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Zangqa will mit dem DRV zurück in die Weltspitze

29.09.2017 10:35
Nächster Halt: Weltspitze?
Nächster Halt: Weltspitze?

Vuyolwetu Zangqa soll die deutsche Siebener-Rugby-Nationalmannschaft in die erweiterte Weltspitze führen. Der Südafrikaner weiß, was es heißt, kämpfen zu müssen.

Am 4. Juni 2009 schloss sich für Vuyolwetu "Vuyo" Zangqa für immer "eine Tür". Zangqa hatte gerade mit der südafrikanischen Nationalmannschaft im Siebener-Rugby die prestigeträchtigen World Series gewonnen, als er in Johannesburg über den Highway fuhr. Autofahren, erzählt er, sei damals in Südafrika eine gefährliche Sache gewesen, das Straßennetz sei erst für die Fußball-WM 2010 verbessert worden.

"Es nieselte und das Auto vor mir zog plötzlich auf meine Spur", sagt Zangqa. Er bremste, "vielleicht ein bisschen zu stark", sein Wagen geriet ins Schlingern, "es geschah alles sehr schnell" - ein folgenschwerer Unfall. Zangqa zog sich mehrere Brüche im Gesicht zu, musste zwei Mal operiert werden und verlor die Sehkraft auf seinem linken Auge. "Es ist ein Schaden, mit dem ich noch immer lebe", sagt er, davon zeugt auch eine Narbe auf der Nase des deutschen Bundestrainers.

Weltspitze als Ziel

Damals, als sich die Tür zu seiner Karriere als Spieler schloss und die Zeit als "leichtfüßiger Maestro", wie ihn die Presse feierte, vorbei war, habe sich "eine andere Tür geöffnet", erzählt der 36-Jährige mit ruhiger Stimme. "Der Herr weiß ja immer, welchen Weg er dich gehen lassen will, und jetzt sitze ich hier" - als Coach des Siebener-Teams des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV).

Zangqa, den alle nur Vuyo (dt.: Freude) nennen, soll die Mannschaft in die erweiterte Weltspitze führen. Das Ziel: Olympia 2020 in Tokio. Seit August ist er im Amt, am Freitag und Samstag tritt er mit seinem Team bei den "Oktoberfest Sevens" im Münchner Olympiastadion gegen die versammelte Weltelite an.

"Wir können es schaffen"

Für den DRV ist es eine Standortbestimmung auf dem Weg nach Tokio. Als Siebener-Rugby 2016 in Rio de Janeiro Olympia-Premiere feierte, verpasste das deutsche Team die Qualifikation knapp. Gelingt der neue Anlauf? "Wir können es schaffen", sagt Zangqa.

Schließlich hat er gelernt zu kämpfen. Der Unfall vor acht Jahren habe ihm "eine neue Perspektive auf das Leben gegeben", sagt er. Als Spieler habe er nie darüber nachgedacht, Trainer zu werden, inzwischen habe er sich in seinen Job "verliebt". Es geht ihm darum, "den Jungs beizubringen, da draußen jemand zu sein, ein guter Spieler, ein Vater, auf den seine Kinder stolz sein können".

"Die Deutschen sind anders"

Zangqa hat nichts dagegen, für die Spieler die Rolle des großen Bruders einzunehmen. "Ich sage ihnen nicht, wie sie mich zu sehen haben, aber ich sage ihnen, was mir das Spiel beigebracht, was es mir gegeben hat." Zangqa erzählt von der WM 1995 in Südafrika, als sein Sport das von der Apartheid zerrissene Land zu einen half. Damals, sagt er, "haben wir die Unterschiede vergessen".

Zangqa wurde Profi, später Assistenztrainer der südafrikanischen Siebener-Nationalmannschaft, er coachte in Kenia und Litauen. "Die Kenianer", sagt er, "rennen nonstop, beschweren sich nie. Die Deutschen sind anders, du musst ihnen erklären, warum sie rennen. Sie sind Denker."

Einer dieser "Denker" war bis vor Kurzem Clemens von Grumbkow, der Rekordnationalspieler arbeitet inzwischen als Zangqas Assistent. Irgendwann wolle er die Mannschaft an von Grumbkow übergeben, sagt Zangqa, "ich gebe alles, damit er dann bereit ist".

Bis dahin will der Familienvater, der in der Rugby-Hochburg Handschuhsheim (Stadtiel von Heidelberg) lebt, sein Deutsch verbessert haben. Und: Nach dem Turnier in München will er dort aufs Oktoberfest. "Ich habe noch nie in meinem Leben einen Liter Bier getrunken." Aber das gehöre zur deutschen Kultur - wie auch, auf der Autobahn Tempo 200 zu fahren. Daran aber, sagt Zangqa, "werde ich mich wohl nie gewöhnen".

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