Schumacher auf die Hörner

Das Safety Car kam auf die Strecke und einige Hinterbänkler nutzten die Gelegenheit, um sich neue Reifen zu holen, mit denen sie das Rennen beenden wollten. Mit dabei war auch der Russe Vitaly Petrov, der seine erste Saison in der Formel 1 fuhr. 

Die Spitzenfahrer blieben indes allesamt draußen. In Runde elf zitierte Red Bull zunächst Mark Webber an die Box, vier Umläufe später kam auch Fernando Alonso zum Reifenwechsel. Ferrari hoffte, dass Alonso vor Webber zurück auf die Strecke kommen würde - einer der wenigen Pläne, der an diesem Tag für die Scuderia aufging.

"Nutze deine ganze Klasse, tu es!"

Alonso setzte sich nach der Boxen-Ausfahrt zwar vor den Australier, reihte sich allerdings hinter Vitaly Petrov ein. Die Ferrari-Ingenieure waren sich sicher, dass der Spanier den jungen Russen überholen würde, doch damit täuschten sie sich gewaltig. Petrov blockierte den WM-Führenden in der Folge nach allen Regeln der Kunst.


Vitaly Petrov trieb Fernando Alonso und Mark Webber zur Verzweiflung

Runde um Runde suchte Alonso nach einer Lücke. Doch was der Spanier auch versuchte, Petrov fand auf jede Attacke eine Antwort. An der Ferrari-Box wuchs die Sorge mit jedem Kilometer. "Ok, ich weiß und sehe, dass du dein Bestes gibst, aber du musst unbedingt an ihm vorbei. Nutze deine ganze Klasse, tu es!", wurde Alonso per Funk von seinem Ingenieur aufgefordert. Geholfen hat es nicht.

Für Sebastian Vettel lief es an der Spitze unterdessen wie am Schnürchen. Als der Heppenheimer nach seinem Stopp in Runde 24 zurück auf die Piste kam, sortierte er sich um Haaresbreite vor Kamui Kobayashi und Robert Kubica ein, der Weg zum Sieg war somit frei.

"Du bist WELTMEISTER"

Am Ende überquerte Vettel die Ziellinie souverän als Erster. Nach bangen Sekunden des Wartens kam der erlösende Funkspruch: "Ok, Sebastian, guter Job. Ich muss warten, bis alle über die Linie sind. Ich muss warten, aber es sieht gut aus....Hamilton P2, Button P3, Rosberg P4, Kubica P5, du bist WELTMEISTER!"

Während im Cockpit von Sebastian Vettel Freudentränen flossen, ließ Alonso seine Wut an Vitaly Petrov aus. Wild fuchtelnd und fluchend setzte sich der Spanier in der Auslaufrunde neben den Russen, der nach dem Rennen von den Red-Bull-Mechanikern mit frenetischem Applaus gefeiert wurde.


Vitaly Petrov ließ sich nach dem Rennen in Abu Dhabi vom Red-Bull-Team feiern

"Ich habe versucht, ihn zu überholen, aber er hat sich gegen zwei Leute, die um die Weltmeisterschaft kämpfen, sehr aggressiv verteidigt", ließ Alonso nach dem Rennen durchblicken, dass er von der Einmischung Petrovs in den WM-Kampf nicht viel gehalten hat.

Und was sagte der Russe, der dabei half, Sebastian Vettel zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten zu machen? "Ich habe nur meine Position verteidigt. Ich mache es keinem leicht, mich zu überholen. Ich bin ja nicht zum Spaß hier. Ich habe das ja nicht für ihn [Vettel; Anm.d.Red.] gemacht. Ich wollte Fernando auch nicht das Rennen zerstören. Ich habe nur meinen Job erledigt."

>>> Das Ergebnis aus Abu Dhabi 2010 in der Übersicht
>>> Der finale Endstand der WM 2010 in der Übersicht

Christian Schenzel

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Abu Dhabi GP 2010

1ÖsterreichRed Bull Racing1:39:36.837h
2GroßbritannienMcLaren+10.162s
3GroßbritannienMcLaren+11.047s
4DeutschlandMercedes+30.747s
5FrankreichRenault+39.026s
6FrankreichRenault+43.520s
7ItalienFerrari+43.797s
8ÖsterreichRed Bull Racing+44.243s
9ItalienToro Rosso+50.201s
10ItalienFerrari+50.868s
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