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Damals: Hamann schwingt in Wembley die Abrissbirne

07.10.2018 13:51
Dietmar Hamann erzielte den letzten Treffer im alten Wembley
© getty, Shaun Botterill
Dietmar Hamann erzielte den letzten Treffer im alten Wembley

Am 7. Oktober 2000 verdarb die deutsche Nationalmannschaft den Engländern ihren großen Abschied vom geliebten alten Wembley-Stadion. Ausgerechnet Premier-League-Legionär Dietmar Hamann erzielte das goldene Tor für das DFB-Team. Beim Wembley-Neubau wäre sein Name dennoch fast verewigt worden.

Freistoß für die deutsche Mannschaft in der 14. Spielminute, 32 Meter vor dem Tor der Engländer. Mehmet Scholl legt sich den Ball zurecht. Von hinten kommt Dietmar Hamann dazu.

"Hau ab, das ist nicht deine Entfernung", herrscht die Kämpfernatur den Edeltechniker an. Scholl überlässt dem Teamkollegen die Ausführung.

Hamann nimmt drei Schritte Anlauf und feuert die Kugel hart und flach in Richtung Kasten. Der Ball wird auf dem nassen Londoner Rasen sehr schnell, zu schnell für Englands Torwart David Seaman. Rechts unten schlägt der Hamann-Hammer ein.

Hamanns Treffer reicht der Mannschaft von Teamchef Rudi Völler. Deutschland gewinnt die prestigeträchtige EM-Qualifikations-Partie beim Erzrivalen mit 1:0.

Das Tor des Mittelfeldspielers in Diensten des FC Liverpool bleibt das letzte im ruhmreichen Wembley-Stadion. Wenige Tage später rollen die Bagger an. "Hamann schwang die Abrissbirne für Wembley", schreibt die Tageszeitung "Independent".

Hamann: "Die Engländer stört es. Es tut ihnen weh"

"Die Engländer stört es, dass ausgerechnet wir Deutschen im alten Wembley den letzten Sieg errungen haben. Es tut ihnen weh", schilderte Hamann Jahre später gegenüber "Welt Online" die Tragweite seines legendären Treffers.

Hamanns guten Ruf auf der Insel konnte der denkwürdige Abend in London nicht zerstören. Der in England ehrfurchtsvoll "The Kaiser" genannte Mittelfeldspieler stand noch bis 2006 in Liverpool unter Vertrag. Bei den Fans der Reds gehörte er stets zu den Publikumslieblingen.

Fast wäre Hamanns Name sogar noch beim Neubau des Wembley-Stadions verewigt worden. 2005 lag der Deutsche bei einer Online-Abstimmung zur Namensfindung für eine Fußgängerbrücke nahe der Arena aussichtsreich im Rennen. Die zuständige Kommission erklärte ihn jedoch zum unzulässigen Kandidaten, weil er kein Engländer sei.

Hamann zufrieden mit seiner Rolle beim Wembley-Abschied

"Ich glaube, den Verantwortlichen der Umfrage war nicht bewusst, dass sich so viele Deutsche daran beteiligen würden. Am Ende waren die Engländer quasi gezwungen zu reagieren. Denn so weit geht die Freundschaft zwischen uns dann doch nicht", sagte Hamann.

Die Brücke nannten die Stadionbauer stattdessen "White Horse Bridge" nach dem Pferd, das im Pokalfinale 1923 tausende Zuschauer davon abhielt, den Platz zu stürmen.

Hamann ist trotz dieser Wendung der Ereignisse zufrieden mit seiner historischen Rolle beim Wembley-Abschied. "Ich bin ja in den Geschichtsbüchern verewigt – das reicht mir", sagte der Mann, der am 7. Oktober 2000 in Englands Fußball-Tempel die Abrissbirne schwang.

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