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Rücktritt nach Verletzungssorgen und privaten Problemen

Vor 20 Jahren: Tennis-Königin Steffi Graf tritt ab

13.08.2019 12:18
Im August 1999 beendete Steffi Graf ihre Karriere
Im August 1999 beendete Steffi Graf ihre Karriere

Am 13. August 1999 erklärte Tennis-Legende Steffi Graf ihren Rücktritt vom aktiven Profi-Sport. Verletzungsprobleme und private Probleme trugen zu dem Schritt bei, der national und international ein riesiges Echo hervorrief.

"Tennis hat mein ganzes Leben bestimmt, es ist schwer, loszulassen", sagte Steffi Graf, als sie an diesem denkwürdigen Tag im August 1999 vor den versammelten Journalisten auf dem Podium saß.

Wenige Minuten zuvor hatte die "Gräfin" auf einer von ihr einberufenen Pressekonferenz im Heidelberger Marriott-Hotel erklärt, dass sie ihre Karriere beenden und nicht mehr auf den Platz zurückkehren werde - nervös, mit zitternder Stimme, unter Tränen.

Das Echo in den Medien war eindeutig: Das Tennis hatte eines seiner wichtigsten Zugpferde verloren, eine absolute Ausnahmespielerin.

"Sie bringt eine goldene Ära zu Ende", titelte die englische "Times". Die renommierte französische "L'Equipe" räumte für Graf nicht nur ihre gesamte Titelseite frei, sondern widmete ihr im Innenteil auch noch eine Doppelseite. "Eine Göttin geht", schrieb "Le Figaro".

Auch Beckenbauer und Co. ehren Steffi Graf

Auch deutsche Sport-Größen meldeten sich zu Wort. "Steffi Graf ist zweifelsohne eine der größten Sportlerinnen der deutschen Geschichte. Was sie erreicht hat, ist phänomenal. Ihre Entscheidung ist schade, aber verdient höchsten Respekt", sagte Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer. 

Der damalige Handball-Bundestrainer Heiner Brand schwärmte: "Steffi wird als eine der größten Sportlerinnen aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Ihr Ehrgeiz und ihr Durchhaltevermögen waren einzigartig. Wie sie nach schweren Verletzungen wieder ganz nach oben gekommen ist – das macht ihr so schnell keiner nach."

Boris Becker, selbst nicht einmal zwei Monate vorher von der großen Tennis-Bühne abgetreten, wollte sich angesichts der Tragweite von Grafs Entscheidung noch zurückhalten, "damit ich auch etwas Passendes sage".

Verletzungen und Affäre um Peter Graf belasten Steffi

Ein Hauptgrund für Grafs Rücktritt waren ihre zahlreichen Verletzungen, vor allem im Herbst ihrer grandiosen Karriere.

Die schlimmste ereignete sich 1997. Die Deutsche verletzte sich schwer am Knie, fiel insgesamt zwölf Monate aus und wurde daraufhin nicht mehr in der Weltrangliste geführt.

Bei ihrem Comeback musste "Fräulein Vorhand" Schmerzmittel zu sich nehmen, um überhaupt noch auf dem Court stehen zu können.

Auch die Negativ-Schlagzeilen um ihren Vater Peter setzen Graf zu. Ihr Förderer und langjähriger Manager wird mit Schmiergeldzahlungen, Steuerhinterziehung sowie einer Affäre mit einem Akt-Modell in Verbindung gebracht.

Wegen seiner Steuervergehen landet Peter Graf schließlich im Gefängnis. Um weiterer Strafverfolgung zu entgehen, geht angeblich fast das gesamte Vermögen der Familie Graf für Steuernachzahlungen drauf.

Letzer Grand-Slam-Titel für Steffi Graf der "schönste"

Ihr letzter Grand-Slam-Titel bei den French Open 1999 nannte Graf wohl auch aufgrund der schwierigen Begleitumstände in den Jahren zuvor später "den schönsten meiner Karriere".

Im Finale von Roland Garros schlug sie die favorisierte Weltranglistenerste Martina Hingis - eine besondere Genugtuung für Graf, da ihre elf Jahre jüngere Kontrahentin im Vorfeld des Matches siegessicher den Vollzug des Generationenwechsels im Damen-Tennis angekündigt hatte.

Wenig später war dieser dann aber durch Grafs Rücktritt tatsächlich perfekt. Ihr letztes Match spielte die gebürtige Mannheimerin am 3. August 1999 in San Diego, verletzungsbedingt musste sie gegen die US-Amerikanerin Amy Frazier aufgeben.

107 Turniersiege auf der WTA-Tour, davon 22 bei Grand Slams, und 377 Wochen als Nummer eins bleiben für immer in den Geschichtsbüchern. Fans aus aller Welt lieben die "lebende Legende", wie Tennis-Idol John McEnroe Graf einst bezeichnete, noch heute.

Privat findet Graf kurz nach dem tränenreichen Rücktritt ihr Glück: Bei einem gemeinsamen Training kommt sie Kollege Andre Agassi näher. Im Oktober 2001 heiraten die beiden Tennis-Legenden. Das Paar ist bis heute glücklich liiert und hat zwei Kinder.

Jan Bugla/Tobias Knoop

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