Heute Live

Damals: Der größte Betrüger der Sportgeschichte

22.10.2021 08:38
Lance Armstrong gilt als einer der größten Betrüger der Sportgeschichte
© imago sportfotodienst
Lance Armstrong gilt als einer der größten Betrüger der Sportgeschichte

Am 22. Oktober 2012 verliert Lance Armstrong wegen Dopings offiziell alle seine Titel seit August 1998. Der US-Amerikaner wird damit endgültig zu einem der größten Betrüger der Sportgeschichte.

Als Pat McQuaid an diesem Herbsttag in Genf vor die Presse tritt, trägt er dem Anlass entsprechend eine Grabesmiene zur Schau. Der Chef des Radsport-Weltverbands UCI muss den versammelten Medienvertretern einen heiklen Bericht vorstellen.

Die US-Antidopingagentur USADA hat ihn verfasst und der UCI knapp zwei Wochen zuvor zur Prüfung übergeben. Der Inhalt: die Doping-Praktiken des Lance Edward Armstrong.

"Was ich im USADA-Bericht gelesen habe, macht mich krank", sagt McQuaid. "Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport. Er sollte vergessen werden. So etwas darf nie wieder passieren."

Die UCI erkennt Armstrong in der Folge alle seine Titel seit dem 1. August 1998 ab. Zudem wird der damals 41 Jahre alte Athlet lebenslang für die Teilnahme an allen offiziellen Sportveranstaltungen gesperrt.

Armstrong-Teams "mit Doping verseucht"

Jahrelang hatte Armstrong in bisher nie dagewesenem Stil betrogen. Allein sieben Mal gewann der Mann aus Texas mit leistungssteigernden Mitteln das wichtigste Radrennen der Welt, die Tour de France.

Durch seine erschummelten Erfolge wurde Armstrong zum Aushängeschild des Radsports sowie einem der anerkanntesten – und nicht zuletzt wohlhabendsten - Sportler der Welt.

Lance Armstrong gewann siebenmal die Tour de France
Lance Armstrong gewann siebenmal die Tour de France

Das ganze Ausmaß des Doping-Systems Armstrong ist in der Tat erschreckend. Epo-, Kortison-, Testosteron- und Blutdoping betrieb der bis heute jüngste Profi-Straßenweltmeister aller Zeiten. Zudem forderte Armstrong auch von Teamkollegen, ihre Leistung mit illegalen Mitteln zu steigern.

Seine Mannschaften US Postal (1998 bis 2004), Discovery Channel (2005), Astana (2009) und RadioShack (2010 bis 2011) seien allesamt "mit Doping verseucht" gewesen, konstatierte die USADA. Armstrong habe das "höchstentwickelte, professionellste und erfolgreichste Doping-Programm, das die Sportwelt jemals gesehen hat" aufgebaut.

UCI schützt Armstrong jahrelang

13 Jahre lang konnte Armstrong seine betrügerischen Machenschaften ohne größere Beeinträchtigung betreiben. Und das, obwohl es immer wieder Doping-Gerüchte um den langjährigen Tour-Dominator und sogar positive Tests gab.

Einerseits hielt UCI die Hand über ihr Zugpferd. 2015 wurden dem Verband Verstöße gegen das Anti-Doping-Reglement und gegen Good-Governance-Prinzipien nachgewiesen. Auch der ohnehin umstrittene McQuaid und sein Amtsvorgänger Hein Verbruggen gerieten ins Zwielicht.

Andererseits verstand es Armstrong, höchst "überzeugend" auf mögliche Zeugen seines Doping-Systems einzuwirken. Einschüchterungen und Drohungen waren an der Tagesordnung. Einstige Weggefährten wie Floyd Landis und Tyler Hamilton, die selbst dopten und in Armstrongs Fahrwasser Erfolge feierten, brachen erst spät ihr Schweigen.

Einst Weggefährten, dann Rivalen: Armstrong (l.) und Floyd Landis
Einst Weggefährten, dann Rivalen: Armstrong (l.) und Floyd Landis

Neben seinen Titeln verlor Armstrong in Folge der USADA-Enthüllungen auch zahlreiche Sponsorenverträge. Unternehmen wie Nike und der Brauerei-Riese Anheuser-Busch wandten sich von dem überführten Doping-Sünder ab.

Den Vorsitz bei seiner Krebsstiftung "Livestrong" musste Armstrong aufgeben. In mehreren Schadensersatzprozessen verlor er mehr als zehn Millionen Dollar.

Heute lebt Armstrong zurückgezogen in der Millionärs-Hochburg Aspen. Dort spielt der größte Betrüger der Sportgeschichte Golf, interviewt Stars aus Sport und Musik für einen eigenen Podcast und genießt sein Familienleben.

Tobias Knoop