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Sturm: "Junge deutsche Spieler mehr fördern"

06.09.2017 12:05
Marco Sturm fordert eine bessere Nachwuchsförderung in der DEL
Marco Sturm fordert eine bessere Nachwuchsförderung in der DEL

Bundestrainer Marco Sturm ist ist nach 20 Jahren in Nordamerika nach Deutschland zurückgekehrt. Die Deutsche Eishockey Liga, die am Freitag in ihre 24. Saison startet, hat er besonders im Blick, weil er bei Olympia auf seine NHL-Profis verzichten muss. Im Interview spricht der 38-Jährige über seine Heimkehr, seine mögliche Vertragsverlängerung und seine Wünsche an die DEL.

Herr Sturm, Sie sind aus Ihrer Wahlheimat Florida zurück nach Landshut gezogen. Warum?

Marco Sturm: Von meiner Seite war es kein Problem, hin und her zu fliegen. Aber wegen Olympia 2018 wäre ich noch mehr unterwegs gewesen und hätte weniger Zeit für die Familie gehabt.

Dass Ihre Kinder im vergangenen Winter erstmals Weihnachten in Ihrer alten Heimat erlebt haben, hat die Entscheidung leichter gemacht, oder?

Es war eine tolle Erfahrung für uns alle. Sie freuen sich darauf, es wird ein spannendes Jahr.

Auch beruflich, denn die Olympischen Spiele in Pyeongchang im Februar bilden das Highlight.

Ja. Und weil die NHL-Spieler nicht dabei sind, ist es ein Vorteil, dass ich sehr viele Spiele in Deutschland live sehen kann. Außerdem bin ich viel mit den Nachwuchs-Nationalmannschaften unterwegs.

Und der Nachteil?

Ich habe in der NHL viele taktische Neuheiten täglich mitbekommen. Das fehlt jetzt ein bisschen.

Bleiben Sie langfristig in Deutschland?

Wir gehen jetzt erstmal das eine Jahr an und schauen, was rauskommt. Wenn die Familie zufrieden ist, wenn der DEB zufrieden ist, dann bleibe ich länger.

Ihr Vertrag als Bundestrainer läuft 2018 aus. Haben Sie schon mit DEB-Präsident Franz Reindl über eine Verlängerung gesprochen?

Wir haben im Sommer Vorgespräche geführt. Es gibt keine Eile. Es gibt einige Punkte, die für mich interessant sind: Was passiert intern beim DEB? Franz Reindls Amtszeit endet im nächsten Jahr. Und was passiert in der DEL?

Was müsste in der DEL passieren?

Junge deutsche Spieler müssten noch mehr gefördert werden. Es sind sehr viele Ausländer in der Liga, die anderswo keinen Platz bekommen, weil sie nur Mittelmaß sind. Das Gesamtpaket muss passen, noch passt es nicht. Im Nachwuchsbereich hat sich schon einiges bewegt, als nächsten Schritt müsste man die Zahl der Ausländer verringern. Wenn alle mitwirken, können wir noch mehr rausholen. Es ist noch viel Luft nach oben.

Sie haben bei der Heim-WM das Viertelfinale erreicht und die Nationalmannschaft in zwei Jahren in der Weltrangliste von Platz 13 zurück auf acht geführt. Es spricht wenig dagegen weiterzumachen.

Es ist fast alles optimal gelaufen. Es macht Riesenspaß, die Jungs geben alles. Aber es werden auch Turniere kommen, bei denen es nicht so läuft. Darauf muss man vorbereitet sein.

In Pyeongchang müssen Sie auf die NHL-Profis verzichten. Müssen Sie umdenken, auch was die Spielweise angeht?

Es ist natürlich enttäuschend, dass die, die uns zu Olympia geführt haben, nicht mitspielen dürfen. Es wird kleine Veränderungen geben. Wir haben nicht viel Zeit, müssen es auf die Schnelle hinbekommen.

Wie groß ist der Kreis der Olympia-Kandidaten?

Laut Anmeldung beim DOSB habe ich 58 Spieler auf dem Zettel. Aber so groß ist der Kreis nicht. Die Spieler müssen sich jetzt in den Vereinen beweisen. Der Deutschland Cup im November ist die einzige Vorbereitung, Anfang 2018 muss ich schon nominieren.

Zumindest zwei langjährige NHL-Spieler haben Sie dabei: Christian Ehrhoff und Marcel Goc.

Es sind zwei ältere, erfahrene Spieler, die ihren Job immer hervorragend gemacht haben und auch außerhalb des Eises die Mannschaft vorbildlich geführt haben. Ich hoffe, die beiden bleiben gesund.

Am Freitag beginnt die neue DEL-Saison. Wird Red Bull München zum dritten Mal in Folge Meister?

Den Kader dafür haben sie auf jeden Fall - vier Topreihen, einen guten Trainer. Für die anderen wird es schwierig.

Wer sind die größten Konkurrenten?

Berlin wird besser sein als letzte Saison, Mannheim hat auch noch nicht alles abgerufen.

Nach dem Wechsel von Patrick Hager aus Köln spielt fast die halbe Nationalmannschaft in München. Hilft Ihnen diese Blockbildung?

Ich finde es gut, weil sie in einer starken Mannschaft spielen und gut betreut werden. So entwickelt man sich besser und schneller. Wie die Münchner mit jungen Spielern arbeiten, hilft uns.

Sie sind mit der Nationalmannschaft unter die Top Acht der Welt zurückgekehrt. Ist es noch schwieriger, dort zu bleiben?

Auf jeden Fall. Die anderen Mannschaften nehmen uns nicht mehr auf die leichte Schulter. Die Herausforderung ist riesengroß. Dafür brauchen wir die Mithilfe der DEL. Ich will sicher sein, dass wir in Zukunft einen Plan haben und den Weg weitergehen.

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