Exklusiv: Denise Herrmann vor heißem Biathlon-Winter

13.10.2017 07:23
Denise Herrmann hat sich erst vor eineinhalb Jahren auf den Biathlon spezialisiert
Denise Herrmann hat sich erst vor eineinhalb Jahren auf den Biathlon spezialisiert

Denise Herrmann peilt einen richtig großen Biathlon-Winter an. Eineinhalb Jahre nach ihrem Wechsel von den Langlauf-Spezialistinnen zu den Skijägerinnen ist sie bereit für weitere Weltcup-Starts und den Kampf um die begehrten Olympia-Tickets.

Mit sport.de sprach die 28-Jährige exklusiv über ihre drei deutschen Meistertitel im September, die Vorbereitung auf den Weltcup-Winter und die große Konkurrenz im eigenen Team.

Frau Herrmann, zuletzt waren Sie etwas angeschlagen. Wie geht es Ihnen gesundheitlich, sind Sie wieder fit?

Denise Herrmann: Ich war nach den Deutschen Meisterschaften eine Woche im Urlaub. Auf dem Rückflug in die Heimat habe ich dann wohl etwas aufgeschnappt und hatte danach etwas Schnupfen. Mittlerweile bin ich aber wieder fit und kann beim Lehrgang am Dachstein wieder zu 100 Prozent mitmachen.

In Ramsau und dem Dachsteingletscher steht aktuell der erste große Lehrgang mit dem DSV-Team unter Schnee-Bedingungen auf dem Programm. Was sind die wichtigsten Trainingsinhalte?

Vom 8. bis zum 15. Oktober sind wir hier und sammeln die ersten Schneekilometer. Am Berg tun wir einiges für die Kraftausdauer, das geschieht allerdings noch auf dem Skiroller.

Wie waren vor Ort in Ramsau und direkt am Berg die äußeren Trainingsbedingungen?

Die ersten Tage waren nicht so besonders, aber zuletzt hatten wir blauen Himmel und Sonnenschein. Am Dachsteingletscher hatten wir super Schneebedingungen. Da macht es schon Spaß, bei so einem Wetter dort oben auf knapp 3000 Meter zu laufen.

Wie schwer fällt Ihnen die Umstellung im Herbst von den Ski-Rollern wieder auf die normalen Langlauf-Skier?

Eigentlich freue ich mich jedes Mal darauf. Wir waren in diesem Sommer nicht in der Skihalle in Oberhof, sodass die Zeit ohne Schneekontakt schon recht lang war. Sicher ist das auch immer eine gewisse Umstellung, aber der Ski-Roller ist jetzt auch nicht grundverschieden.

Bis zum Start des Biathlon-Weltcup Ende November in Östersund sind es noch ein paar Wochen. Wie sieht Ihr Zeitplan bis dahin in den kommenden Wochen noch aus?

Für den ersten Weltcup in Östersund muss ich mich ohnehin erst einmal qualifizieren. Daher ist mein erster Start bereits eine Woche vorher beim IBU-Cup in Sjusøen, wo wir im November eh zur Vorbereitung hinfahren. Bis dahin steht noch Grundlagentraining an. Wir gehen also noch einmal einen Schritt zurück und werden viele Stunden machen. Ende Oktober kommt dann der Kehrpunkt, ab hier werden wir uns wieder in höheren Geschwindigkeiten bewegen.

Ihre Frühform gerade bei den Deutschen Meisterschaften im September war wirklich beeindruckend mit den drei Meistertiteln im Sprint, in der Verfolgung und im Massenstart. Wie haben Sie die Titelkämpfe in Bayerisch Eisenstein und Ruhpolding erlebt?

Gerade das erste Wochenende konnte ich ganz gut aus einem Trainingsblock heraus machen. Dass es so positiv lief, hat mich schon ein wenig überrascht. Beim Laufen habe ich die guten Grundlagen gezeigt, die ich immer abrufen kann. Wenn das Schießergebnis dann auch noch passt, kommt ein solches Ergebnis dabei heraus. 

Gerade in der Verfolgung hatten Sie bei der DM einen sehr großen Vorsprung, alleine 43 Sekunden auf die Zweitplatzierte Laura Dahlmeier. Welche Aussagekraft hat dieses Ergebnis und die gesamte DM für Sie gehabt?

Für mich war es einfach wichtig, dass ich die Fortschritte aus den vorangegangenen Trainingseinheiten beim Schießen auch im Wettkampf umsetzen kann. Bei mir sind es halt erst eineinhalb Jahre, in denen ich daran arbeite. Für eine Spitzenläuferin wie Laura [Dahlmeier, Anm. d. Red.] war das eher ein Trainingswettkampf. Sie weiß ja genau, dass sie es im Winter wieder richtig krachen lassen wird. Für mich sind solche Rennen unter Wettkampfbedingungen gerade im Hinblick auf das Schießen wichtig. Ich will jeden Wettkampf als Erfahrung für mich mitnehmen.

