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Wehrleins Stolpersteine: Whisky und ein Aperitif

26.09.2017 10:58
Pascal Wehrleins Zeit in der Formel 1 könnte bald ein Ende finden
© getty, Dan Istitene
Pascal Wehrleins Zeit in der Formel 1 könnte bald ein Ende finden

Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps? Ganz so einfach ist es in der Formel 1 leider nicht. Das muss Pascal Wehrlein in diesen Tagen auf kuriose Art erfahren. Denn ein Spirituosen-Hersteller hat gerade gewaltigen Einfluss auf das Berufsleben des 22-Jährigen - und bringt ihn vielleicht um seine Zukunft in der Königsklasse.

"Ich habe bislang alle Punkte für Sauber eingefahren und meinen Teamkollegen auch in den meisten Qualifyings geschlagen. Was soll ich sonst noch tun", sagt Wehrlein vor dem Großen Preis von Malaysia (Sonntag, 9:00 Uhr RTL) über seinen möglicherweise vergeblichen Kampf um ein Cockpit.

Sportlich überzeugt der Deutsche, doch das Leistungsvermögen hat eben nicht den größten Einfluss auf die Vergabe der begehrten Plätze in der Formel 1. Wehrleins Problem: Gleich zwei mögliche neue Arbeitgeber scheiden aus, weil sie mit dem Deutschen nicht weltweit für harten Alkohol werben dürfen - Wehrlein ist zu jung.

Eigentlich wären Williams und Force India zwar sinnvolle Optionen. Denn Wehrlein ist Vertragsfahrer bei Mercedes, und beide Teams beziehen ihre Motoren vom deutschen Hersteller. Das erleichtert Verhandlungen im Normalfall enorm.

Stroll dank Millionenspritze fest im Sattel

Doch der Traditionsrennstall Williams ist eng mit seinem Titelsponsor Martini verbunden, und der darf für seinen hochprozentigen Aperitif in einigen Ländern nur mit Personen werben, die älter sind als 25 Jahre. Der kanadische Teenager Lance Stroll (18) ist dank der Millionenspenden seines schwerreichen Vaters auch für 2018 gesetzt. Damit ist der Platz, den aktuell Routinier Felipe Massa (36) inne hat, für Wehrlein nicht zu haben.

Ein ähnliches Problem ergibt sich bei Force India durch Whisky-Sponsor Johnnie Walker. Dort steht der junge Franzose Esteban Ocon (21), ebenfalls ein Mercedes-Junior, nicht zur Diskussion. Auch Force India braucht also einen älteren Fahrer, der ohnehin starke Sergio Pérez (27) wurde für 2018 bereits bestätigt.

Damit gerät eine der vielversprechendsten deutschen Motorsportkarrieren ins Stocken, vielleicht scheitert sie sogar - an den komplizierten Abhängigkeiten und Verflechtungen in der Formel 1. Denn bei Sauber darf Wehrlein mit ziemlicher Sicherheit nicht bleiben, weil Ferrari im Zuge des neuaufgelegten Motorendeals Ansprüche stellt.

Leclerc steht schon parat

Die Scuderia will Sauber als Ausbildungsteam nutzen, ein Ferrari-Nachwuchsfahrer soll im kommenden Jahr Wehrleins Cockpit erhalten. Top-Favorit ist der Monegasse Charles Leclerc (19), der am Freitag in Malaysia schon eine Trainings-Session für die Schweizer bestreiten wird.

Viel Hoffnung gibt es für Wehrlein nicht mehr. Sauber dürfte für den zweiten Sitz an Paydriver Marcus Ericsson festhalten, McLaren bald mit Fernando Alonso verlängern. Und Toro Rosso hat als Red-Bull-Juniorteam wohl kaum Interesse, einen Mercedes-Mann wie Wehrlein auszubilden.

Der hofft weiter auf das Verhandlungsgeschick seiner Bosse, doch die haben es schwer, den Job des Talents zu retten. Manchmal ist Schnaps eben nicht einfach nur Schnaps.

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