"Unvorstellbar": Tibet träumt von der WM

08.11.2017 11:14
Die Auswahl Tibets beim FIFI Wild Cup 2006
Die Auswahl Tibets beim FIFI Wild Cup 2006

Die Aussicht auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr lässt Passang Dorjee schon jetzt schwärmen . "Das ist unvorstellbar, ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben", sagt der Generalsekretär des tibetischen Sportverbandes TNSA mit Blick auf 2018.

Dabei geht es ihm gar nicht um die "echte" WM in Russland, sondern um die Titelkämpfe der Verbände, die nicht dem Weltverband FIFA angehören. Und dort will Tibet erstmals dabei sein.

"Das Turnier in London ist eine großartige Möglichkeit, der Welt die tibetanische Fußballkultur und die Kultur unseres Landes an sich zu zeigen. Unsere Kultur ist in der Tat sehr lebendig und dank des Dalai Lama so aktiv wie nie", sagt Dorjee weiter. Tibet will sich bei der WM (31. Mai bis 10. Juni) präsentieren, und die Tibeter wollen sich im Fußball mit anderen Ländern messen.

Damit dies überhaupt möglich ist, ist der Sportverband Tibets Mitglied der CONIFA. Diese Non-Profit-Organisation kümmert sich um den Spielbetrieb von "Nationen, de-facto-Nationen, Regionen, Minderheiten und vom Sport isolierten Territorien". Und da gehören die Tibeter mit ihrer über 32 Länder auf fünf Kontinenten verteilten Diaspora dazu.

Satte Pleite am Millerntor

Notiert in den Geschichtsbüchern ist aber bereits eine Teilnahme am damals noch inoffiziellen FIFI-Wildcup, der im Vorfeld der WM 2006 in Deutschland am Hamburger Millerntor ausgetragen wurde. Seinerzeit schieden die "Elf Tibeter" nach einer 0:5-Niederlage gegen Gibraltar aus. Der damalige Gegner ist mittlerweile FIFA-Mitglied.

Das oftmals als "Dach der Welt" bezeichnete Hochland mit dem Himalaya-Gebirge im Süden gehört seit der chinesischen Invasion 1959 zur Volksrepublik. Seitdem lebt der Dalai Lama im indischen Dharamsala wie gut 100.000 seiner Landsleute im Exil. Die Tibeter in der Heimat beklagen strikte Restriktionen und Unterdrückungen durch die chinesische Regierung.

Der tibetische Verband, dessen Motto "Frieden durch Sport" lautet, wurde 2000 ebenfalls in Dharamsala gegründet. Nach dem ersten Länderspiel ein Jahr später in Kopenhagen gegen Grönland ist die Einladung zur CONIFA-WM der Höhepunkt der Fußballgeschichte Tibets.

Tibetischer Fußball soll Aufschwung erfahren

"Wir hatten insgesamt sechs Bewerbungen für eine Wild Card für die WM. Da die Tibeter aufgrund der Entfernungen zu anderen CONIFA-Mitgliedern und der politischen Situation vor besonderen Herausforderungen stehen, wollten wir ihnen die Teilnahme unbedingt ermöglichen", sagte CONIFA-Generalsekretär Sascha Düerkop: "Wir erhoffen uns dadurch einen Aufschwung für den tibetischen Fußball."

Doch dafür muss der Verband noch einige Hürden meistern. Die CONIFA zahlt den Teilnehmern ihrer dritten Welttitelkämpfe zwar die Unterkunft für 27 Spieler und Betreuer, die TNSA muss allerdings noch mindestens 100.000 Dollar für Flugtickets, Visa, Versicherungen, Trainingslager und weitere Schlafmöglichkeiten zusammmenkratzen.

Denn neben dem Männerteam möchte die Tibeter noch ihre Frauenauswahl mit nach London nehmen, der Frauenfußball genießt im Verband einen besonderen Stellenwert. Daher hat die Nationalmannschaft auf der Website www.generosity.com ein Crowdfunding-Projekt gestartet. In den ersten beiden Monaten sind allerdings nur knapp 9000 Dollar zusammengekommen.

Duell mit der Isle of Man

Sollte das Vorhaben wie erhofft klappen, würden sich die Tibeter im kommenden Mai mit 15 anderen bekannten wie unbekannten Regionen messen. Darunter der Weltmeister, die zu Georgien gehörige Republik Abkhazien, Nordzypern, die der britischen Krone unterstellte Isle of Man, das Szeklerland im Osten Rumäniens oder die Auswahl der Tamilen.

Auch der pazifische Inselstaat Kiribati ist dabei. Kiribati ist zwar Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und nimmt an Olympischen Spielen teil, ist aber kein Teil der FIFA-"Familie". Auch das will die CONIFA ändern.

Derzeit rührt die von der FIFA unabhängige Organisation aber vor allem die Werbetrommel für Tibet, damit sich deren Traum von der WM erfüllt.