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Sportler des Monats: Turn-Königin Pauline Schäfer

07.11.2017 12:49
Pauline Schäfer ist die neue Weltmeisterin am Schwebebalken
Pauline Schäfer ist die neue Weltmeisterin am Schwebebalken

Pauline Schäfer hat für den größten deutschen Erfolg im Damenturnen der letzten 30 Jahre gesorgt. Die Goldmedaille am Spezialgerät Schwebebalken bei den Weltmeisterschaften von Montreal bedeutete den bislang wichtigsten Karrieretitel in der Laufbahn der 20-Jährigen.

Ganz klar: Für sport.de ist Pauline Schäfer aus Chemnitz die Sportlerin des Monats Oktober.

Der letzte Moment unmittelbar vor dem großen Finale an diesem 8. Oktober war für Pauline Schäfer selbst der schlimmste der ganzen WM in Kanada. Diese große Erwartungshaltung an sich selbst, diese Blicke der 10.000 Augenpaare auf den Tribünen, diese Stille vor der alles entscheidenden Übung am Schwebebalken.

Die 20-Jährige ist die erste von acht Schwebebalken-Finalistinnen - sie beginnt im Endkampf um die begehrten WM-Medaillen. "Ein Finale vor 10.000 Zuschauern zu eröffnen, ist eine Nervensache. Als ich ans Gerät ging, war es richtig schlimm. Im Turnen hat man nur die ein Chance, die eineinhalb Minuten. Du musst abliefern", erzählte Schäfer im "MDR" selbst von ihrem größten Tag. Weiter berichtete sie: "Da kommt alles zusammen. Du willst dich nicht blamieren und dein Bestes geben. Du weißt nicht, welches Ende das jetzt nimmt."

Sensationelles DTB-Ergebnis mit Gold und Bronze

Die 90 Sekunden vollster Konzentration und Fokussierung auf die perfekt einstudierte Übung sollten der Schwebebalken-Spezialistin des TuS Chemnitz-Altendorf besser gelingen als niemandem nach ihr. Alle sieben nachfolgenden Athletinnen bissen sich an den 13,533 Punkten der Wertungsrichter die Zähne aus.

Die Mehrkampf-Weltmeisterin Morgan Hurd sowie DTB-Teamkollegin Tabea Alt mit einem ebenfalls sensationellen Ergebnis folgten auf den weiteren Medaillenplätzen.

Pauline Schäfer (M.) holt sich sensationell WM-Gold, Tabea Alt (r.) wird Dritte
Pauline Schäfer (M.) holt sich sensationell WM-Gold, Tabea Alt (r.) wird Dritte

Und das, obwohl die Vorbereitung auf den Höhepunkt des Jahres alles andere als optimal verlief. Anhaltende Rückenprobleme hatten Schäfer geplagt, das Training konnte nur in reduziertem Umfang stattfinden. Erst eine Woche vor der Abreise nach Kanada wurden die genauen Elemente für die Übung bei der WM mit Heimtrainerin Gabi Frehse festgelegt. 

Schäfer selbst wusste, dass ihre Performance im großen WM-Showdown nicht komplett fehlerfrei war: "Meine Übung war nicht perfekt", gestand sie nach dem Finale. Bei ihrem Spezial-Element, dem eigens kreierten "Schäfer-Salto", leistete sich die WM-Dritte von Glasgow 2015 aber keinen Wackler. 

Bundestrainerin Koch: "Dieser Erfolg sprengt jede Ordnung!"

Nachdem mit Tabea Alt auch die letzte Finalistin ihre Übung geturnt hatte und der doppelte WM-Erfolg mit Gold und Bronze für das deutsche Team feststand, kannte die Begeisterung beim DTB und den Athletinnen selbst keine Grenzen mehr. 

Bundestrainerin Ulla Koch brachte im "ZDF" den historischen Triumph von Schäfer und Alt auf den Punkt: "Man kann diesen Erfolg kaum einordnen. Er ist so gigantisch, dass er jede Ordnung sprengt." 

Pauline Schäfer vor 10.000 Zuschauern beim WM-Finale im Montreal
Pauline Schäfer vor 10.000 Zuschauern beim WM-Finale im Montreal

Pauline Schäfer selbst stand nach dem größten Sieg ihrer Karriere wie paralysiert im Innenraum des Olympiastadions von Montreal. Zu surreal kam ihr der Moment noch vor, wie sie später selbst berichtete: "Ich konnte es überhaupt gar nicht glauben, das war das höchste aller Gefühle für mich!" 

Die 30 Stunden harte Trainingsarbeit pro Woche zahlten sich in weltmeisterlichem Edelmetall aus. Eine Medaille, die zugleich große Motivation für die nächsten Olympischen Spiele in drei Jahren bedeutet: "Natürlich nehme ich mir vor, erst einmal zu Olympia zu kommen. Mit einer Medaille wäre ich aber auch dann nicht unzufrieden", sagte Schäfer in einem der vielen TV-Interviews nach der Rückreise nach Deutschland.

Pauline Schäfer hat es spätestens mit der Gold-Übung am Schwebebalken von Kanada zu einem der wichtigsten Aushängeschilder und prominentesten Gesichter des deutschen Geräteturnens geschafft. Sie will ihrer Sportart auch in den kommenden Jahren zu neuem Glanz verhelfen. Spätestens, wenn sie als Mitfavoritin auf die Medaillen in die olympische Saison 2020 starten wird.

Mats-Yannick Roth


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