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Erst S04, dann BVB: Als Trier Europas Elite abschoss

28.10.2017 12:45
Rudi Thömmes stellt mit einem herrlichen Außenristschlenzer auf 1:0 gegen Borussia Dortmund
© getty, Tobias Heyer
Rudi Thömmes stellt mit einem herrlichen Außenristschlenzer auf 1:0 gegen Borussia Dortmund

Im Herbst 1997 schrieb der damalige Regionalligist Eintracht Trier eine einmalige Geschichte, welche auch 20 Jahre später noch als eines der größten Pokalmärchen überhaupt gilt.

Am 28. Oktober 1997 feierte der Traditionsverein von der Mosel durch einen 2:1-Erfolg im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund einen sensationellen Sieg und den Einzug in die Runde der letzten Acht.

Der Triumph im Drittrundenspiel wog besonders schwer, bezwang die Eintracht-Elf mit dem BVB doch den amtierenden Champions-League-Sieger - das somit beste Team Europas! 

Doch die Story wird noch abgefahrener. Genau fünf Wochen zuvor hatte Trier bereits den FC Schalke mit 1:0 aus dem laufenden DFB-Pokalwettbewerb geworfen. Die Gelsenkirchener feierten kurz zuvor bekanntlich mit dem Gewinn des UEFA-Cups den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte.

Anreise nach Trier mit zahlreichen Stars

Zwei Pokalsiege eines Amateurvereins gegen die Titelträger der beiden wichtigsten europäischen Klubwettbewerbe. Und das innerhalb von 35 Tagen - eine schlichtweg herausragende Leistung der Trierer, die sich wohl nie mehr wiederholen wird. 

Beide Ruhrpott-Klubs traten in den Pokalduellen mit ihren Europapokal-Helden an und galten somit als haushohe Favoriten in den Vergleichen. So standen für den S04 vor 16.500 Zuschauern im Moselstadion unter anderem die Eurofighter Jens Lehmann, Thomas Linke, Andreas Müller, Mike Büskens oder Marc Wilmots in der Startelf.

Beim BVB liefen mit Stefan Klos, Jürgen Kohler, Andreas Möller, Jörg Heinrich oder Paulo Sousa ebenfalls fast alle Topstars des grandiosen Champions-League-Gewinns vom Mai '97 auf. 

Thömmes: "Lehmann trat aus Frust die Tür kaputt"

Doch die Helden-Geschichten schrieben in diesen zwei Spielen andere. Bei Trier spielten sich in erster Linie Keeper Daniel Ischdonat und Spielmacher Rudi Thömmes zu Pokalhelden auf. Ersterer zeichnete sich in beiden Partien mit mehreren Paraden auf der Torlinie aus und ebnete den Weg für die Trierer Siege. Letzterer traf in beiden Spielen zum umjubelten 1:0 für seine Farben und stieg zur Kultfigur bei der Eintracht auf. 

Über das Schalke-Spiel plauderte Thömmes vor einigen Jahren in einem TV-Interview aus dem Nähkästchen: "In der Kabine hat Jens Lehmann aus Frust die Tür kaputtgetreten. Die Stadt hat die Tür dann ersetzt. Ich hätte sie auch mitgenommen, denn man schießt ja nicht jeden Tag ein Tor gegen Jens Lehmann."

Dortmund zeitweise mit 2:0 in Rückstand

Auch die Partie vor 20 Jahren gegen den späteren Weltpokalsieger Borussia Dortmund wird die Trier-Legende Thömmes nicht mehr vergessen: "Die sind als Champions-League-Sieger zu uns gekommen. Obwohl wir wenige Wochen vorher Schalke aus dem Wettbewerb befördert hatten, hat Dortmund die Aufgabe ebenfalls nicht richtig ernst genommen", blickte Thömmes, der 19 Jahre später als Coach zum heutigen Oberligisten zurückkehrte, auf die Sensation gegen die Schwarz-Gelben zurück.

"Ich kann das bis heute nicht verstehen. Das haben wir bestraft. Wir konnten auch ein wenig kicken, schließlich waren wir ein ambitionierter Drittligist", erinnerte sich Thömmes. Nach seinem Führungstreffer erhöhte Stürmer Marek Czakon per Elfmeter sogar noch auf 2:0, ehe BVB-Abwehrturm Jürgen Kohler nur noch zum 2:1 verkürzen konnte. 

Rudi Thömmes feiert seinen Treffer gegen den BVB
Rudi Thömmes feiert seinen Treffer gegen den BVB

Für den BVB bedeutete das peinliche Aus in der dritten Runde gegen den Amateurklub den vorläufigen Tiefpunkt einer Liaison voller Missverständnisse. Nach dem Königsklassen-Triumph gegen Juventus Turin übernahm der Italiener Nevio Scala die Trainergeschicke von Erfolgscoach Ottmar Hitzfeld. Sein Engagement bei den Dortmundern endete nach nur einer Saison mit schmachvoller Pokalpleite und Tabellenplatz zehn in der Bundesliga. 

Für Eintracht Trier war nach den Sensationssiegen gegen den FC Schalke und Borussia Dortmund übrigens erst im Halbfinale gegen den MSV Duisburg (9:10 i.E.) Endstation.

Mats-Yannick Roth