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Die historischen Meilensteine von Taisto Mäki und den "Fliegenden Finnen"

Damals: Als ein Finne die Schallmauer durchbrach

17.09.2018 15:21
Taisto Mäki war einer der besten Läufer des frühen 20. Jahrhunderts (Bildquelle: http://urheilunhistoria.blogspot.de)
Taisto Mäki war einer der besten Läufer des frühen 20. Jahrhunderts (Bildquelle: http://urheilunhistoria.blogspot.de)

Während heutzutage kenianische und äthiopische Athleten den Langstreckenlauf dominieren, kamen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die erfolgreichsten Läufer aus einem ganz anderen Teil der Welt: aus dem beschaulichen Finnland.

Die "Fliegenden Finnen" um Paavo Nurmi und Ville Ritola gewannen in den 20er und 30er Jahren diverse olympische Medaillen und brachen Rekord um Rekord. So holten sie beispielsweise alle drei Medaillen über die 10.000 Meter bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin.

Einen historischen Meilenstein der Sportgeschichte erreichte aber der eher unbekannte Taisto Mäki. Der Stern des Hirten aus dem Umland von Helsinki ging bei der Europameisterschaft 1938 in Paris auf, als er den Titel über 5000 Meter gewann.

Mehr noch: Nur wenige Wochen später stellte der Finne seinen ersten Weltrekord auf. Er unterbot die bisherige Bestzeit über 10.000 Meter um mehr als drei Sekunden. Auch über die 5000 m und über zwei Meilen lief er Rekordzeiten.

Mäki durchbricht Schallmauer

Am 17. September 1939 schrieb Mäki erneut Geschichte. Er durchbrach als Erster die magische Grenze von einer halben Stunde über 10.000 Meter. Mit einer für damalige Verhältnisse unglaublichen Zeit von 29:52.6 Minuten konnte er seinen eigenen Weltrekord um mehr als zehn Sekunden verbessern.

An diese sensationelle Leistungen sollte der Finne jedoch nie wieder anknüpfen. Die sich dramatisch zuspitzende politische Situation im Europa der späten 30er überschattete auch den Sport.

Finnland wurde in den gerade ausgebrochenen Zweiten Weltkrieg verwickelt und schlitterte in den Winterkrieg mit der Sowjetunion. Mäki wurde ebenso wie viele prominente Mitglieder der Fliegenden Finnen in die Armee eingezogen und an die Front nach Karelien versetzt.

US-Tour als Anfang vom Ende

Kurze Zeit später wurden er und Teamkollege Paavo Nurmi aus dem Kampfgebiet abgezogen, um auf einer US-Tour Gelder für die finnische Unabhängigkeit zu sammeln. 

Bei der Tournee trat das Duo gegen verschiedene amerikanische Athleten an. Ihren Höhepunkt fand die Werbereise in New York, als 14.000 Menschen den Weltrekordler laufen sehen wollten.

Doch Mäki kam nie wieder in die Nähe seiner Fabelzeiten. Weitere Medaillen und Titel blieben ihm verwehrt. Auch die Dominanz der finnischen Läufer wurde durchbrochen.

Erst 1971 konnte mit Lasse Virén wieder ein Finne eine Olympische Medaille über die Langdistanz gewinnen. Mäkis historische Leistung aber ging in die Geschichtsbücher ein.

Sebastian Ernst