Gericht bestätigt: Fredericks wird angeklagt

03.11.2017 14:56
Frankie Fredericks wird in Paris angeklagt
Frankie Fredericks wird in Paris angeklagt

Der ehemalige Sprintstar Frankie Fredericks muss sich im Zuge des Skandals um die Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro wegen Korruption verantworten.

Es wird eng für Frankie Fredericks. Wegen "passiver Korruption und Geldwäsche" wird der ehemalige Leichtathletik-Star im Zuge des Skandals um die Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro von einem Pariser Gericht angeklagt. Das bestätigte ein Sprecher am Freitag der Nachrichtenagentur "AFP", zuvor war der Namibier zu den Vorwürfen befragt worden. Fredericks, seit 2012 Mitglied des internationalen Olympischen Komitees, beteuert seine Unschuld.

Zuletzt war bereits Carlos Arthur Nuzman, der ehemalige Präsident des brasilianischen Olympia-Komitees COB, im Zuge des Korruptionsskandals um einen möglichen Stimmenkauf für Rio offiziell angeklagt worden. Ihm wird neben Geldwäsche und Verstößen gegen Devisenbestimmungen auch Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Nuzman soll Stimmen für die Olympia-Vergabe an die brasilianische Metropole gekauft haben.

Kontroverse Millionenzahlung an Diack

Im Fall von Fredericks geht es eigentlich um die Ermittlungen gegen Lamine Diack, den ehemaligen Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, und seinen Sohn Papa Massata Diack. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Zahlung von mindestens zwei Millionen Dollar an Papa Massata Diack. Dieser soll vor der Olympiavergabe im Oktober 2009 mit dem Geld weitere Stimmberechtigte aus Afrika auf die Seite Rios gezogen haben.

Fredericks wird vorgeworfen, in eine mögliche Bestechung verwickelt gewesen zu sein. Unmittelbar vor der Vergabe an Rio erhielt der 200-m-Weltmeister von Stuttgart 1993 eine Zahlung in Höhe von rund 300.000 Dollar (ca. 283.000 Euro) von Diacks Sohn Papa Massata, das Geld floss auf seine Offshore-Firma Yemi Limited auf den Seychellen. Am Donnerstag war Fredericks von Richter Renaud Van Ruymbeke zu den Zusammenhängen befragt worden.

"Wir wurden gerade von der Entscheidung des Gerichts informiert", teilte ein Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees auf Anfrage mit. Die Ethikkommission, die am Montag wieder tagt, werde sich mit dem Fall beschäftigen. Wie bei jedem Verfahren müsse zunächst aber das Aussagerecht respektiert werden, hieß es.

Diack senior steht in Paris unter Hausarrest, Ermittlungen wegen Korruption und Geldwäsche laufen. Sein Sohn wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, er verlässt seine Heimat Senegal derzeit nicht.

Fredericks weißt alle Vorwürfe weiterhin zurück

Trotz seiner Unschuldsbekundungen war Fredericks nach dem Aufkommen der Vorwürfe bereits im März von seinem Posten als Vorsitzender der Evaluierungskommission für die Olympischen Spiele 2024 zurückgetreten. Zudem zog sich der 50-Jährige aus der IAAF-Kommission zur Aufklärung des russischen Dopingskandals zurück, die Ethikkommission des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF suspendierte ihn zudem bis auf Weiteres. Seine Aufgaben als Councilmitglied muss er daher ruhen lassen.

Fredericks hatte zuletzt stets alle Vorwürfe zurückgewiesen. "Ich bestreite kategorisch jegliche direkte oder indirekte Beteiligung an unrechtmäßigen Vorgängen", sagte er im März in einer Stellungnahme: "Ich habe nie Gesetze, Vorschriften, oder Ethikregeln in Bezug zu irgendeinem Bewerbungsverfahren des IOC gebrochen."