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Jahrhundertpartie: Die Legende von Bobby Fischer

17.10.2017 08:21
Bobby Fischer gilt bis heute als eine der größten Schach-Legenden
© getty, Keystone
Bobby Fischer gilt bis heute als eine der größten Schach-Legenden

Am 17. Oktober 1956 spielte Wunderkind und Schach-Legende Bobby Fischer die "Partie des Jahrhunderts". Mit gerade einmal 13 Jahren machte er die ganze Schach-Welt auf sich aufmerksam - der vorläufige Höhepunkt einer schillernden Karriere mit traurigem Ende.

"Nach seinem Zug ging ein Raunen durch den Saal, die Zuschauer strömten zu Fischers Brett wie Fische zu einem Loch im Eis", beschrieb der renommierte Schach-Experte Hans Kmoch den vorentscheidenden Zug in der "Partie des Jahrhunderts". Gerade hatte der erst 13 Jahre alte Newcomer Bobby Fischer seinen Springer bewegt.

Diesen hätte Fischers Gegenüber Donald Byrne einfach schlagen können - dachten zumindest einige der Anwesenden beim renommierten Rosenwald-Memorial-Turnier in New York.

Doch Byrne zählte zu den besten Schachspielern der USA und erkannte Fischers Plan. Hätte er den Springer geschlagen, dann hätte er kurz danach verloren. Byrne wich Fischers Falle gekonnt aus.

Aber der 13-Jährige spielte wie ein Wahnsinniger. Fischer schien in einer völlig anderen Welt zu sein. Mal saß er im Schneidersitz auf seinem Stuhl, dann stützte er den Kopf auf seine Arme. Der Jugendliche fuhr sich andauernd durch die Haare und grübelte über der Partie.

Die Liebe zum Spiel

"Du kannst im Schach nur gut werden, wenn du das Spiel liebst", sagte er später einmal. Und der kleine Bobby liebte das Spiel wie nichts anderes auf der Welt.

Während andere Großmeister vertrackte Theorie-Systeme auswendig lernten, gab Fischer sich seiner Intuition und Kreativität hin - und scheute das Risiko nicht.

Im 18. Zug vollführte er ein fantastisches Manöver und opferte seine Dame, um einen riesigen Vorteil zu erlangen. Professor Byrne hatte keine Wahl mehr, die Niederlage stand fest. Der geschlagene Meister musste die Dame nehmen, sonst hätte er sofort verloren. So zog sich die Partie noch über einige Züge.

Byrnes Größe

Die besten Spieler der Welt erkennen eine Niederlage weit vor dem eigentlichen Ende der Partie. Normalerweise geben sie dann lieber auf, anstatt sich matt setzen zu lassen. Nicht so Byrne.

Der damals 26-Jährige mit der markanten Brille spielte das Duell mit Fischer bis zum bitteren Ende. Seine Entscheidung erklärte er mit seinem guten Willen.

"Einmal muss man bedenken, dass 1956 keiner ahnte, dass Bobby Fischer einmal Bobby Fischer werden würde. Er war lediglich ein erfolgversprechender Junge, der ein hervorragendes Spiel gegen mich gespielt hatte", sagte Byrne. "Als ich mich in aussichtsloser Position befand, fragte ich einige der Turniermitspieler, ob es nett wäre, den Jungen mich matt setzen zu lassen, sozusagen als Anerkennung für sein feines Spiel. Sie antworteten: 'Ja, warum nicht?', und so spielte ich zu Ende."

"Kein Schach-Wunderkind hat je Größeres geleistet"

Nach herrlichen Kombinationen, gigantischen Opfern und dank erfrischender Kreativität setzte der 13-jährige Bobby einen der besten Spieler der USA matt. 

Am 17. Oktober 1956 leuchtete Bobby Fischers Stern heller als je zuvor, es war der größte Sieg seiner noch jungen Karriere.

"Ein erstaunliches Meisterstück des Kombinationsspiels, abgeliefert von einem 13-jährigen Jungen gegen einen formidablen Gegner", sagte Kmoch. Der Experte gab dem Spiel den Namen "Partie des Jahrhunderts": "Kein Schach-Wunderkind hat je Größeres geleistet. Bobby Fischer glänzte durch umwerfende Originalität."

Diese Originalität blieb Zeit seines Lebens Fischers bemerkenswerteste Eigenschaft als Spieler. Dank dieser krönte er sich 1972 in Reykjavík gegen Boris Spassky zum Weltmeister.

Fischer zwar herausragend, aber auch umstritten

Bis heute wird Fischer von vielen als bester Spieler aller Zeiten verehrt. Nach seinem WM-Sieg zog Fischer sich allerdings mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück.

Häufig wurden die Medien nur wegen Fischers krankhaften Verfolgungswahns und seines Anti-Amerikanismus auf ihn aufmerksam. 2008 starb er vereinsamt in Reykjavík.

Seine Jahrhundertpartie lebt jedoch weiter. Auf der ganzen Welt gibt es wohl kaum einen Schach-Schüler, der sie noch nicht nachgespielt, analysiert, aber vor allem bewundert hat.

Florian Pütz

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