Stand jetzt: Wo sehen Sie für sich noch am meisten Nachholbedarf in den kommenden Trainingswochen?

Gerade im Schießen will ich immer weiter dranbleiben und besser werden! Wir trainieren unter verschiedenen Belastungen am Schießstand und stellen verschiedene Bedingungen nach, um bestmöglich auf Rennverläufe und Drucksituationen vorbereitet zu sein. Auch an den Schießzeiten muss ich noch arbeiten, wenn ich mal vorne mitspielen will. Da gibt die Weltspitze doch ganz schön den Takt vor. Stehend geht das, aber liegend bin ich noch relativ langsam. Da ist auf jeden Fall noch etwas rauszuholen. Die Laufform soll natürlich auch noch weiter gesteigert werden, hier werden wir noch an verschiedenen Technikdetails arbeiten.


Denise Herrmann (l.) zeigte sich bei der DM in toller Frühform

Sie sind aber zuversichtlich, diese Fortschritte bis zum Saisonstart noch erzielen zu können?

Klar, das ist schon mein Plan. Erstmal muss ich eh gesund durchkommen, das ist die Grundlage für alles. Beim Laufen mache mir keine großen Gedanken, dass es nicht funktionieren könnte. Ich habe da mittlerweile so eine große Grundlage und so viel Training aus den letzten Jahren. Ich bin ja jetzt auch keine 20 mehr.

Welches Ergebnis müssen Sie beim IBU-Cup in Norwegen bringen, um danach beim Weltcup-Start qualifiziert zu sein?

Wir sind in Sjusøen mit sechs deutschen Läuferinnen am Start, von denen nur die Beste die Woche danach in Östersund dabei sein wird.

Welche sportlichen Ziele haben Sie sich den insgesamt gesteckt für die Saison 2017/2018? Vor allem auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele im Februar in Pyeongchang.

Nach dem Wechsel zum Biathlon war es immer mein Ziel, dass ich regelmäßig am Start stehen kann. Es bleibt das Hauptziel, sich regelmäßig im Weltcup anzubieten und anhand der offiziellen Normen die Qualifikation für die Olympischen Spiele zu schaffen. Dass es in unserer starken Mannschaft wahrscheinlich nicht ausreichen wird, zweimal in die Top15 zu laufen, ist auch klar. Da muss ich schon Top-Platzierungen anbieten, um einen Startplatz zu bekommen, da es bei Olympia nur vier Plätze pro Nation geben wird. Das wird keine leichte Aufgabe, aber das ist mein großes Ziel.

Bislang sind Sie siebenmal bei Weltcup-Starts in die Punkte gelaufen. Trauen Sie sich die geforderten Top15-Resultate mittlerweile zu?

Ich habe das im letzten Jahr ein paar Mal ganz knapp verfehlt, von daher bleibt das ein großes Ziel. Allein schon, weil es Voraussetzung ist, um überhaupt für Olympia infrage zu kommen.

Was haben Sie für einen Eindruck beim Blick auf die interne Konkurrenz? Gerade, wenn mehr als drei Läuferinnen außer Ihnen die Olympia-Norm packen sollten.

Die interne Konkurrenz ist wirklich sehr groß. Da wird es nicht reichen, nur ein, zwei Mal richtig gut zu sein. Die deutschen Mädels haben in den letzten Jahren die Nationenwertung stets gewonnen. Ich vergleiche das immer gerne mit den Norwegern im Langlauf.

Was können Sie berichten aus dem deutschen Lager: Wie sind Ihre DSV-Kolleginnen derzeit drauf?

Alle sind fleißig im Training und jede gibt wieder ihr Bestes. Im Biathlon ist aber nicht nur die Laufform entscheidend, da kann man auch durch ein gutes Schießergebnis noch viel herumreißen. Wir haben natürlich sehr gute Schützinnen dabei. Es wird spannend werden!

Mit welchen Athletinnen haben Sie selbst am meisten zu tun?

Mit Franziska Preuß, Maren Hammerschmidt und Vanessa Hinz bin ich zusammen in der Trainingsgruppe in Ruhpolding, sodass ich die Weltspitze fast tagtäglich um mich herum habe. Franziska Hildebrandt ist auch oft dabei. Das ist eine ganz gute Trainingsgruppe am Stützpunkt, so können wir uns ganz gut pushen. Privat mache ich viel mit der Maren zusammen.

Das Gespräch führte Mats-Yannick Roth

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